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Kuratorium
Gedenkstätte Ernst Thälmann
Hamburg

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  • Ernst Thälmann: Biographische Skizze

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Hans Rondi

Ernst Thälmann: Biographische Skizze

Diese Biographische Skizze entnahmen wir der vom Kuratorium herausgegebenen Broschüre "Ernst Thälmann und Kampfgefährten - Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text"

Ernst Thälmann wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Sein Vater Jan Thälmann war als Fuhrmann tätig und aus Holstein nach Hamburg gekommen, seine Mutter, Maria Magdalena Kohl-peiß, stammte aus den Vierlanden. Bald nach seiner Geburt übernahmen die Eltern eine Kellerwirtschaft in Hafennähe, später einen Grünwarenladen im Stadtteil Eilbek. Nach der Schulentlassung half Ernst Thälmann weiter im elterlichen Geschäft und arbeitete dann als Hafenarbeiter und als Kutscher. 1904 trat er in die Transpartarbeitergewerkschaft ein. Schon ein Jahr zuvor war er Mitglied der SPD geworden und übernahm verschiedene Funktionen im Stadtteil und auf Wahlkreisebene.

Am 14. Januar 1915 heiratete er die Wäscherin und langjährige Arbeitskollegin Rosa Koch. Einen Tag danach wurde er als Soldat eingezogen und kam an die Westfront. Er nahm unter den Kameraden gegen den Krieg Stellung, was ihm vom Kriegsgericht "verschärften Arrest" einbrachte. Nach der Novemberrevolution schloß er sich der USPD an und wurde 1919 als Abgeordneter in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, der er bis 1933 angehörte.

Am 6. November 1919 wurde Rosa und Ernst Thälmann die Tochter Irma geboren.

Thählmann, der seit Mai 1919 Vorsitzender der USPD in Hamburg war, gelang es, die Mehrheit seiner Genossen für einen Zusammenschluß mit der KPD zu gewinnen und trat dafür auch auf den außerordentlichen Parteitagen in Berlin und in Leipzig ein. 1920 vereinigte sich die Mehrheit der USPD mit der KPD zur VKPD, die sich bald darauf wieder KPD nannte, 1923 wurde Thälmann Mitglied des Zentralkomitees der KPD. Am Hamburger Aufstand im Oktober 1923 war er führend beteiligt und half den geordneten Rückzug zu organisieren, als die erwartete übergreifende Revolution in Deutschland ausblieb. Vom Mai 1924 bis zum Ende der Weimarer Republik war er Mitglied des Deutschen Reichstages. Auf dem V. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale im Juli 1924 in Moskau wählten die Delegierten Thälmann ins Präsidium des Exekutivkomitees (EKKI). Im September 1925 wurde er Vorsitzender der KPD. Wenige Monate zuvor hatte er die Leitung des Roten Frontkämpferbundes übernommen. Thälmann verstand es, die Massen zu begeistern. Im großen Saal von Sagebiel - zu der Zeit wohl das größte Versammlungslokal in Hamburg - drängten sich oft 1000 Zuhörer. Auf dem Heiligengeistfeld wurden bis zu zehn Tribünen aufgestellt, da es zu der Zeit noch keine Lautsprecheranlagen gab. Um die Tribüne Thälmanns drängten sich die meisten Teilnehmer. 1928 gab es eine heftige Kontroverse im Zentralkomitee der KPD weil Thälmann es unterlassen hatte, die Parteiführung rechtzeitig über eine Unterschlagungsaffäre im Bezirk Wasserkante zu unterrichten. Er wurde seiner Funktion als Parteivorsitzender enthoben, aber noch im gleichen Jahr rehabilitiert und wieder eingesetzt.

Bei den Wahlen 1925 und 1932 kandidierte Thälmann für das Amt des Reichspräsidenten. Die Losung der KPD 1932 "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg" wird Thälmann zugeschrieben. Seine Überlegungen gingen ebenso ein in die programmatischen Erklärungen der KPD "Zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" (August 1930), dem "Bauernhilfsprogramm" (März 1931) und dem "Arbeitsbeschaffungsprogramm" (1931). Zur Abwehr des Faschismus schlug das ZK der KPD der SPD und der Gewerkschaftsführung mehrmals gemeinsame Aktionen vor, so am 20.Juli 1932, anläßlich des Papen-Staatsstreiches in Preußen, und am 30. Januar 1933, nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Die Angebote wurden jedoch nicht angenommen.

Auf der illegalen Tagung des Zentralkomitees der KPD am 7. Februar 1933 in Ziegenhals bei Berlin sprach Thälmann über Schlußfolgerungen aus der Situation für eine Einheitsfront aller Hitlergegner gegen den Faschismus. Es war seine letzte Rede. Am 3. März 1933 fiel er den Faschisten in die Hände, die nach dem von ihnen inszenierten Reichstagsbrand am 27.Februar 1933 massenhaft Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Nazigegner einkerkerten. Von der Sowjetunion über Europa und die USA bis Japan entstand eine Massenbewegung für die Freilassung Thälmanns und aller inhaftierten Antifaschisten. Allein bis 1934 erschienen weltweit 20 000 Thälmann-Broschüren. Ein einziges Mal - nämlich 1934 - durfte ihn eine Delegation im Untersuchungsgefängnis Berlin besuchen. Den Arbeitern aus dem Saargebiet berichtete Thälmann u.a. von den Mißhandlungen, denen er ausgesetzt gewesen war. 1935 ließ die faschistische Führung den gegen Thälmann vorbereiteten Prozeß fallen. Sie hob die Untersuchungshaft auf und verfügte Schutzhaft. So hatte Thälmann damals einen einmaligen Häftlingsstatus; er war Schutzhaftgefangener der Gestapo, blieb aber weiter in einem der Justiz unterstehenden Gefängnis. Im Freiheitskampf des spanischen Volkes gegen die der Franco-Diktatur 1936 - 1939 wurde eine Einheit der XI. Internationalen Brigade, der vorwiegend deutsche Antifaschisten angehörten, "Thälmann-Bataillon" genannt.

Während seiner Gefangenschaft gelang es durch illegale Verbindungen über Rosa und Irma Thälmann sowie Kuriere Niederschriften und Hinweise Thälmanns zu innen- und außenpolitischen Fragen aus den Gefängnissen zu schmuggeln. Aus Thälmanns Briefen von 1939 bis April 1941 geht hervor, dass er die Hoffnung hegte, Stalin würde - besonders nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag - seine Befreiung erwirken. Die Hoffnung trog; Stalin nutzte seine Möglichkeiten nicht.

Thälmann saß 11 Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern von Berlin-Moabit, Hannover und Bautzen in Einzelhaft, bis Hitler und Himmler am 14. August 1944 seine Ermordung festlegten. Vier Tage später wurde er im KZ Buchenwald erschossen.

Thälmanns letzte bekannt gewordene Niederschrift "Antwort auf Briefe eines Mitgefangenen" von Anfang 1944 kann als sein politisches Testament angesehen werden. In ihm legt er seine und die Position der deutschen Kommunisten dar und stellt sie der Demagogie, dem Terror und den Kriegsverbrechen des deutschen Faschismus entgegen.

In der DDR wurde dieses Dokument 1952 veröffentlicht, 1965 folgten Thälmanns "Briefe aus dem Gefängnis an die Angehörigen". Das Kuratorium der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg gab 1977 Thälmanns in faschistischer Haft verfaßte autobiografischen Aufzeichnungen unter dem Titel "Zwischen Erinnerung und Erwartung" heraus.

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