Logo des Kuratoriums

Kuratorium
Gedenkstätte Ernst Thälmann
Hamburg

Das Gebäude der Gedenkstätte Gedenktafel

Tarpenbekstr. 66
20251 Hamburg
Tel. 040/474184
Fax 040/46090323

Öffnungszeiten: Di. von 10 bis 20 Uhr - Mi. bis Fr. von 10 bis 17 Uhr - Sa. von 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung
Startseite Rundbriefe Rundgang Aus der Gedenkstätte Reden & Schriften Artikel Links Impressum

Artikel:

Aufrufe:

Reden:

  • Niemand und nichts wird vergessen

Vorträge:

Ewald Stiefvater

Niemand und nichts wird vergessen

Das Kuratorium der „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ e.V. hat im Ehrenhain auf dem Ohlsdorfer Friedhof aus Anlass des 75. Jahrestages der Machtübertragung an die Hitler-Partei eine Veranstaltung durchgeführt. In der Einleitung betonte dort der Kuratoriumsvorsitzende Uwe Scheer, die NSDAP sei mit Hilfe der Großindustrie aufgepäppelt worden, sie sei weder national noch sozialistisch, geschweige denn eine „Arbeiterpartei“ gewesen.
Zu der Veranstaltung, die im Rahmen der Woche des Gedenkens der Bezirksversammlung Hamburg Nord durchgeführt wurde, hatte die Gedenkstätte Vertreter der DKP, der VVN-Bund der Antifaschisten und von anderen Organisationen der Arbeiterbewegung eingeladen.
Für die „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ sprach Ewald Stiefvater aus Wedel:

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Genossinnen und Genossen!

Niemand und nichts wird vergessen“, so heißt der Titel des Buches von Ursel Hochmuth, das den mutigen Lebensweg antifaschistischer Widerstandskämpfer aufzeichnet, die uns Vorbild sind im Kampf gegen Krieg und Faschismus, für eine gerechte Welt in Frieden und sozialer Sicherheit. Hier im Ehrenhain auf dem Ohlsdorfer Friedhof haben sie ihre letzte Ruhe gefunden.

Niemand und nichts wird vergessen! Dieser Mahnung müssen wir uns immer wieder aufs Neue stellen. Heute vor 75 Jahren machte ein Bündnis von rechten Konservativen und Faschisten Hitler zum Reichskanzler. Als „nationale Ordnungskraft“ verkündeten die Faschisten das Ziel, unser Land von der „jüdisch-kommunistischen Weltpest“ zu befreien. Hitler erläuterte sein Programm „zur Ausrottung des Marxismus“ und „Gewinnung von Lebensraum im Osten“ am 4. Januar 1933 in der Kölner Villa des Bankiers Freiherr von Schröder vor Konzernherren und am 3. Februar 1933 vor der Generalität der Reichswehr in Berlin. Seine terroristische Unterdrückungs- und Kriegspolitik blieb unwidersprochen. Die 12jährige Herrschaft der Hitler-Regierung hat ein Massenvernichtungspotential in einem Ausmaß hervorgebracht, wie es zuvor in der Menschheitsgeschichte nicht vorgekommen war. Auf das Konto der Faschisten gehen fast 60 Millionen Kriegstote. In den Konzentrationslagern und Gaskammern des Faschismus war das organisierte Töten und Vernichten von Menschen tägliche Praxis. Antifaschisten aus allen Ländern, Kriegsgefangene, Millionen Juden und Sinti und Romas wurden hier umgebracht.

Zur Mahnung und Erinnerung gehört an diesem Tag, dass der ermordete Namensgeber unserer Gedenkstätte, Ernst Thälmann, als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands rechtzeitig vor der Gefahr und der Offensive des Faschismus gewarnt hat und zu einem breiten Einheitsbündnis gegen die faschistischen Kräfte mobilisierte. 1932 rief er aus: „Wer Hindenburg wählt – wählt Hitler. Wer Hitler wählt – wählt den Krieg.“ Noch am Abend des 30. Januar 1933 hat die KPD den dringenden Appell an Sozialdemokraten und Gewerkschaften gerichtet, gemeinsam den Generalstreik auszurufen. Er blieb unbeantwortet.

Ernst Thälmann und seine Kampfgefährten haben mit dem Finger auf die Hauptschuldigen gezeigt, auf jene Finanz- und Industriekapitalisten, auf die feudale Herrenschicht, die die Hitler Partei entdeckt und finanziert haben. Alle bürgerlichen Abgeordneten, darunter der erste Bundespräsident der BRD, Theodor Heuß, stimmten im März 1933 für Hitlers Ermächtigungsgesetz. Bürgerliche demokratische Freiheitsrechte der Weimarer Verfassung wurden außer Kraft gesetzt. Brutale Verfolgung von Antifaschisten aller politischen Richtungen war das Ergebnis. Die Zahl ermordeter Arbeiterfunktionäre aus den Reihen der Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter war besonders hoch. Allein in Hamburg wurden 1800 Antifaschisten von der Gestapo, SS und der Henkerjustiz des Faschismus umgebracht, darunter waren über 600 Kommunisten. Ernst Thälmann gab ein Beispiel für Mut und Tapferkeit für Millionen Andere im Land. Er wurde auf direkten Befehl von Hitler und Himmler nach über 11 Jahren Einzelhaft im August 1944 im KZ Buchenwald feige ermordet.

Niemand und nichts wird vergessen!

Diese Mahnung verpflichtet uns, das Vermächtnis der gemordeten, gequälten und gestorbenen Antifaschisten wie unseren eigenen Augapfel zu hüten, für immer hochzuhalten und zu schützen. Wir stellen uns dieser Aufgabe in der „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ mit unserer Ausstellung, mit unserem Archiv, der Bibliothek, mit Filmvorführungen und Vorträgen. Wir vermitteln die Einsicht, dass die Machtübertragung an die Faschisten hätte verhindert werden können. Das Beispiel der Niederlage des Kapp-Putsches im Jahre 1920, wo die Arbeitermassen mit einem Generalstreik die konservativen und reaktionären Kräfte niederrangen und in die Knie zwangen, ist ein augenfälliger Beleg für die Kraft und Durchsetzungsfähigkeit der breiten Volksmassen. Das einheitliche Handeln von Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern wäre auch 1933 Signal und Zündung für eine unüberwindliche Volksbewegung gegen den Faschismus und die Chance für den Sieg über die Reaktion geworden. Diese Chance wurde leider aus antikommunistischer Blindheit nicht genutzt. Auch diese Erkenntnis gehört zum Vermächtnis der Antifaschisten, die sich in den Konzentrationslagern geschworen hatten: Nie wieder Bruderkrieg!

Den Gedanken zur Gemeinsamkeit wollen wir als eine nie zu vergessende Lehre hier im Ehrenhain vor unseren gefallenen Kameraden zum Ausdruck bringen. Wir gedenken und ehren die auf einer Stele namentlich genannten fast 200 Hamburger Antifaschisten aus den Reihen der Sozialdemokratischen Partei. Wir gedenken und ehren der namentlich nicht genannten über 600 Hamburger Kommunisten, die als Kämpfer gegen Faschismus und Krieg ermordet und gestorben sind und wir gedenken und ehren jene nicht genannten Frauen und Männer aus anderen politischen Richtungen und Schichten der Bevölkerung. Könnten sie ihre Augen öffnen, würden sie uns jetzt zurufen: Bleibt und kämpft gemeinsam gegen Neofaschismus, Rassismus, Antisemitismus und Krieg. Im diesem antifaschistischen Sinne appelliere ich an die Verantwortlichen, in nächster Zukunft notwendige fällige Ergänzungen anzuordnen und ausnahmslos alle gestorbenen Hamburger Antifaschisten namentlich aufzuführen, unabhängig von ihren politischen, religiösen und weltanschaulichen Positionen. Die Gedenkstätte Ernst Thälmann ist bereit, dafür entsprechende Hilfe zu leisten.

Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Antikommunismus von Neofaschisten sowie rechten konservativen Politikern dürfen nicht ein zweites Mal widerspruchslos hingenommen werden. Verharmlosung und Duldung ist zu bekämpfen. Gegen wachsende Gefahren von rechts sind gesellschaftliche Allianzen ein Gebot der Stunde. Den Geschichtsfälschern gilt es entgegen zu en. Kämpfen wir gemeinsam für soziale Sicherheit, gegen Demokratieabbau und für den Frieden.

Zurück zum Seitenanfang

kuratorium@thaelmann-gedenkstaette.de