Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Nr. 21 (November 1990)
Gut, daß es diese Gedenkstätte noch gibt | Die Gedenkstätte in neuen Museumsführern vorgestellt | Aus unserem Gästebuch 1990 | Bibliothek und Archiv jetzt im Thälmann-Haus | Tagung des Kuratoriums Gedenkstätte Ernst Thälmann | Hamburger CDU-Politiker wieder auf der Hatz gegen den Ernst-Thälmann-Platz | Spendenaufruf

Gut, daß es diese Gedenkstätte noch gibt

Diese Worte - zwei junge Berliner schrieben sie in unser Gästebuch -  bringen die Empfindungen vieler zum Ausdruck, die in einer bewegten Zeit unsere Gedenkstätte besuchen. Unsere Gäste aus der ehemaligen DDR stehen unter dem Eindruck von Übergriffen, die Stätten der Mahnung an den Faschismus dort jetzt ausgesetzt sind. Auch in Hamburg häufen sich Versuche von Politikern aus der CDU, den Ernst-Thälmann-Platz seines Namens zu berauben.
Vor diesem Hintergrund hat es einen besonderen Wert, daß nach wie vor viele Menschen, teils von weither kommend, unsere Gedenkstätte besuchen und ihre Verbundenheit mit den antifaschistischen Traditionen der Arbeiterbewegung zum Ausdruck bringen. In diesem Jahr waren es bis Oktober über 4.500, darunter 62 Schüler- und Jugendgruppen Alternativer Stadtrundfahrten mit 2.450 TeilnehmerInnen. Zu ihnen zählten Betriebsjugendvertreter, Christliche Pfadfinder, Studenten und Jugendoffiziersanwärter der Bundeswehr. Aus dem Ausland kamen Jugendgruppen aus Belgien, England, Italien, Israel, Österreich und aus der Sowjetunion. Einzelne Besucher konnten wir begrüßen aus Australien, Dänemark, Libyen, Niederlande, Polen und Vietnam.
Ältere BesucherInnen erinnern sich beim Betrachten unserer Ausstellung an ihr eigenes bewegtes politisches Leben und berichten über ihre Erfahrungen. Jugendliche zeigen ein besonderes Interesse an der Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes, an den Menschen, die sich unter Einsatz ihres Lebens dem Fa-schismus widersetzten, an Formen und Methoden, mit denen sie sich zwischen 1933 und 1945 Gehör ver-schafften.
Unsere Gäste ermahnen uns immer wieder, das Notwendige zum Erhalt der hier bewahrten Zeugnisse der Geschichte zu tun.
Teile unser Exposition waren auch in diesem Jahr an Ausstellungen in anderen Bundesländern verliehen. Erfahrungen aus unserer Gedenkstättenarbeit vermitteln konnten wir dem Hamburger Denkmalamt für ein Seminar über Personenmuseen und einer vom österreichischen Bundeskanzleramt eingesetzten Historikergruppe, von der die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Mauthausen neugestaltet wird.
Wie in den Vorjahren wurde unsere Gedenkstättenarbeit 1990 wiederum durch Spenden ermöglicht. Da wir nur ehrenamtliche Mitarbeiter haben, finden Spenden ausschließlich für den Erhalt und die Pflege unserer Einrichtungen Verwendung.
Allen Spenderinnen und Spendern sei für ihre Solidarität herzlich gedankt. Auf ihre Unterstützung bleiben wir auch weiterhin angewiesen.



Die Gedenkstätte in neuen Museumsführern vorgestellt

Zwei 1990 erschienene Museumsführer stellen die Gedenkstätte Ernst Thälmann vor:
Der "Hamburger Museumsführer" (siehe Abbildung) aus dem Verlag Dr. Landt + Henkel, Rödingsmarkt 39, 2000 Hamburg 11, und
die "Museen in Schleswig-Holstein und Hamburg", Verlag Peter Dreves KG Jungfernstieg 11 - 13, 2370 Rendsburg.



Aus unserem Gästebuch 1990

„Vielen Dank für die Führung, es ist eine der wenigen Möglichkeiten, sich in Hamburg über Faschismus zu informieren.“
Thomas

„Die Konfirmanden der Kirchgemeinde Norderstedt besuchen diesen Ort, um für die Zukunft zu lernen.“

„Auch die Projektgruppe des Gymnasiums Meiendorf war hier und hat sich - so meinen wir - einen guten Überblick über die Arbeiterbewegung verschaffen können.“

„Die Touristengruppe aus Riga (Lettland) bedankt sich bei den Mitarbeitern der Ausstellung für die Bewahrung des Andenkens an den Führer des deutschen Proletariats Ernst Thälmann.“

„Wir brauchen diese historische Wahrheit für unseren antifaschistischen Kampf heute. Faschismus wird nur da stark, wo Mann/Frau ihn duldet.“
VVN/BdA Kiel

„Ihre Ausstellung hat zu sehr konträren Diskussionen unter den Vertretern der Dresdner Jugendvertretungen angeregt. Einigen erschien sie wohl zu einseitig, als daß sie Zugang zur Person Ernst Thälmanns finden konnten. Es erscheint daher wichtig, daß gerade der Widerstandskampf noch komplexer (alle Widerstandsgruppen umfassend) dargestellt wird.“
Eine Vertretung des Runden Tisches der Jugend aus Dresden

„Hoffen wir, daß diese Zeiten sich nicht wiederholen.“
Klasse 9a des Bismarck-Gymnasiums

„Es war uns ein Bedürfnis, diese Gedenkstätte zu besuchen. Gut, daß es sie noch gibt.“
A.Klemm, K.Batsch, Berlin

„Großen Dank allen, die das würdige Andenken an den Kommunisten und Antifaschisten Ernst Thälmann bewahren und seine unsterbliche Idee des Friedens und der Freundschaft an die heutige junge Generation verschiedener Länder weitergeben.“
Gruppe junger Schachspieler aus Leningrad

„Betroffen und tief beeindruckt stehen wir vor den Zeugnissen der Geschichte, die sich uns in dieser Sammlung präsentieren. Wir hoffen und wünschen, daß diese Gedenkstätte noch vielen Besuchern nach uns Gründe und Anstöße zum Nachdenken geben möge.“
40 Führerinnen, 8 Führer von Jugendgruppen im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdD)

„Vielen Dank für die nette Führung. Es bedankt sich
die Klasse 10a der Geschwister-Scholl-Gesamtschule“

„Anläßlich der Studienreise nach Hamburg möchten wir für die Führung durch die Ausstellung über den Hamburger Widerstand der Arbeiter herzlich danken.“
Gewerkschaftsschule Spittal/ Klagenfurt (Österreich)

„Mit großem Interesse habe ich die Ausstellung besichtigt, die dem Leben und Kampf des Führers der deut-schen Arbeiterklasse, Ernst Thälmann, gewidmet ist. Schon in der Kindheit war mir sein Name als Symbol des Kampfes gegen Faschismus und Krieg bekannt. Wir ehren Ernst Thälmann fast so wie auch Lenin. Wir gingen zu Demonstrationen unter der Losung: Freiheit für Ernst Thälmann!“
N. Smirnowa (Moskau)
Kriegsveteranin, ehemalige Gefangene im faschistischen Konzentrationslager Ravensbrück

„In Verbundenheit mit dem Leben und Kampf Ernst Thälmanns. Ein Besuch in Hamburg in bewegten Zeiten führte uns auch zur Ernst Thälmann-Gedenkstätte.“
Hans Coppi (Sohn von Hans und Hilde Coppi, 1942 bzw. 1943 von den Nazis ermordete Mitglieder der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen/Harnack) und Frau

„Ich freue mich, daß es in Hamburg einen Thälmannplatz und eine Gedenkstätte für Ernst Thälmann gibt. Er bleibt uns unvergessen, auch wenn es in Rostock keinen Thälmann-Platz mehr gibt. Ich war 1932 Mitglied der SPD und habe nicht Hindenburg, sondern Thälmann gewählt.“
Gustav Jacob (Bruder von Franz Jacob, 1944 von den Nazis ermordeter Leiter der Widerstandsgruppe Bästlein, Jacob, Abshagen.)

„Unter den veränderten Bedingungen wird es viel schwerer sein, die linken Gedanken zu vertreten. Aber auch wir jungen Menschen wollen zur Aufarbeitung der Geschichte und zum Fortleben unserer Weltanschauung beitragen, gemeinsam und trotz alledem.“
Besucher aus Berlin

„Dies war ein lohnender Besuch! Schönen Denk für die sorgfältig aufgebaute Ausstellung und vor allem für den instruktiven und ausführlichen Kommentar. Mit guten Wünschen
W.Hein Hamburg“

„Wir wünschen der Gedenkstätte Ernst Thälmann weiterhin viel Erfolg. Recht vielen Dank für die interessante Führung.“
Tran Thiem Hoang, Staatliches Fremdenverkehrsamt SR Vietnam

„Thälmanns Warnungen sind heute wieder aktuell geworden, und wir müssen gemeinsam (Ost und West) da-für kämpfen, daß nie wieder solche Verhältnisse in Deutschland auftreten können. Ich danke Euch für das interessante Gespräch, und ich danke Euch dafür, daß Ihr Euch dafür einsetzt, daß Ernst Thälmann nicht ver-gessen wird. Bei uns im Ostteil Deutschlands sind wieder Kräfte am Werk, die es sehr gern sehen würden, wenn Thälmann und seine Ideen vernichtet werden.“
W.Rösler Rostock



Bibliothek und Archiv jetzt im Thälmann-Haus

Nachdem unser Mietvertrag für die Räume in der Tarpenbekstraße Nr. 64 zu Jahresbeginn ausgelaufen war, ist unser Bestand an Büchern, Zeitschriften und Archivalien seit 1. März im Thälmann-Haus untergebracht. InteressentInnen können in der Gedenkstätte Ernst Thälmann weiterhin Materialien zur Auswertung einsehen. Studenten, Wissenschaftler, Publizisten, Geschichtswerkstätten machen nach wie vor davon Gebrauch.
Bei Ausarbeitungen an Bereichen der Hamburger Universität konnten wir behilflich sein, u.a. bei folgenden Themen: Arbeiterjugendbewegung, Kommunistischer Jugendverband, Konsumgenossenschaften, Rote Hilfe, Altonaer Blutsonntag, Kurt Tucholsky, KPD Hamburg nach 1945, KPD-Verbot und "Neue Rechte". Unser Fundus wurde für Einzelpublikationen, u.a. über Etkar André, zur Frauenfrage und zu Umweltthemen ge-nutzt. Ausgeliehen wurden Filme und Video-Filme zur Aufführung in Schulen sowie Plakate der 20er Jahre für Ausstellungen. Eine Auswertung unserer Materialien gab es durch Stadtteil-Geschichtswerkstätten in Barmbek, Eppendorf und St. Pauli und den Förderverein zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Landkreis Cuxhaven. Für einen Fernseh-Film des NDR - Hamburg Journal über die "Sülzeunruhen" in Hamburg (Juni 1919) stellten wir Bildmaterial zur Verfügung. Einzelne Materialien über die Zeit vor und nach dem Machtan-tritt des Faschismus lieferten wir an die Universitäten in Paris, Oldenburg, Berlin-West und an die Fried-rich-Ebert-Stiftung.
Helfen konnten wir bei der Aufklärung der Schicksale von Opfern des "Altonaer Blutsonntag" (17. Juli 1932) und von Teilnehmern am Widerstand gegen den Faschismus.
Aufnahme wird unser Archiv im neuen "Archiv- und Dokumentationsführer“ der Hamburger Universität, Ausgabe 1990, finden.
Verweisen können wir auf über 1.500 Dokumente und Titel aus der Arbeiterbewegung ab den 20er Jahren. Sie sind in einem Verzeichnis erfaßt worden, wodurch die Arbeit mit dieser Sammlung erleichtert wird.
Aus Nachlässen haben wir unseren Archiv-Bestand u.a. an Zeitungen erweitern können. Auch weiterhin sind wir an einer Übernahme von Flugblättern, Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Fotos, Büchern etc. interes-siert.
Auch unseren Bibliotheks- und Archiv-Bestand, der wie die Gedenkstätte ehrenamtlich betreut wird, können wir nur durch Geldspenden erhalten.



Tagung des Kuratoriums Gedenkstätte Ernst Thälmann

Am 17.August 1990 traf sich im Thälmann-Haus in Hamburg das Kuratorium "Gedenkstätte Ernst Thälmann" zu einem Rückblick und Ausblick auf seine Tätigkeit.
Was das Kuratorium vor zwei Jahrzehnten als Ziel seiner Tätigkeit erklärt hatte, nämlich das Vermächtnis Thälmanns zu bewahren und es der Öffentlichkeit nahezubringen, erbrachte beachtliche Ergebnisse. Die von ihm errichtete Gedenkstätte im ehemaligen Wohnhaus der Familie Thälmann zählt seit 1969 über 150.000 BesucherInnen von allen Kontinenten, darunter viele junge Menschen.
Mit Thälmann-Bibliothek und Archiv erschloß das Kuratorium umfangreiche Quellen aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und macht sie wissenschaftlicher Arbeit zugängig. In offiziellen Publikationen, in Museumsführern und Bibliothekswegweisern, auch in solchen, die im Ausland erscheinen, werden die Gedenkstätte, die Bibliothek und das Archiv vorgestellt, wodurch deren Bekanntheit über Hamburg hinaus erhöht und der Zugang von BesucherInnen gefördert wurde und wird.
Wurden die bisherigen Ergebnisse in der Tätigkeit des Kuratoriums unter Voraussetzungen einer vielfältigen demokratischen Aktivität, eines stärker zutagegetretenen antifaschistischen Geschichts- und Problembewußt-seins erreicht, so sind mit den gesellschaftspolitischen Veränderungen auf deutschem Boden und darüberhin-aus auch für antifaschistische Gedenkstättenarbeit neue politische Rahmenbedingungen entstanden. Der Stel-lenwert antifaschistischer Gedenkstätten wird damit nicht vermindert, im Gegenteil. Das Kuratorium bekräftige seine Auffassung, daß für die Vermittlung der Traditionen des antifaschistischen Widerstandes, im Prozeß der Erneuerung bei den Linken und für die Aufarbeitung der Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewe-gung die Gedenkstätte Ernst Thälmann unverzichtbar bleibt. Die Weiterführung ihrer Arbeit trägt mit dazu bei, auch andere antifaschistische Gedenkstätten gegen Angriffe restaurativer Kräfte zu verteidigen.
Das Kuratorium gab sich für seine Tätigkeit bis 1992 einen Rahmenplan. Beschlossen wurde die weitere Aus-gestaltung der Gedenkstätte. Am Beispiel Thälmanns, der Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerk-schafter soll der Arbeiterwiderstand gegen den Faschismus, vor und nach dessen Machtantritt, einprägsam dargestellt werden. Um die dafür notwendigen Mittel aufzubringen, wird sich das Kuratorium darum bemühen, das jetzige Spendenaufkommen weiter zu erhöhen, und es wird einen Zuschuß aus öffentlichen Mitteln beantragen.
Nach Maßgabe seiner Kraft wird das Kuratorium seine Geschichtsarbeit, gestützt auf Bibliothek und Archiv sowie auf neuere Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft, weiterentwickeln. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen mit der Geschichtsarbeit befaßten Einrichtungen wird angestrebt. Aus diesem Spektrum wie aus der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, sollen weitere Mitglieder für das Kuratorium ge-wonnen werden.
Das Kuratorium wählte seinen Vorstand. Als Vorsitzende und gesetzliche Vertreter des eingetragenen Vereins wurden Jan Wienecke und Walter Möller wiedergewählt.
Der Tagung des Kuratoriums schloß sich eine Kundgebung aus Anlaß des 46. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns im faschistischen KZ Buchenwald an mit Ansprachen von Vertretern der VVN/BdA, des Komitees Antifaschistischer Widerstandskämpfer Berlin und der DKP. Viele Teilnehmer an dieser Kundgebung spendeten für den Erhalt und den Ausbau der Gedenkstätte Ernst Thälmann.

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„...Die Welt, in der wir heute leben und kämpfen, gleicht nicht mehr jener, in der Ernst Thälmann lebte und kämpfte. Das politische Antlitz der Welt, das Verhältnis und die Verteilung der sozialen und nationalen Kräfte haben sich total verändert. Gewaltige Volksmassen haben machtvoll in die Entwicklung auf nationaler und internationaler Ebene eingegriffen. So deutlich wie nie zuvor zeigen sich die Vielfalt und die Komplexität, die Einheit der Gegensätze der heutigen Welt, die neue Anforderungen an die Weltpolitik stellen.
Und dennoch, ungeachtet all dieser tiefgreifenden Veränderungen, bleiben die Ideen Thälmanns, die Lehren seines Lebens, seine Warnungen vor der Gefahr des Faschismus und des Krieges auch heute gültig. Und dies nicht nur, weil es auch heute noch Menschen auf der Welt gibt, für die das Hakenkreuz das Symbol der Revanche ist. Weitaus gefährlicher ist der geheime Virus der militaristischen und aggressiven Natur des Faschismus. Unter bestimmten Bedingungen könnte er erneut eine unheilvolle Epidemie hervorrufen. Die imperialistische Reaktion schafft dafür ständig einen günstigen Nährboden. Wir Kommunisten haben die Pflicht, alles zu tun, um den reaktionären Extremismus in allen seinen Erscheinungsformen Einhalt zu gebieten und seine In-spiratoren unablässig zu entlarven..."
(Aus der Rede Michail Gorbatschows bei der Einweihung des Thälmann-Denkmals in Moskau im Oktober 1986)



Hamburger CDU-Politiker wieder auf der Hatz gegen den Ernst Thälmann-Platz

Vor sechs Jahren, am 23. Oktober 1984, richtete unser Kuratorium an Senat und Bürgerschaft den Antrag, eine der Bedeutung Thälmanns entsprechende Straße bzw. Platz seinen Namen zu geben. Diesen Antrag hat-ten 5.000 Hamburger unterstützt. Ihre Zustimmung gaben die Landesverbände der "Falken" und der Jungso-zialisten, zahlreiche Schriftsteller und Künstler, Vereinigungen ehemaliger KZ-Häftlinge und Widerstands-kämpfer aus Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und den Niederlanden. Am 5. März 1985 beschloß der Hamburger Senat die Umbenennung des bisherigen Kegelhofplatzes in Ernst-Thälmann-Platz. Zuvor hatten sich dafür die SPD und GAL-Abgeordneten in Bürgerschaft und Bezirksversammlung Nord ausgesprochen.
Vorausgegangen war der Entscheidung des Senats eine monatelange Anti-Thälmann-Kampagne von Politikern der CDU. Nachdem in der DDR der Versuch gescheitert war, eine sozialistische Gesellschaft zu errichten, machten Hamburger CDU-Politiker erneut mobil, diesmal, um den Ernst-Thälmann-Platz wieder abzuschaf-fen. "Eine der ekelerregendsten Kampagnen der letzten Jahre geht weiter" kommentierte die Stadtzeitschrift "Szene Hamburg" im Februar d.J. Dabei mußte auch das schon Mitte der 80er Jahre, damals auch von Sozialdemokraten widerlegte Vokabular der CDU-Politiker wiederum herhalten, um den Namen Thälmann aus dem Stadtbild zu löschen. Ernst Thälmann sei "Totengräber" der Weimarer Republik und "Wegbereiter" der NS-Diktatur gewesen, so behauptete u.a. der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. jur. Rosenau. ("Eppendor-fer Wochenblatt" Nr.42/90)
Hätte sich Dr. Rosenau einmal an einer Alternativen Stadtrundfahrt beteiligt, würde er erfahren haben, daß Hitler schon 1926 den damals Mächtigen in Großindustrie und Bankwesen im Hamburger Hotel "Atlantic" sein Programm der Zerschlagung der Arbeiterbewegung vorgestellt hatte. Seine Zuhörer waren davon so an-getan, daß sie mit viel Geld der Nazipartei den Weg zur Macht bereiteten. Von dieser großen Schuld des deut-schen Kapitals war einst auch die CDU überzeugt, als sie in ihrem Ahlener Programm vom 27. Februar 1947 zu dem Schluß gelangte, daß der "Kapitalismus ... den Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden" ist. Aus einer "verbrecherischen Machtpolitik" hatte die CDU seinerzeit die Konsequenz gezogen, Teile der Großindustrie zu vergesellschaften.
Die Kommunisten haben, mit Unterstützung Thälmanns aus faschistischer Haft heraus, bereits Mitte der 30er Jahre, während des antifaschistischen Widerstandskampfes, die Ursachen, die zur Aufrichtung der Nazi-Diktatur geführt hatten, untersucht und selbstkritisch auch zu ihren Fehlern, vor allem in der Haltung zur Sozi-aldemokratie vor dem Machtantritt Hitlers, Stellung genommen. Was dem heute aufgrund neuerer Erkenntnis-se von Historikern auch hinzugefügt wird - eine geschichtliche Tatsache ist:
Die Kommunisten mit Thälmann und viele Sozialdemokraten und Gewerkschafter hatten schon vor 1933 das Zusammenspiel von maßgeblichen Kreisen der deutschen Wirtschaft und der Nazipartei erkannt und dieser todbringenden Allianz einen opferreichen Widerstand geleistet. Allein aus Eppendorf, wo der Ernst-Thälmann-Platz sich befindet, wurden nächst Thälmann und dem Sozialdemokraten Robert Finnern, dreißig weitere Antifaschisten Opfer der Nazibarbarei.
Dr. Rosenau und andere in der Hamburger CDU, die den Ernst-Thälmann-Platz abschaffen möchten, sollten nachlesen, was ein Repräsentant ihrer Partei, Bundespräsident Richard von Weizsäcker, am 8. Mai 1985 erklärte:
"Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militäri-schen und des glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten."
Mit Ernst Thälmann und dem Platz, der seinen Namen trägt, wird das Andenken an 30.000 von den Nazis ermordeter Kommunisten geehrt.
Der Ernst-Thälmann-Platz wird bleiben. So haben es die Abgeordneten von SPD, FDP und Frauenfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft bei der Zurückweisung eines weiteren Angriffs der CDU auf den Namensträger des Platzes beschieden.

"die auf deutschem Boden errichteten Denkmäler, die den Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft gewidmet sind, werden geachtet und stehen unter dem Schutz deutscher Gesetze...“
(Aus dem Schreiben Lothar de Maizieres und Hans-Dietrich Genschers an die Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges im Zusammenhang mit dem "Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland", unterzeichnet am 12. September 1990 in Moskau).



SPENDENAUFRUF

Für den Erhalt der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, der Bibliothek und des Archivs bedürfen wir weiterhin der finanziellen Solidarität.
Besonders dankbar sind wir für Geldspenden, die monatlich eingezahlt werden auf unsere  Konten: Bank für Gemeinwirtschaft, Kto.-Nr. 11803287 (BLZ 200101 11)  Postscheck Hamburg 133737-204 (BLZ 20010020)
Spenden sind steuerabzugsfähig. Wir stellen dafür Bescheinigungen aus.

Einzugsvollmacht
 Ich (wir) sind einverstanden, daß von meinem (unserem) Konto monatlich DM  für das Konto des  Kuratori-ums "Gedenkstätte Ernst Thälmann" e.V. abgebucht werden.
Konto-Nr. .................
Bankleitzahl ..............
Konto-Inhaber .............................................................................................................................................................
Geldinstitut .....................................................
Datum .............................................................
Unterschrift ......................................................

Gedenkstätte Ernst Thälmann
Ernst-Thälmann-Platz
2000 Hamburg 20
Tel. 040147 4184

Ausstellung - Bibliothek - Archiv
Öffnungszeiten:
Di - Fr. 10 - 17 Uhr
Sa. u. So. 10 - 13 Uhr  u. n. Vereinbarung