Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Nr. 32 (April 1998)
Zu Thälmanns Briefen aus der Haft (1939 -1941) Eine Klarstellung DER 50. GEBURTSTAG ERNST THÄLMANNS AM 16. APRIL 1936  |   Arbeitslosigkeit und KPD in der Weimarer Republik  |  75 Jahre Hamburger Aufstand   |  Schiffbeker Prozeß 1925 -  Barrikaden in Hamburg    Bewahrung und Pflege des antifaschistischen Erbes  |  Ernst Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals  |  Aus unserer Geschichtswerkstatt |      |   Kino in der GeDenkstätte | Keine Bilder des Vergessens  |  Alternative Stadtrundfahrten  | Termine  | Gesucht: MitarbeiterInnen  für die Gedenkstätte  |  Aus unseren Gästebuch  | Wir GedenkenZu welchen Bereichen wir sammeln und Auskunft geben  | Spenden für die Gedenkstätte  | ERNST THÄLMANN : Zu Fragen des Verhältnisses der Kommunisten zur Jugend Aus einem Artikel vom Februar 1932  |

Zu Thälmanns Briefen aus der Haft (1939 -1941)
Eine Klarstellung

Die 1996 im Dietz-Verlag Berlin erschienenen 24 Briefe von Ernst Thälmann, vom Vorsitzenden der KPD 1939 -1941 in faschistischer Haft geschrieben, ließen Fragen über deren Echtheit und Herkunft aufkommen.  Zurückzuführen war dies sicherlich mit darauf, daß die Herausgeber der Briefe, W. Adolphi und J. Schütrumpf, in ihren Vorbemerkungen zur Buchausgabe der Briefe unbeantwortet ließen, wo und von wem die Briefe entdeckt und wissenschaftlich aufbereitet worden waren und wie sie an die Briefe gelangt sind.

Aufschluß über diesen Sachverhalt gibt ein Artikel des Historikers Boris L. Chawkin einem Redakteur der bei der Russischen Akademie der Wissenschaften erscheinenden Zeitschrift ”Neuere und neueste Geschichte.” Der Artikel ist in „Marxistische Blätter“ 1/98 veröffentlicht.1

Demzufolge ist das Archiv des Präsidenten der Russischen Förderation Fundort der Briefe, die zuvor im früheren Archiv des Politbüros des ZK der KPdSU mit einem Geheimvermerk aufbewahrt waren.

Die Moskauer Zeitschrift „Neuere und neueste Geschichte“ hatte die Briefe, autorisiert durch das Archiv des Präsidenten, Mitte 1996 und Anfang 1997 mit einem kommentierenden Vorwort veröffentlicht. Zuvor, im Jahre 1995, hatte B.L. Chawkin die Briefe dem ”Institut für Zeitgeschichte“ in München zugesandt. Dort sollte eine wissenschaftliche Ausgabe der Briefe in russischer und deutscher Sprache vorbereitet werden. Auch machte Chawkin, wie er schreibt, ”aus freundschaftlichen Erwägungen Heinrich Graf von Einsiedel auf privatem Wege mit den Briefen bekannt und gab ihm Kenntnis von der in Vorbereitung befindlichen wissenschaftlichen Veröffentlichung. Graf von Einsiedel hat aus einem Mißverständnis heraus, ohne Wissen und Genehmigung der Forscher, die die wissenschiftliche Veröffentlichung vorbereiteten, die Briefe an Adolphi und Schütrumpf gegeben.  Weil diese eine anderen gehörende Arbeit veröffentlichten hält Chawkin ihnen u.a. vor, damit Regeln wissenschaftlicher Ethik verletzt und eine lange und sorgfältig vorbereitete, solide wissenschaftliche Veröffentlichung der Briefe in Deutschland verhindert, zu haben.

Aus dem Artikel Chawkins sind politische Gedanken und persönliche Empfindungen Ernst Thälmanns zu erfahren, wie er sie in einzelnen Briefen Ausdruck gibt. Erfahrbar wird der bewegende, unermüdliche Einsatz seiner Frau Rosa bei der Herstellung von Verbindungen des Vorsitzenden der KPD mit der Außenwelt. Rosa Thälmann hat die Briefe ihres Mannes aus der Haftanstalt Hannover gebracht und sie der sowjetischen Vertretung in Berlin zugestellt. Von dort sind sie dann nach Moskau weiterbefördert worden. Auf Anfrage der sowjetischen Führung war einer der Briefe vom Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Komintern, Georgi Dimitroff, der Thälmann und dessen Handschrift gut kannte, mit dessen früheren Briefen verglichen und ohne Zweifel als von Thälmann geschrieben bestätigt worden.

Bei einem ihrer Besuche in der sowjetischen Vertretung in Berlin berichtete Rosa Thälmann über die Umstände, unter denen die Niederschrift der Briefe erfolgen mußte. Jeweils am Vortag eines ihrer Besuche verbarg sich Ernst Thälmann zum Schreiben unter seiner Schlafdecke und deckte das „Guckloch“ in der Zellentür ab.

B.L. Chawkin zitiert aus Briefen Thälmanns, worin dieser Bezug zum politischen Zeitgeschehen nahm und  nach Abschluß des deutsch - sowjetischen Nichtangriffspaktes (23. August 1939) Erwartungen über seine Befreiung Ausdruck gab. Damit im Zusammenhang erklärte Thälmann aber zugleich, daß er den deutschen Behörden eine Absage erteile, die verlangten, er solle sich von seiner kommunistischen Überzeugung im Tausch für seine Freiheit lossagen.

Am Schluß seines Artikels nennt B.L. Chawkin es eine Pflicht gegenüber dem Andenken an den Antifaschisten Thälmann wenn wir dessen Briefe lesen.  Dabei würden wir „zugleich ihren Autor als einen originellen, tiefschürfenden Analytiker und diese einzigartigen Dokumente als ein neues wichtiges Quellenwerk zu Problemen der Geschichte der sowjetisch -deutschen Beziehungen und des deutschen antifaschistischen Widerstandes kennenlernen.“
Jan Wienecke
 1 Neue Impulse Verlag GmbH, Hoffnungstraße 18 45127 Essen Tel.: 0201- 20 00 06
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DER 50. GEBURTSTAG ERNST THÄLMANNS AM 16. APRIL 1936
Am 16. April - dem Geburtstag Thälmanns - sind die Hitlerregierung, das Reichsjustizministerium, die Gestapo und die Nazibotschaften des Auslandes im wahrsten Sinn,- des Wortes mit einer Flut von Protesten überschüttet worden. Nie erreichte in der Tat die Weltbewegung für Thälmanns Freiheit eine solche Wucht und Stärke wie gerade in diesen Wochen. In Berlin tätige Auslandsjournalisten teilte aus -verbürgter Quelle mit, daß am 16.April ganze Körbe mit Briefen, Karten, Telegrammen und unzählige Blumenspenden in der Kanzlei des Moabiter Gefängnisses einliefen. Kaum ein Land der Erde, dessen Bevölkerung sich nicht an diesem Proteststurm beteiligte.  Allein aus den Vereinigten Staaten wurde die Absendung - von 100000 Postkarten organisiert. Schon einige Tag vor Thälmanns Geburtstag waren 50000 Karten in der Tschechos1owakei verkauft und konnten weitere Anforderungen nicht mehr berücksichtigt werden. Bereits am 9. April waren aus der Tschechoslowakei 20000 Postkarten mit 100000 Unterschriften an Thälmann zur Absendung gelangt. Hunderttausend weitere Grüße erfolgten aus Frankreich, Spanien, England und den skandinavischen Ländern. Den ganzen Tag über klingelten am 16. April  bei den  Hitlerbotschaften und Konsulaten von Paris, Madrid, London, Prag, New York usw. die Telefone und übermittelten die Werktätigen dieser Länder ihre Grüße an Thälmann und ihre Freilassungsforderung an die Hitlerregierung.
Aus: Ernst Thälmann Bilder und Dokumente aus seinem Leben Dietz Verlag Berlin 1955
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Arbeitslosigkeit und KPD in der Weimarer Republik
Ernst Thälmann zog als Kandidat der KPD für das Reichspräsidentenamt im April 1932 mit der Losung: “Arbeit, Brot, Freiheit, Sozialismus” in den Wahlkampf. Es ist bekannt, daß Kommunisten sehr dicht an und mit den Sorgen der kleinen Leute lebten. Deshalb stand nicht zufällig an der  ersten Stelle des Wahlkampfes das Wort “Arbeit” .
1932 war das Arbeitslosenzahlenrekordjahr in der Weimarer Republik. Zu allen Zeiten bedeutet Arbeitslosigkeit Ausgrenzung, Zukunftssorgen und Entwürdigung der Betroffenen. In der Weimarer Republik kam existentielle Not und Hunger dazu. In Literatur und Kunst ist das sehr eindrucksvoll beschrieben worden. Wer erinnert sich nicht an die ausdrucksstarken Grafiken einer Käthe Kollwitz, an Pinnebergs Schicksal in Falladas Roman “Kleiner Mann, was nun?” oder den Film “Kuhle Wampe” mit seinem Lied von Ernst Busch: “Und weil der Mensch ein Mensch ist, braucht er was zum Essen bitte sehr. Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt, das schafft kein Essen her ...”
Das Thema Arbeitslosigkeit begleitete die KPD durch die ganze Weimarer Republik. Nur ganz kurze Zeiten war die Zahl der Arbeitslosen so gering, daß man von Vollbeschäftigung reden könnte. Schauen wir genauer hin. Selbst die Zahlen der offiziell registrierten Arbeitslosen vermittelt ein Bild davon:
 

Zeit Arbeitslose in Prozent Bemerkungen zur allgemeinen Einordnung der Situation
1918 1,2 Ende des ersten Weltkrieges, die Soldaten kommen zurück in den Arbeitsmarkt, der noch auf Kriegswirtschaft eingestellt ist
1919 3,7
1920 3,8*³
1921 2,8*
März - Okt. 1922 0,8*
1922 1,5*
Jan. - August 1923 5,3* Das Reparationsproblem wird mit Inflation gelöst.
Sept. 1923 9,9* Höhepunkt der galoppierenden Inflation
Okt. - Dez. 1923 23,6* Nach der Zerschlagung der revolutionären Nachkriegsereignisse Neuformierung der politischen Kräfteverhältnisse und der Wirtschaft
1923 10,2*
1924 14,4 Periode der Stabilisierung der Wirtschaft beginnt. Eine Rationalisierungswelle führt erstmalig in der Geschiche Deutschlands dazu, daß eine Sockelarbeitslosigkeit entsteht, die bei Konjunktur nicht mehr verschwindet. 
1925 8,3
1926 17,9
1927 8,8 Ersatz der 1918 eingeführten staatlichen Erwerbslosenfürsorge (aus Steuergeldern) durch das „Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung“ (Gesetzlich verfügte Sozialversicherung)
1928 9,7
1929 14,6  Beginn der Weltwirtschaftskrise
1930 22,7 Beginn der „Notverordnungspolitik“ durch das Brüning-Kabinett (Ausschaltung des Parlamentes mit Notverordnungen zur „Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens“ auf der Grundlage des Artikels 48 der Deutschen Reichsverfassung) mit erheblichen Leistungskürzungen für Arbeitslose
1931 34,7
1932 44,4 Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise

"Sechsstündiger Höchstarbeitstag"
Seit ihrer Gründung war für die KPD die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein Thema. Auf dem Gründungsparteitag, der bekanntlich mitten in den Revolutionsereignissen zum Jahreswechsel 1918/19 tagte, forderte das Parteiprogramm eine “einschneidende soziale Gesetzgebung, Verkürzung der Arbeitszeit zur Steuerung der Arbeitslosigkeit und unter Berücksichtigung der körperlichen Entkräftung der Arbeiterschaft durch den Weltkrieg; sechsstündiger Höchstarbeitsstag.” Ausführlicher hieß es in den Wirtschaftlichen Übergangsforderungen: “Die Arbeitszeit ist bei einer aus Mangel an Rohstoffen oder technischen Störungen notwendig werdenden Einschränkung der Produktion weiter zu kürzen, so daß möglichst allen Arbeitern Gelegenheit zur Arbeit gegeben ist. Sollte trotzdem in einzelnen Industriezweigen größere Arbeitslosigkeit eintreten, so ist den Arbeitslosen eine Unterstützung in der Höhe des Mindesttageslohnes vom Reiche zu zahlen. Die Mittel dafür sind vom gesamten Unternehmertum zu tragen; die Kontrolle darüber liegt in den Händen des Zentralarbeiterrates.”

Resolution zur Arbeitslosenfrage
Schon ein Jahr später auf dem 5. Parteitag im November 1920 beschäftigte sich die Partei ausführlich in einer Resolution mit der Arbeitslosenfrage.  Hier festgelegte Prinzipien durchziehen die Tätigkeit der Partei auf diesem Gebiet während der gesamten Weimarer Republik.
Grundsätzlich erstrebte die KPD die Eingliederung der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß. Arbeitszeitverkürzung war für die KPD stets auch Mittel zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit. Solange dies jedoch nicht verwirklicht werden könne, forderte die KPD eine Arbeitslosenunterstützung, die die Existenz absichert und für die Dauer der Erwerbslosigkeit gezahlt wird. Die Kommunisten versuchten zu verhindern, daß sich die verständliche Erbitterung der Arbeitslosen über ihre erzwungene Untätigkeit gegen die Arbeitenden richtete. Nur im gemeinsamen solidarischem Kampf von Arbeitenden und Arbeitslosen könne die Not der Erwerbslosen gelindert werden. Die Partei orientierte Gewerkschafter, Betriebsräte und Erwerbslosenräte (die die Intressen der Arbeitslosen gegenüber Stadt- und Gemeindeverwaltungen wahrnehmen sollten) darauf, zusammenzuarbeiten, um von vornherein zu verhindern, daß Arbeitslose und Arbeitende gegeneinander gehetzt werden.
Für die Eingliederung Arbeitsloser in den Produktionsprozeß setzte sich die Partei für die Schaffung von Notstandsarbeiten - heute würde man sagen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen - zum gemeinnützigen Wohle  und die Schaffung von Kommunalbetrieben ein. Für die Finanzierung sah die KPD vor, statt Steuergeschenke an Unternehmer zu verteilen, sollten Steuergelder für diese Arbeiten eingesetzt werden.

Gegen Arbeitslosigkeit Arbeitslose revolutionieren
Ohne Zweifel hatte die KPD die Vorstellung, mit ihrer Politik gegen Arbeitslosigkeit Arbeitslose zu revolutionieren, sie für die Sache der proletarischen Revolution gegen das herrschende System zu gewinnen. Gleichzeitig jedoch engagierten sich Kommunisten ganz ernsthaft für sofortige Verbesserungen der Lebenslage Arbeitsloser. Zahlreiche Initiativen, Gesetzesanträge, Anfragen im Reichstag, in den Landtagen und Kommunalvertretungen zeugen davon. Anträge auf einmalige Beihilfen für Arbeitslose, Ausgabe von Milch an Kleinkinder von Arbeitslosen, auf Verhinderung von Exmittierungen Arbeitsloser, auf gleiche Unterstützungssätze für männliche und weibliche Arbeitslose, auf kostenfreie Fahrmöglichkeiten zu den Arbeitsämtern, gegen die Verschlechterungen der Leistungen der Arbeitslosenversicherung usw. prägten die parlamentarischen Aktivitäten von Kommunisten für die Arbeitslosen.

Was konnte Thälmann, was konnte die KPD den Arbeitslosen bieten?
Der im Mai 1931 von der KPD verkündete und in der Literatur oft zitierte Arbeitsbeschaffungsplan  faßte zusammen, was von der KPD seit Jahren in Parlamenten und in außerparlamentarischen Aktionen gefordert und praktiziert wurde.

Zurüch zur Reichspräsidentenwahl im Jahr 1932. Was konnte Thälmann, was konnte die KPD den Arbeitslosen bieten? Solidarische Anteilnahme und pragmatische gegenseitige Hilfestellung; einen ganzen Katalog von Forderungen mit Maßnahmen zur sofortigen Linderung der Not; einen Plan zur Arbeitsbeschaffung sowie die Vision von einem Schlaraffenland im Sozialismus. Fast 5 Millionen Wähler gaben Ernst Thälmann ihre Stimme, obwohl von vornherein feststand, daß Thälmann den Kampf um das Amt des Reichspräsidenten nicht gewinnen konnte.
Dr. M.-Anetta Beyer

Anmerkungen
  Die Losung “Sozialismus” wurde von Historikern in allen Richtungen untersucht und gewertet. Die Auseinandersetzungen der KPD mit dem Problem Arbeitslosigkeit wurden eher beiläufig erwähnt. Ich glaube, daß die Wahlerfolge der KPD im Jahr 1932 aber ohne Betrachtung dieser Thematik nicht zu erklären sind.
  Zahlen aus: Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes, Studien 5, Berlin 1982, S.91-93.
  Gilt für alle mit * gekennzeichneten Zahlen: Für diese Zeit gibt es keine staatlichen Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Arbeitslose unter den Gewerkschaftsmitgliedern. Dabei ist zu beachten, daß sich damals wie heute die Gewerkschaften als Interessenvertreter der Arbeitenden und nicht der Arbeitslosen betrachten. Arbeitslose verlassen die Gewerkschaften und bezahlen keine Beiträge mehr!
  Protokoll des Gründungsparteitages der Kommunistischen Partei Deutschlands (30.12.1918 - 1.1. 1919) Berlin 1985, S. 292, 298.
  Auf diesem Parteitag wurde die Vereinigung der Partei mit dem linken Flügel der USPD vorbereitet. Resolution in: Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. VII/1, S. 346-348.
  Zum Beispiel enthält die Stellungnahme des Politbüros des ZK der KPD vom 25.Dezember 1925 eine lange Lister solcher Arbeiten, so Kanalbauten, Bau von Talsperren, Elektrifizierung von Eisenbahnnetzen, Aufforstung von Wäldern, Ausbau des Straßennetzes usw. Diese Forderungen finden sich in den Anträgen der KPD-Fraktionen im Reichstag und in den Landtagen wieder.
  Die Rote Fahne, 29. Mai 1931.

Die Losung “Sozialismus” wurde von Historikern in allen Richtungen untersucht und gewertet. Die Auseinandersetzungen der KPD mit dem Problem Arbeitslosigkeit wurden eher beiläufig erwähnt. Ich glaube, daß die Wahlerfolge der KPD im Jahr 1932 aber ohne Betrachtung dieser Thematik nicht zu erklären sind.
  Zahlen aus: Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes, Studien 5, Berlin 1982, S.91-93.
  Gilt für alle mit * gekennzeichneten Zahlen: Für diese Zeit gibt es keine staatlichen Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Arbeitslose unter den Gewerkschaftsmitgliedern. Dabei ist zu beachten, daß sich damals wie heute die Gewerkschaften als Interessenvertreter der Arbeitenden und nicht der Arbeitslosen betrachten. Arbeitslose verlassen die Gewerkschaften und bezahlen keine Beiträge mehr!
  Protokoll des Gründungsparteitages der Kommunistischen Partei Deutschlands (30.12.1918 - 1.1. 1919) Berlin 1985, S. 292, 298.
  Auf diesem Parteitag wurde die Vereinigung der Partei mit dem linken Flügel der USPD vorbereitet. Resolution in: Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. VII/1, S. 346-348.
  Zum Beispiel enthält die Stellungnahme des Politbüros des ZK der KPD vom 25.Dezember 1925 eine lange Lister solcher Arbeiten, so Kanalbauten, Bau von Talsperren, Elektrifizierung von Eisenbahnnetzen, Aufforstung von Wäldern, Ausbau des Straßennetzes usw. Diese Forderungen finden sich in den Anträgen der KPD-Fraktionen im Reichstag und in den Landtagen wieder.
  Die Rote Fahne, 29. Mai 1931.

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75 Jahre Hamburger Aufstand
Vom 22. bis 25 Oktober jährt sich zum 75. mal das Ereignis, das als Hamburger Aufstand in die Geschichte eingegangen ist. Hamburger Arbeiter unter Führung der Kommunistischen Partei versuchten mit einem bewaffneten Aufstand ein Signal für eine Revolution in Deutschland zu setzen und damit der reaktionären Entwicklung in Deutschland den Weg zu verbauen. Hintergrund war die wirtschaftliche und politische Krise. Der  Aufstand wurde als Signal im Reich nicht aufgenommen als sich seine Niederlage abzeichnete abgebrochen und der geordnete Rückzug organisiert Der 75. Jahrestag ist Anlaß dieses Ereignis zu würdigen und sich  mit dessen Verzerrung durch  Geschichtsrevisionisten offensiv auseinanderzusetzen.
Die Gedenkstätte wird deshalb im Oktober, zusammen mit anderen eine Kundgebung vor der Gedenkstätte durchführen, eine Gesprächsrunde veranstalten und verschiedene Filme vorführen.
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Schiffbeker Prozeß 1925 -  Barrikaden in Hamburg
Unter obigem Titel erscheint im Herbst eine kleine Broschüre zum Hamburger Oktober-Aufstand im Jahre 1923. Herausgeber und Verfasser ist Gerd Gill, ein seit Jahrzehnten in Hamburg lebender Kommunist. In der Broschüre werden die Nachkriegsereignisse geschildert und nachgewiesen, daß das rabiate vorgehen von Großkapital und Militär gegen die mit ihren katastrophalen Lebensverhältnissen unzufriedenen Arbeitermassen zu den revolutionären Aktivitäten führte.  Im Gefolge des Aufstandes in Hamburg und Schiffbek sind zahlreiche Tote zu beklagen. Viele Aufständische wurden verhaftet. Im Hauptteil der Schrift beschäftigt sich der Verfasser vor allen dingen mit dem Schiffbeker Prozeß aus dem Jahre 1925. Erstmalig kommen hier detaillierte Einzelheiten zur Sprache, die vorher in dieser Weise nicht ans Tageslicht kamen. Man merkt der Broschüre an, daß Gerd Gill sich in die Weimarer Zeit gut eingelesen hat und dass er von den Erzählungen seines Vaters Hugo Gill, der aktiver Kämpfer im Hamburger Aufstand war, auch heute noch emotionalisiert ist. Dies war mit eine Triebfeder für die Entscheidung zum Schreiben über diesen denkwürdigen historischen Zeitabschnitt in der Hamburger Geschichte.   E. St.
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“Sporthaus Ziegenhals” geschlossen. “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte” in Ziegenhals weiterhin geöffnet!
Der ‘Ernst-Thälmann-Gedenkstätte im ‘Sporthaus Ziegenhals’, einem Ort der an die schicksalsentscheidensten Stunden des deutschen Volkes und an die besten Traditionen des antifaschistischen Widerstandes erinnert, droht die Schließung!’ Mit diesem Satz begann der Aufruf, mit dem der Freundeskreis ‘Ernst-Thälmann-Gedenkstätte’ e.V. am 31.  Juli 1997 die Öffentlichkeit aufforderte, alles zu tun, daß diese Gedenk- und Mahnstätte, in untrennbarer historischer Einheit mit der Gaststätte ‘Sporthaus Ziegenhals’ erhalten und für Besuche zugänglich bleibt.
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Bewahrung und Pflege des antifaschistischen Erbes
Neben der “Gedenkstätte- Thälmann” - in Hamburg ist die Gedenkstätte in Ziegenhals bei Berlin die Bedeutendste, die noch in Deutschland an diesen, zum Symbol gegen Faschismus und Krieg gewordenen, nach Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bedeutendsten und legendärsten deutschen und internationalen Arbeiterführer erinnert.  Sie unterscheidet sich von der in Hamburg dadurch, daß sie hauptsächlich auf die hier am 7. Februar 1933 stattgefundene Tagung führender Funktionäre der KPD hinweist und an die historische, leider wieder höchst aktuelle Rede erinnert, die Thälmann hier, zum letzten Mal in Freiheit, aber schon unter illegalen Bedingungen, gehalten hat.  Diese Gedenkstätte erhält heute einen zusätzlichen Wert dadurch, daß sie so erhalten ist, wie sie die DDR hinterlassen hat und Zeugnis ablegt von der Bewahrung und Pflege des antifaschistischen Erbes in dem ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden.  Sie zeigt die wirkliche Bedeutung von Thälmanns realen, ideenreichen Kampf, dessen Unbeugsamkeit und Opfer für eine glückliche, sozialistische Zukunft Deutschlands. Durch die Ereignisse 1989/90 sind lediglich einige wenige Ausstellungsstücke abhanden und im Laufe der Jahre ein paar neue Gegenstände hinzugekommen, die aber den originalen Gesamteindruck nicht stören.  Inhaltsmäßige Veränderungen wurden und werden nicht vorgenommen.  Der Kampf um die Wahrung des Andenkens an Thälmann und seine Genossen, die hier tagten, ihre Würdigung, der Erhalt der Gedenkstätte und ihrer Traditionen sowie neue Erkenntnisse spiegeln sich in der ausgelegten Sammlung von Dokumenten der letzten Jahre wieder.  Besucher bestätigen immer wieder, daß wir so am besten Geschichte vermitteln.  Sie wundern sich, diese Gedenkstätte überhaupt noch vorzufinden und freuen sich darüber.  Viele Westdeutsche erfahren hier, wie sie immer wieder betonen, zum ersten Mal etwas über einen bedeutenden Teil deutscher Geschichte, der ihnen bisher vorenthalten wurde.  Alle fordern den Erhalt der Gedenkstätte.

Diese Gedenkstätte ist im wahrsten Sinne Volkes Eigentum.  Sie wurde von 1953 bis 58 mit vielen Spenden aus allen Schichten der Bevölkerung, in freiwilligen Arbeitseinsätzen auf volkseigenen Grund und Boden errichtet.  Das geschah im Sinne derer die sich wenige Jahre zuvor, aus bitterer Erfahrung heraus, die Hände reichten um künftig einig und damit unschlagbar ihr Schicksal in die eigene Hände zu nehmen, für ein besseres, gerechteres Leben, in Sicherheit und Frieden. Das geschah im Sinne solcher Antifaschisten wie Hans Pfeiffer, dem Mitbegründer der KPD und Hauptinitiator für die Errichtung der Gedenkstätte. Die Bewahrung des Andenkens an Thälmann und seine Kampfgefährten, die hier in entscheidender Stunde Entscheidens für Deutschlands Zukunft aussagten, war das Anliegen aller die sich um die Gedenkstätte verdient machten.
Seit der fristlosen Kündigung der Mieterin des Objektes “Sporthaus Ziegenhals” durch die IBES, die dieses Objekt im Auftrag der Treuhandliegenschaft verwaltet, ringt der Freundeskreis mit allen politischen Mitteln und durch Verhandlungen mit der IBES und TLG, unterstützt von linken Parteien und ihren Abgeordneten und Medien, um die Realisierung dessen was ich am Anfang des Artikels darlegte.

Das Ergebnis: Das “Sporthaus Ziegenhals” ist seit Jahresanfang geschlossen und wurde am 31. Januar der TLG “besenrein” übergeben. Erreicht haben wir die amtliche Zusicherung, daß die Gedenkstätte mit all ihren Anlagen sowie der ständige Zugang zu ihr, vorerst durch einen Nutzungsvertrag mit der IBES und auch für spätere Auflagen künftiger Mieter oder Besitzer gesichert wird. Alles in allem ein, nicht unwesentlicher, Teilerfolg. Im Entstehen ist ein Vertrag zwischen Freundeskreis, Landratsamt, Gemeinde und dem jeweiligen Mieter oder Besitzer des Objektes “Sporthaus Ziegenhals”, der für die Zukunft dem Freundeskreis mit seinem Anliegen eine größere Rechtsicherheit garantiert. Angestrebt wird ein künftiges Besitzverhältnis was, wenn es gelingt, uns mit der Gedenkstätte noch größere Wirkungsmöglichkeiten erschließt.

Besucht die “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte”es
Bis dahin ist es wichtig, daß die “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte” von vielen, vor allem von Gruppen, besucht wird. Die Besuche sind nach Möglichkeit eine Woche vorher oder schriftlich anzumelden. Rufen Sie an bei: 03375/ 290 637 oder 030/ 423 3146 oder schreiben Sie an Heinz Schmidt, Käthe Kollwitz Str. 23, 15711 Königs Wusterhausen. Wie Sie die Gedenkstätte erreichen können, wo in der Nähe Gaststätten sind u.a. erfahren Sie hier ebenfalls.
Heinz Schmidt, Vorsitzender des Freundeskreises “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte” e.V.
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Aus unserer Geschichtswerkstatt
Dank für Hilfeleistungen

- Eingang in unsere Bibliothek .hat gefunden
Die Protest -Chronik
1949 - 1959
Eine illustrierte Geschichte von Bewegung, Widerstand und Utopie
Ein Projekt des Hamburger Instituts für Sozialforschung (wird fortgesetzt).
Für die Bereitstellung von Materialien dankt der Autor, Wolfgang Kraushaar, u.a. auch der Ernst-Thälmann - Gedenkstätte (Hamburg)

- Die Geschichtsgruppe Dulsberg“ schreibt uns:
„die uns ... übersandten Unterlagen zur kommunistischen Stadtteilarbeit auf dem Dulsberg haben wir bekommen und konnten sie auch gleich nutzen für die Illustration eines industriegeschichtlichen Beitrages ... herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.“

Unterstützung für Ausstellungen
Unter dem Motto:
"Selbstbehauptung und Utopie
Jüdische Arbeiterbewegung, Rosa Luxemburg
und Hamburg"
veranstaltet das „Museum der Arbeit“, Poppenhusenstraße 12, 22305 Hamburg in der Zeit vom 6. Mai - 26. Juli 1998 u.a. Sonderausstellungen zu den Themen:
1. „Arbeiter und Revolutionäre. Die jüdische Arbeiterbewegung.“
2. „Rosa Luxemburg 1871 - l919 Ein Leben für die sozialistische Idee“
Mit biographischen Angaben zu Mitstreitern der Arbeiterbewegung,  mit der Bereitstellung von  zeitgenössischen Schriften von Autoren der Arbeiterbewegung und dem zeitweiligen Ausleihen von Exponaten unserer Ausstellung unterstützen wir das Projekt.

Auskünfte
An der Universität Hamburg, am Institut für Sozial und Wirtschaftsgeschichte - Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte, wird ein Hamburg - Lexikon vorbereitet.
Wir lieferten persönliche Daten von Angehörigen der Arbeiterbewegung.

Zu einem bereits veröffentlichten Porträt der Hamburger Kommunistin Käthe Latzke ( 1899 -1945) (siehe: „Als Hamburg ‘erwachte’” 1933 - Alltag im Nationalsozialismus - Hamburg 1983) überreichten wir einer Angehörigen ergänzende Daten u.a. über die Haftzeit von Käthe Latzke im KZ Ravensbrück, wo sie am 31.  Mai 1945 an Typhus gestorben ist.
J. W
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Kino in der GeDenkstätte
Wir wollen das Sehen von  Filmen aus der ArbeiterInnenbewegung  in der GeDenkstätte attraktiver gestalten um mehr Zuschauer zu gewinnen. Dafür ist eine Großbildanlage notwendig. Welcher Genosse, Genossin und FreundIn des fortschrittlichen Films  ist bereit uns zu helfen um
DM 9500.-
für einen Großbildprojektor aufzubringen?
Bisher zeigen wir unsere Filme mit Erfolg auf einer üblichen Videoanlage für ca. 15 Zuschauer.
Die Filmgruppe
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Keine Bilder des Vergessens – Hamburger Polizeibataillone im Zweiten Weltkrieg
Auf Initiative der Hamburgischen Bürgerschaft ist vom 6.bis 27.  Februar 1998 in der Diele des Rathauses die Ausstellung “Keine Bilder des Vergessens - Hamburger Polizeibataillone im Zweiten Weltkrieg” gezeigt worden. Hamburger Polizisten waren zwischen 1939 und 1944 an der Erschießung von mindestens 38 000 Juden, polnische Intellektuelle und Kommunisten in Polen beteiligt, zum Teil suchten sich die Täter ihre Opfer vor der Hinrichtung persönlich aus.
Zu einer der Mordaktionen des Hamburger Reserve - Bataillons 101 enthält der Bericht des Landgerichts Hamburg von 1968 u.a. die folgenden Angaben:
Die Räumkommandos der 1. und 2. Kompanie hatten die Aufgabe, die gehfähige Einwohnerschaft des Judenviertels auf dem Marktplatz des Ortes zusammenzutreiben... Die Schutzpolizisten drangen in die Häuser ein und durchsuchten sie. Entsprechend den ihnen erteilten Befehlen machten sie von der Schußwaffe Gebrauch. Nicht gehfähige Kranke wurden in ihren Betten getötet. Die Straßen und Häuser waren erfüllt von dem Lärm der Schüsse und den antreibenden Rufen der Polizisten. Überall im Judenviertel, in den Häusern und auf den Straßen, lagen die Leichen Erschossener... Von Kolbenstößen und Zurufen angetrieben kamen die Juden nach und nach auf den Marktplatz zusammen... Dort begann nun die Selektion arbeitsfähiger junger Männer. Die Ausgesuchten, mindestens 100 Arbeitskräfte, wurden abgesondert und schließlich im Laufe des Vormittags nach Lublin abtransportiert...

Dann begann der Abtransport der Juden. Etwa 30 Juden wurden auf einen LKW geladen und unter Bewachung in den Wald gefahren. Dort mußten die Juden absteigen und sich - von Schutzpolizei bewacht - in einer Reihe aufstellen. Dann begann auf der einen Seite der Schneise an den von dem Angeklagten Wohlauf ausgesuchten Plätzen die Exekution. Wohlauf hatte zwei Exekutionskommandos gebildet, die abwechselnd die Erschießung durchführten. Während ein Kommando schoß, holte das andere sich neue Opfer vom Abladeplatz, wo ständig neue Lastkraftwagen, beladen mit Juden eintrafen...

Die Juden wurden von den Exekutionskommandos am Abladeplatz abgeholt, wo sich jeder Schütze ein neues Opfer aus der Reihe der Wartenden aussuchte und es dann zur Exekutionsstätte führte. Dort mußten die Juden sich mit dem Gesicht zur Erde hinlegen. Sie wurden durch Genickschuß mit dem Karabiner getötet. Die Schützen hatten Befehl, das Bajonett aufzupflanzen und es als Zielhilfe den Opfern zwischen die Schulterblätter zu setzen. Die Exekutionsstätte im Wald wurde ständig gewechselt... Die Nahschüsse mit dem Karabiner führten zu grauenvollen Verletzungen der Opfer... Bei alledem erscheinen die Opfer - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auf dem Weg zur Exekution so ruhig und gefaßt, daß die als Zeugen vernommenen Schutzpolizisten noch heute diesem Verhalten in einer Mischung aus Verständnislosigkeit und Bewunderung gegenüberstehen. Die Opfer waren keineswegs ausschließlich polnische Juden. Ein großer Teil von ihnen war aus dem Reichsgebet, insbesondere aus dem norddeutschen Raum nach Polen ausgesiedelt worden. So sprachen Zeuge V. mit einer Jüdin, die ihm entgegenhielt: ‘Das könnt Ihr nicht machen, ich bin auch Hamburgerin!‘ Der Angeklagte B. berichtete von einer Jüdin, die zu ihm sagte:
‚Was tut ihr hier, wie ist das möglich, das Deutsche so sind?‘ Ein älterer Mann wies den Angeklagten B. darauf hin, daß er Teilnehmer am 1. Weltkrieg gewesen sei und aus Bremen stamme. Der verstorbene Zeuge K. berichtete von einem Gespräch mit einer Frau und ihrer Tochter aus Kassel, das für ihn den Anstoß gegeben hätte, sich von der Exekution freistellen zu lassen. In den späteren Nachmittagsstunden war die Aktion beendet.”

Aus einem Beitrag zur  Begleitbroschüre zur Ausstellung von Wolfgang Kopitzsch, Landespolizeischule Hamburg
Herausgegeben von der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg Presse und Öffentlichkeitsarbeit Hamburg 1998
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Alternative Stadtrundfahrten
Der Landesjugendring Hamburg, mit dem die Gedenkstätte Ernst Thälmann seit vielen Jahren zusammenarbeitet, führt nun bereits seit zwanzig Jahren Alternative Stadtrundfahrten in Hamburg durch.  Im ersten Halbjahr '98 werden folgende Angebote für interessierte Menschen unterbreitet:
- Alternative Stadtrundfahrt Hamburg im Nationalsozialismus Verfolgung und Widerstand
- Fahrt zur KZ- Gedenkstätte Neuengamme und zur Gedenkstätte Bullenhuser Damm
Schwerpunktfahrten:
- Frauenaußenlager des KZ Neuengamme
- Fahrradfahrten durch Barmbek, Dulsberg und Eilbek
- Swinging- Jugend in Hamburg während des Nationalsozialismus
- Sonderfahrten für Gruppen
- Alternative Hafenrundfahrten
- Fahrradrundfahrten über den Ohlsdorfer Friedhof
Zur Vor- oder Nachbereitung der Alternativen Stadtrundfahrten gibt es den Stadtführer "Naziterror und Widerstand in Hamburg" Preis 4.-DM
Informationen und Anmeldungen zu den Fahrten beim Landesjugendring Hamburg e.V.
Tel.: 040- 317 96 114
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Termine
Jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat um 19 Uhr sind im Thälmann-Haus   interessante politische Spiel- und Dokumentarfilme zu sehen. Dabei gibt es jeweils eine thematische Einführung, sowie ein Diskussionsangebot nach Filmende.
Im April/Mai  sind Filme über die ArbeiterInnenbewegung.  Kuhle Wampe, Ernst Thälmann, Ernesto Che Guevara und den Hamburger Aufstand, u.a.. geplant....
Jeden 2.  Mittwoch im Monat um 19 Uhr  MITTWOCHS-CLUB.  Offener Gesprächskreis zu historischen und aktuellen Themen. In lockerer Runde  sollen  Meinungen,  Standpunkte, Positionen, Fragestellungen  Fakten, zwischen jungen und älteren Linken, politisch und geschichtlich interessierten Menschen über verschiedene Themen  solidarisch und kontrovers  ausgetauscht werden.
 Aus dem Arbeitskreis Geschichte
Zur Zeit arbeiten wir an zwei Vorhaben.
1. wir möchten eine Broschüre zur Novemberrevolution  in Hamburg herausbringen mit einer Chronologie der Ereignisse, Quellen und evt. interessanten Aufsätzen.
2. Wir wollen ZeitzeugInnen  zur Geschichte der Kommunistischen Arbeiterbewgung in Hamburg (1918 - 1989) befragen.
Wer sich als ZeitzeugInn befragen lassen möchte, oder Material zur Verfügung stellen kann, aber auch wer mitarbeiten will, kann zu einer unserer Sitzungen kommen oder sich auch telefonisch bei der GeDenkstätte melden. Tel. + Fax :  040-474 184

150 Jahre Kommunistisches Manifest
zum 150. Jährigen Erscheinen des Kommunistischen Manifest wird das Kuratoriumsmitglied Willi Gerns beim neugegründeten Assoziation Marxistischer StudentInnen am 22. April '98 um 19 Uhr  in der Uni Hamburg zum Thema : Kommunistisches Manifest und der heutige Kapitalismus sprechen.

Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des kalten Krieges
Die Initiativgruppe führt am Samstag den 27. Juni 1998 in Hamburg im Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof eine Veranstaltung unter dem Motto:
"50 JAHRE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND -   50 JAHRE KAMPF GEGEN POLITISCHE VERFOLGUNG; FÜR BÜRGERRECHTE UND GERECHTIGKEIT durch. Vor Veranstaltungsbeginn ab 9 Uhr wird am Gerhard Hauptman-Platz ein Informationsstand  und eine Demonstration zum Friedrich-Bonnhöfer-Ehrenmahl  veranstaltet.
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Gesucht: MitarbeiterInnen  für die Gedenkstätte
Um die Arbeit in der GeDenkstätte Ernst Thälmann weiter auszubauen und auf mehrere Schultern zu verteilen, brauchen wir dringend neue MitarbeiterInnen. Alle Freunde und Genossen, die etwas Zeit und Lust haben, sich für die Arbeit in der GeDenkstätte interessieren sind eingeladen  mit einzusteigen.

Angesprochen  sind alle, die z.B. gerne  den Ablauf in der Gedenkstätte mitorganisieren, Museumsdienste bestreiten, Führungen in der Gedenkstätte mitgestalten, Anfragen bezüglich unserer Archivarbeit beantworten, eine Sonderausstellung  und/oder Stadtteilrundgänge  etc. konzipieren und realisieren, oder Videofilme vorführen, eine Diskussion leiten und mitgestalten,  in der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken, Faltblätter, Pressemitteilungen evtl. eine Internetseite  miterstellen,   oder  Artikel schreiben  wollen, an der regelmäßigen Herausgabe des Rundbriefes teilnehmen, Programmvorschläge für vorzuführende Filme  und andere Veranstaltungen unterbreiten, mitdenken bei organisatorischen Arbeiten, Briefe verschicken, neue Spender oder Sponsoren für unsere Arbeit gewinnen, oder Menschen ansprechen die bereit sind   Dokumente, Fotos, Bücher, Plakate etc. zu spenden, befragen von ZeitzeugInnen durch Interwiews zur Aufarbeitung der Geschichte ....oder, oder oder.....
Liebe FreundInnen und GenossInnen,
meldet Euch .
Wir brauchen dringend euere Mitarbeit,
eure Ideen,
eure Anregungen und Initiativen.
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Aus unseren Gästebuch
Eintragungen seit November 1997
Die Delegation der Kommunistischen Partei der Russischen Förderation in Hamburg an einer Veranstaltung anläßlich des 80. Jahrestages der Oktoberrevolution teilnehmend bedankt sich beim Kuratorium der Gedenkstätte Ernst Thälmann für die großartige Erhaltung des Andenkens an E. Thälmann, an dem antifaschistischen Kampf.
Die Ideen, für die E. Thälmann und viele Widerstandskämpfer ihr Leben gaben, sind für uns heute aktuell.
Nikolai Bindjukow (Dumaabgeordneter)
Anatoli Popow (Berater)
Sehr beeindruckt dankt
Ariane Barth
Seien wir froh, daß Teddy in Hamburg gelebt hat und nicht im Osten Deutschlands, sonst wäre seine Gedenkstätte auch schon abgewickelt. Wir wünschen Euch weiterhin Kraft, Engagement und Herz für die Möglichkeit, seiner zu gedenken.
Satire Theater -Berlin
Die Kneifzange
Wir waren heute als Gäste in dieser Stätte und setzen unsere Kraft daran, in der Tradition weiterzuschreiten.
SDAJ Hamburg
Vielen Dank für das Auffrischen unseres Wissens und Ergänzung der Kenntnisse was uns immer ein Bedürfnis bleibt.
Wir wünschen Kraft zum Erhalt dieser Gedenkstätte,
Giletta K Berlin-Köpenick
Christel K.  Köngs-Wusterhausen
Wir haben viel mitgenommen und bedanken uns.
40 Schülerinnen und Schüler
des Collegs de Montou de Bretagne, Frankreich

Es ist für mich eine Ehre, dieses Museum zu besuchen, in dem Geschichte der schöpferischen Arbeit der Kommunisten lebendig erhalten wird. Ich nehme die Erinnerung mit an das Wohnhaus von Ernst Thälmann und die große Liebe, mit der diese Elemente von großem Wert für die Bildung der heutigen und künftigen Generationen bewahrt   werden.
Dr Gabriel Roman Suarez, Mantanzas, Cuba
Anmerkung: in Mantanzas hat die Solidaritätsbrigade ”Che Guevara” der DKP im Aufbau des dortigen Rehabilitationszentrums mitgearbeitet.  Dieses trägt den Namen Comandante Ernesto Buschmann“ Der Kommunist Ernst Buschmann (1914 -1996) im spanischen Bürgerkrieg Kommandeur des Bataillions ”Edgar Andre” war langjähriges Mitglied des Kuratoriums unserer Gedenkstätte.
Die in dieser Welt Mächtigen machen ihre Sache weiter, aber auch die Genossen und Kollegen von Ernst Thälmann, die Kommunisten, bewahren ihre Ideale und kämpfen dafür.  Es ringen das Schlechte und das Gute für die jeweilige Sache. Die Gewinner werden wir sein,die für die Freiheit kämpfen.
Ich freue mich, daß mir meine Freunde von der DIDF die Anregung gegeben und die Möglichkeit geschaffen haben dafür,diese bewegende Ausstellung besichtigen zu können.
 Meral Bekar,
Vorstandsmitglied der türkischen Menschenrechtsorganisation und
Mitglied der Partei der Arbeit
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WIR GEDENKEN

Edgar Röder
geb.30. Mai 1932
 verst. 9. Januar 1998

Zu seinem politischen Wirken in der kommunistisch und Arbeiterbewegung gehörten fast drei Jahrzehnte enger Verbundenheit mit unserer Gedenkstätte. Er war Mitbegründer unseres Kuratoriums und gehörte von Beginn dessen Vorstand an.
Tagtäglich mit vielfältigen Aufgaben unserer Gedenkstättenarbeit betraut, hat Edgar durch kontinuierlichen Einsatz  und mit seinen erworbenen Fähigkeiten maßgeblich daran mitgewirkt, daß über schwierige Situationen hinweg das Fortbestehen der Gedenkstätte Ernst Thälmann erreicht werden konnte. Außergewöhnlich waren seine Arbeitsleistungen bei in den letzten Jahren wiederholt notwendig gewordenen Verlagerungen unseres Bibliothekbestandes und bei dessen sorgfältiger Wiedereinordnung.
Edgar Röder war uns ein beispielgebender Mitstreiter und bleibt uns unvergessen.
 

Martha Naujoks
geb. 2. Dezember 1905
verst. 26.  Januar 1998

Immer bereit, Gutes zu tun, die Menschheit von Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg befreien, Frieden, Demokratie und Sozialismus zu erkämpfen, das war das Prägende für ihr an Prüfungen und Bewährungen reiches und erfülltes Leben. In unserer Ausstellung wird die Erinnerung an Kämpfe bewahrt, woran Martha und ihr Mann , Harry, teilnahmen: Der Hamburger Aufstand von 1923 - für Martha mit dreimonatiger Haft verbunden, die Aktionen der KPD gegen Kriegsgefahr, Arbeitslosigkeit und heraufziehenden Faschismus. 1933 geraten beide in Nazihaft. Für Harry dauerte sie 12 Jahre im KZ Sachsenhausen. Als Martha entlassen war emigrierte sie auf Beschluß ihrer Partei 1935 über Prag in die Sowjetunion, arbeitete dort eine zeitlang als Sekretärin der Komintern. Wiedersehen konnten beide sich erst 1945 nach der Befreiung vom Faschismus. Harry - 1983 verstorben- war Mitbegründer unseres Kuratoriums. Martha erwies unserer Gedenkstätte bis zuletzt ideelle und finanzielle Solidarität. Wir bewahren ihr ein ehrendes Andenken.
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Zu welchen Bereichen wir sammeln und Auskunft geben
- Ernst Thälmann in seiner Zeit und in unserer Zeit
- Arbeiterbewegung, insbesonders kommunistische (Ereignisse, Organisationen, Personen und Personengruppen)
- antifaschistischer Widerstand/antifaschistische,     antimilitaristische und Friedens-Bewegung

unter besonderer Berücksichtigung von Ergeignissen im Raum Hamburg
Wir bitten die Benutzer, Fragen an die Bibliothek und Archiv unter Angabe des Themas rechtzeitig schriftlich (formlos) - z.Zt. etwa 2 Wochen vor Besuch der GET - zu übermitteln und Hinweise im Impressum zu beachten.
Im voraus dankt ein ausschließlich ehrenamtlich arbeitendes Team.
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Spenden für die Gedenkstätte
Für den Erhalt der Thälmann-Gedenkstätte bedürfen wir finanzieller Solidarität mehr denn je.
Besonders dankbar sind wir für die Überweisungen, die per Dauerauftrag eingezahlt werden. Auch der Weg über Einzugsvollmacht ist möglich.
Ebenso freuen wir uns über jede Einzelspende.
GET-Konten: Bank für Gemeinwirtschaft
     1180328700 (BLZ 200 101 11)
      Postgiroamt Hamburg
      133737-204 (BLZ 200 100 20)
Spenden für die GET sind steuerabzugsfähig. Auf Wunsch werden Bescheinigungen ausgestellt.

Herausgeber:
Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Verantwortlich: Ewald Stiefvater
Anschrift der Redaktion:
 Gedenkstätte Ernst Thälmann
Tarpenbekstraße 66, 20251 Hamburg
Telefon und Fax.: 040/ 474 184
Wir bitten
- bei Verwendung von Rundbrieftexten um Quellenangabe und Zusendung eines Belegexemplars
- bei Anfragen auf Zusendung des Rundbriefes (für Porto und Versandkosten) in entsprechendem Wert Briefmarken beizufügen

Die Zeitschrift kann auf Spendenbasis im "Abonnement" (Stichwort: GET-Abo) bezogen werden
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ERNST THÄLMANN :
Zu Fragen des Verhältnisses der Kommunisten zur Jugend Aus einem Artikel vom Februar 1932:
Einige Bemerkungen zur Arbeit des Jugendverbandes
Heute ist die Bedeutung der revolutionären Arbeit unter der Jugend noch gewachsen. Auf Grund der kapitalistischen Rationalisierung nimmt die Jugendarbeit (und zum Teil sogar Kinderarbeit) im Zeitalter des sterbenden und verfaulenden Kapitalismus erneut eine immer größere Rolle ein. Für die Arbeit unter der proletarischen und der übrigen werktätigen Jugend Deutschlands ergeben sich besondere Bedingungen aus der Tatsache, daß der Fäulnisprozeß des Mononopolkapitalismus in  Deutschland durch die doppelten Erscheinungen der Krise und der Fesseln des Versailler Systems bereits in ein verschärftes Stadium getreten ist. Hier vermag die Bourgeoisie der Jugend - vor allem auch der kleinbürgerlichen Jugend - keine Zukunftsmöglichkeiten, keine Aussichten  eines Aufstiegs, einer Entfaltung ihrer Fähigkeiten mehr zu bieten.  Ihre einzigen Möglichkeiten, um die Jugend einzufangen , sind militaristische Romantik, nationalsozialistische Schwärmerei und Revanchehetze, um an die Stelle der trostlosen Klassenwirklichkeit das Truggebilde eines kommenden Dritten Reiches oder ähnliche Illusionen zu setzen ....
Der Kommunistische Jugendverband muß durch seine Arbeit die proletarische Jugend zur Führung der Massen der jugendlichen Werktätigen befähigen. Er muß es verstehen, diesen breiten Massen die Klarheit darüber zu verschaffen, daß nur der Sozialismus die Zukunft, den Aufstieg  bedeutet, während die Verlängerung des kapitalististischen Systems ein dauerndes Massenelend für Millionen, den physischen Untergang für immer neue Hunderttausende und vor allem für die proletarische werktätige Jugend die Abschneidung aller Zukunftsaussichten bedeutet.

Aus einem Diskussionsbeitrag Ernst Thälmanns auf dem XI. Parteitag der KPD in Essen 1927
Die Jugend hat eine andere Ideologie als die erwachsene Arbeiterschaft. Man muß verstehen, die Jugend zu behandeln, um die Jugend zu gewinnen und für die revolutionären Aufgaben zu erziehen. Wir haben gesehen, daß es während des Krieges die SPD war, die der Jugend die größte Aufmerksamkeit schenkte, daß Karl Liebknecht dauernd mit der Jugend stritt, dauernd mit der Jugend zusammenkam. Besonders auf dem Gebiet der antimilitaristischen Propaganda hat die Jugend Vorzügliches geleistet. Heute arbeitet die Jugend nicht nur auf diesem Gebiet, sondern stellt auch in den Wirtschaftskämpfen einen bedeutenden Faktor dar. Daher muß der 11. Parteitag die Partei verpflichten, die Reihen der Jugend zu stärken. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir den Kampf um die politische Macht ohne die Frauen und die Jugend siegreich durchführen können. Auf diese Frage muß der 11. Parteitag mit einem Nein antworten. Wir können diesen Kampf nur in gemeinsamen revolutionären, unermüdlichen Ringen zusammen mit der Jugend und den Frauen bis zur siegreichen Befreiung der Arbeiterschaft durchführen. (Beifall. )
( XI. Parteitag der KPD in Essen 2.- 7.3.27)
 

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