Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Nr. 33 (September 1999)
Antikriegstag '99 Vor 60 Jahren begann der zweite Weltkrieg | Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg besteht jetzt 30 Jahre | Bibliotheksräume Nutzerfreundlich eingerichtet  |  Aus unserem Gästebuch   |  Buchtip  |
Bericht des Vorstandes an die Mitgliederversammlung des Kuratoriums der GET am 14. August 1999 |
Kuratoriumsvorstand neu gewählt  | WIEDERENTDECKT  |  WIEDERGEFUNDEN |
Ernst Thälmann zur Frage Krieg und FriedenSpendenaufruf   |

Antikriegstag '99
Vor 60 Jahren begann der zweite Weltkrieg

In der deutschen Stadt Gleiwitz, nahe der polnischen Grenze, befand sich ein Rundfunksender, der in der Nacht zum 1. September 1939 von deutschen SS-Leuten in polnischen Uniformen gestürmt wurde. Dieser Anschlag war der Vorwand für den Überfall auf Polen. Die Welt erinnert sich an die Lüge, die Hitler am 1. September öffentlich verkündete:  "Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen."

Am 31. August 1939 hatte der Chef der Sicherheitspolizei, SS-Standartenführer Heydrich, den Befehl an einen SS-Trupp gegeben, die Aktion durchzuführen. Der Generalstab der Wehrmacht hatte den Auftrag bekommen, 150 polnische Uniformen zu besorgen. Der Gestapohäftling aus Oberschlesien, Franz Honiok, und deutsche Gefangene aus dein KZ Sachsenhausen, die man in polnische Uniformen gezwängt hatte, wurden ermordet und als "Beweisstücke" im Hof des Senders liegen gelassen. Als Code-Wort hatte die SS "Konserve" gewählt. Einer der für die Aktion vorgesehenen Häftlinge war der Hamburger Kommunist Harry von Bargen. Er wurde nach Sachsenhausen zurück transportiert und als Geheimnisträger im Dezember 1939 erschossen.

Zu den Hintergründen des Krieges gehörte der Größenwahn der Hitlerclique von der Überlegenheit der "germanischen Rasse". Das hauptsächliche Kriegsziel bestand im Bestreben der herrschenden Schichten in Wirtschaft und Politik, die Vorherrschaft in Europa und der Welt zu erringen. So wie sie es schon mit dein ersten Weltkrieg versucht hatten. Und auch heute werden die strategischen Ziele der Bundeswehr nicht mehr mit der "Landesverteidigung", sondern mit der "Sicherung von Zugangswegen zu Rohstoffen und Märkten" umschrieben.

Vorwände für militärische Einsätze und Provokationen begleiten fast jeden Krieg. So gelten die Schüsse von Sarajewo auch heute noch als Anlaß für den ersten Weltkrieg, Und das Vorgehen der jugoslawischen Behörden gegen die terroristischen Aktionen der UCK waren Vorwand für den Nato-Krieg.

Schon vor 1933 war für viele erkennbar, daß der Faschismus zum Krieg führe. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932, als Ernst Thälmann gegen Hindenburg kandidierte, hatte die KPD gewarnt. "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg,"
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Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg besteht jetzt 30 Jahre
Das erste Wort zu unserem Jubiläum soll ein Wort des Dankes sein. Es gilt unseren Spenderinnen und Spendern, es gilt allen, die an der Errichtung, Entwicklung und mit ihrer Solidarität an der Erhaltung unserer Gedenkstätte Anteil hatten und haben, unseren ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ihnen allen gebührt Dank für ihren Beitrag zur Bewahrung des Andenkens an Ernst Thälmann und seine Kampfgefährten zur Bewahrung revolutionärer Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung und der Erfahrungen antifaschistischen Widerstandes. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir uns an ehemalige Kampfgefährten Thälmanns, die zu ihren Lebzeiten den Anfang und das Werden unserer Gedenkstätte gestaltet haben, darunter Hein Fink, Albert Friedrichs, Harry Naujoks, Paul Tastesen und den langjährige Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Walter Möller.

Es waren Mitglieder der gerade neukonstituierten DKP, die in der zweiten Novemberhälfte 1968 eine im ehemaligen Wohnhaus der Familie Thälmann freigewordene Werkstatt eines Schuhmachers anmieteten, um sie zu einer Stätte der Erinnerung an Leben und Wirken des von den Faschisten ermordeten Vorsitzenden der KPD, Reichstags- und Bürgerschaftsabgeordneten und Leitungsmitglied der Kommunistischen Internationale, Ernst Thälmann, auszubauen. Am 18. August 1969, am 25. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns im KZ Buchenwald, war die Gedenkstätte mit einer großen Demonstration und Kundgebung der DKP von ihrem Vorsitzenden Kurt Bachmann im Beisein von Irma Gabel - Thälmann und einer Delegation des Komitees Antifaschistischer Widerstandskämpfer der DDR eröffnet worden.

In mehreren Abschnitten hat sich unsere Gedenkstätte ohne öffentliche Mittel, nur allein auf Spenden der BesucherInnen und Freunde angewiesen, zu einem Öffentlich anerkannten Zentrum der Geschichte der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandes entwickeln können.

Wichtige Ereignisse auf dem Wege des Werdens unserer Gedenkstätte war die Erweiterung ihres Ausstellungsraumes 1976, die Eröffnung einer Thälmann - Bibliothek und Archivsammlung 1982, die Durchsetzung des Ernst Thälmann - Platzes 1985. Vom Beginn seines Wirkens erstrebte das Kuratorium jüngere Menschen mit der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandes Bekannt zu machen. Seit 1978 gibt es die vom Landesjugendring Hamburg 'in Zusammenarbeit mit der VVN-BdA veranstalteten Alternativen Stadtrundfahrten zu den Stätten der Naziverfolgung und des Widerstandes mit Schulklassen. Jugend - und Erwachsenen Gruppen. Unsere ständige Ausstellung ist bis heute von annähernd 170.000 jüngeren und älteren Menschen aus dem In- und Ausland besichtigt worden. Das ist ein Ausdruck dafür wie Ideen und Wirken von Ernst Thälmann auch in unserer Zeit ihre Beständigkeit, Aussagekraft und Erinnerungswürdigkeit bewahren.

Ein äußerst angespannter Abschnitt auch in der Entwicklung unserer Gedenkstätte begann mit den politischen Veränderungen auf deutschem Boden Ende der 80iger Jahre und dann darüber hinaus.

Die seinerzeitige Situation wurde von CDU Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft mit Unterstützung der Springerpresse benutzt, um Ernst Thälmann zu diffamieren und die Umbenennung des nach ihm benannten Platzes zu fordern. Die Zeitschrift Szene Hamburg bezeichnete diese Angriffe auf das Andenken an Ernst Thälmann als "eine der ekelerregensten Kampagnen der letzten Jahre."

Auf seiner Jahrestagung im August 1990 wies unser Kuratorium alle Angriffe auf die Existenz unserer Gedenkstätte zurück. Es bekräftigte seine Auffassung, daß für die Vermittlung der Geschichte des antifaschistischen Widerstandes und der kommunistischen und Arbeiterbewegung die Gedenkstätte unverzichtbar bleibt. Daran haben wir in den 90iger Jahren bis heute unbeirrbar festgehalten.
Gegen alle gegnerische Widerstände durchgesetzt hat sich was sich uns in den zurückliegenden drei Jahrzehnten stets begleitet hat und eine unschätzbare Hilfe war und bleiben wird, nämlich, die ideelle und materielle Solidarität unserer vielen Freunde in nah und fern, der weltanschaulich mit uns verbundenen politischen Kräfte. Sie und die Unterstützung von Großspendern, auch ungenannten, hat bewirkt, dass wir unsere Gedenkstättenräume der Immobilienspekulation entziehen und unser Verbleiben im Thälmann - Haus haben dauerhaft sichern können.

Die Erinnerung an Ernst Thälmann, die Nutzung seiner und seiner Partei Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Faschismus und Krieg findet durch das bevorstehende Ende des Jahrhunderts, worin Thälmann gelebt und gewirkt hat, keinen Abschluß. Im Gegenteil: Die Ideen Thälmanns, die Lehren seines Lebens, seine Warnungen vor der Gefahr des Faschismus und. des Krieges bleiben auch »in der kommenden Zeit gültig. Thälmanns Leistungen wirkten in seiner Zeit weit in die Zukunft und sie tun es auch heute. Was Thälmann erstrebte gilt es noch zu erkämpfen: Den sozialistischen Völkerfrühling, eine Welt des Friedens und der Freiheit. Jan Wienecke
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Bibliotheksräume Nutzerfreundlich eingerichtet
In der Hamburger Gedenkstätte Ernst Thälmann versammelten sich unlängst ihr nahestehende Freundinnen und Freunde mit Genossinnen und Genossen aus Hamburg und Schleswig-Holstein, die im Herbst vorigen Jahres eine wichtige Arbeit für unsere künftige Tätigkeit vollbrachten. In mehreren Wochenendeinsätzen halfen sie mit, den zeitweilig in Kellerräumen untergebrachten und zuvor von unserer Bibliothekskommission sortierten Großteil unseres Buchbestandes in das Erdgeschoß des Thälmann-Hauses zu bringen.

Auf 200 Regalmetern hat die Thälmann-Bibliothek nunmehr einen dauerhaften, vom Gedenkstättenraum direkt zu erreichenden Standort gefunden. Eingeordnet ist sie nach unserem Bibliotheksprofil:
? Ernst Thälmann in seiner Zeit und in unserer Zeit
? Arbeiterbewegung, insbesondere kommunistische (Ereignisse, Organisationen, Personen und Personengruppen)
? antifaschistischer Widerstand, antifaschistische, antimilitaristische und Friedensbewegung
Neben den Werken von Marx, Engels und Lenin gehören zum Bestand Originalausgaben von Wilhelm Liebknecht, Lassalle, Bebel, Bernstein, Dietzgen, Kautsky, Mehring, Luxemburg, Karl Liebknecht und Zetkin. Vorhanden sind u. a. Parteitagsprotokolle der SPD von 1870 bis 1931 und die während des Sozialistengesetzes erschienene "Sozialdemokratische Bibliothek." Hinzu kommen Schriften zur Geschichte der Gewerkschaftsbewegung, wie das gewerkschaftliche "Correspondenzblatt". Dokumentiert werden Entstehung und Entwicklung der Arbeiterjugendbewegung. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Dokumente und Materialien zur Biographie Einst Thälmanns und zur Geschichte der KPD, darunter Parteitagsprotokolle, Reihenwerke und eine Broschürensammlung. Es finden sich Sammlungen zur Geschichte der Weimarer Republik. Eine Anzahl von Publikationen vermittelt Informationen über Hintergründe und Ursachen des deutschen Faschismus und des Zweiten Weltkrieges. Dokumentiert wird antifaschistischer Widerstand. Ergebnis der Verbringungsaktion war nicht allein eine Ortsverlagerung unseres Literaturfundus. Vollbracht wurde damit zugleich eine wichtige kulturelle Tat: Wertvoller historischer Buchbestand ist jetzt eher vor dem Zerfall bewahrt, unsere Bestände sind jetzt für Interessierte besser zugänglich und auswertbar, die Geschichts-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit unserer Gedenkstätte, die Tätigkeit unseres Geschichtsarbeitskreises, erhalten eine gebrauchsfähige Literaturgrundlage.

Als einen nächsten Schritt nehmen wir uns vor, unseren Buchbestand datenmäßig zu erfassen und ihn damit über Hamburg hinaus bekannt und nutzbar zu machen.
Jan Wienecke
(Bibliothekstag: Donnerstags 10 bis 17 Uhr. Telefon: 040-47 41 84, Ernst-Thälmann Platz, Hamburg-Eppendorf)
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Aus unserem Gästebuch
Eintragungen seit April 1997
Wir haben uns hier viele grausame Sachen der Kriegszeit erzählen lassen. Alle, die hier waren, fanden es sehr wichtig, was hier ausgestellt ist, denn es ist schon sehr interessant, was hier in Hamburg passiert ist. Vielen Dank für die Erklärungen und Erzählungen
Rudolf Steiner Schule Hamburg Altona.

Der heutige Nachmittag hat uns die Wahrheit unserer Geschichte ein Stück näher gebracht.
Vielen Dank und viel Glück
Nicole Hoffmann, Michael Schumacher aus Wien

Geschichte erläutert zu bekommen, ist stets lohnenswert. Geschichte auf lebendige Art dargestellt und interpretiert zu bekommen ist etwas Besonderes. Wir konnten, es erleben und möchten uns herzlichst bedanken.
Karl und Heide Behnke, Bergen/Insel Rügen

Ernst Thälmann hat es sicherlich nicht gewußt, aber sicher geahnt, wie seine Persönlichkeit in den langen Jahren seiner Haft mich immer aufgerichtet hat. Der Spruch: "Kopf hoch und nicht die Hände" könnte nach seinem kämpferischen Leben zu urteilen, von ihm stammen.
Otto Wiesner, Potsdam auf einer Buchlesung in Hamburg

Ich denke, daß diese Gedenkstätte sehr gut die Schrecklichkeit dieser Zeit widerspiegelt. Deshalb hoffe ich, daß sie noch sehr lange erhalten bleibt, um vielen Leuten Denkanstöße zu geben...
Anna Wegner, Berlin Charlottenburg

Heute gedachten wir hier in dieser Gedenkstätte Einst Toller. Wir bedanken uns für Ihre Gastfreundschaft. Kommunikationsprofil Jg. 13, Max Brauer Schule, Hamburg Altona
7 Schüler und Lehrer Wedekind.

Die Falken (Rote Geister) waren hier und hatten viel Spaß Freundschaft!
Lenny, Lisa, Jörn u.a.

Vielen Dank für den Empfang, für die Informationen, die Sie mir gegeben haben! Es war interessant für mich die hier bewahrten Dokumente zu betrachten. Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung sollte allen, besonders den Jüngeren zur Kenntnis gebracht werden. Diese Einrichtung ist von großer Wichtigkeit. C. Collin, Universität Grenoble, Frankreich.

Mit großem Interesse haben wir uns hier informiert! Herzlichen Dank!
Familienbildungsstätte Hamburg - Eppendorf

Eine angenehme Erfahrung an so unangenehme Zeiten unserer Geschichte erinnert zu werden, wichtig auch für unsere Kinder. Ich danke den Menschen, die sich mit ihrem Engagement um einen wichtigen Aspekt unserer Geschichte dahingehend bemühen, auch kommenden Generationen einen Einblick in die Geschichte, die auch ihre ist, zu ermöglichen.
Jürgen K. W Timmann Kabarettist
Eine unglaublich spannende Dokumentation. Es ist beruhigend festzustellen, daß die geschichtlichen Ereignisse, die 'in der Weimarer Republik stattgefunden haben und insbesondere die Vorgänge während der Nazizeit so nicht vergessen werden können.
Jens Knüppel Hamburg - Eppendorf
15 Harburger Jugendliche wünschen der Ernst Thälmann - Gedenkstätte bei ihrem Auftrag der Aufklärung und Erinnerung auch weiterhin alles Gute.
Studentische Mitarbeiter, Freiwillige und Österreichische Zivildienstleistende der KZ Gedenkstätte Neuengamme bedanken sich herzlich für eine interessante Führung durch die Gedenkstätte.
Levine Guldenpfennig und weitere

Wir bedanken uns für die interessanten Erklärungen und wünschen der Gedenkstätte viel Kraft dabei, den Lügen und Halbwahrheiten der bürgerlichen Geschichtsschreibung entgegenzuwirken.
Irma Vollmersstädt M. Mittelstädt Schüler aus Berlin - Marzahn

Vielen Dank dem Kuratorium für die Gestaltung und Erhaltung dieser historisch wichtigen und wertvollen Einrichtungen In ihrer Grundaussage ist sie aktuell wie nie.
Wir wünschen der Gedenkstätte auch weiterhin viel Zuspruch, besonders durch Jugendliche.
Erika und Hans Retterath Bund der Antifaschisten Frankfurt/Oder
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Buchtip
Kuratoriumsmitglied Ursel Hochmuth legte als Ergebnis ihrer jahrelangen Forschungsarbeit die wohl gründlichste Darstellung der Arbeit der bedeutensten von Saefkow, Jakob und Bästlein geleiteten Widerstandsgruppe gegen die Nazis - Diktatur vor. Unter dem Titel "Illegale KPD und Bewegung 'Freies Deutschland' in Berlin und Brandenburg 1942 – 1945“ ist die Arbeit in der Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand " erschienen.

Im ersten Teil schildert Ursel Hochmuth ausführlich den Aufbau der Organisation, die beteiligten Personen und die Arbeitsweise. In Kurzbiographien wird an die Schicksale von 322 Männer und 103 Frauen um Saefkow, Jakob und Bästlein erinnert. In einem weiteren Teil stellt Ursel Hochmuth Dokumente vor, die in der Mehrzahl erstmalig veröffentlicht werden. Der größte Teil der 52 Dokumente stammt aus einem bis 1989 gesperrten Bestand des SED-Parteiarchivs. Die Dokumente zeichnen das Bild einer eigenständigen Organisation, die sich um eine möglichst breit gefächerte Front der Illegalen zum Sturz Hitlers und zur Beendigung des Krieges bemühte und auch bereits Gedanken über das Nachkriegsdeutschland entwickelte.

"Die Arbeit von Ursel Hochmuth gehört zur Standardliteratur über den kommunistischen Wiederstand *in einem der schwierigsten Zeitabschnitte." schrieb Günter Judick »in den Marxistischen Blättern Nr. 3 '99.

Ursel Hochmuth: Illegale KPD und Bewegung "Freies Deutschland" in Berlin und Brandenburg 1942 - 1945. Biographien und Zeugnisse aus der Widerstandsorganisation um Saefkow, Jakob und Bästlein. Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Verlag Hentrich & Hentrich, Teetz 1998. 569 S., br., 39,80 DM.

"Gedanken zum Schiffbeker Prozess 1925" diese Broschüre veröffentlichte vor kurzem, Kuratoriumsmitglied Gert Gill. In "Wandsbek Links" erschien dazu folgende kurze Würdigung:
Wer mag Heute noch über politische Prozesse lesen zumal wenn sie bereits 1925 stattfanden. So gesehen ist es ein Wagnis, ein Büchlein, oder besser gesagt eine Broschüre mit einem solchen Titel Gedanken zum Schiffbeker Prozeß 1925 " anzubieten. Unser Genosse Gerd Gill hat es trotzdem gemacht.
Das ist eine Absage an den jetzt landläufigen Geschichtsopportunismus. Und was er an Material zusammengetragen hat, ist in leicht zu lesender Form geschrieben. Der Schiffbeker Prozeß war Teil der Abrechnung der Klassenjustiz mit den Oktoberkämpfen 1923 in Hamburg, als "Hamburger Aufstand" in die Geschichte eingegangen. Gerade weil gewendete Historiker versuchen den "Hamburger Aufstand" in seiner Bedeutung abzuwerten, kommt der Arbeit von Gerd Gill eine größere Bedeutung zu. Gut zueinander in Beziehung gesetzt hat der Autor die soziale Lage, das Verhalten der herrschenden Klasse, den Verrat der und die politische Rolle der Kommunistischen Partei, wie sie in der Erklärung der Zentrale der KPD vom August 1923 zum Ausdruck kam.(Seite 58) Sehr eindringlich sind die Fotos und Reproduktionen einiger Bilder von Willy Colberg.
Titel: Gerhard Gill "Gedanken zum Schiffbeker Prozess" 1925, 64 Seiten, 8.- DM. Erhältlich in der GET.

Hans-Joachim MeyerRote Fahnen über Harburg
Die Ereignisse in unserer Stadt während der Novemberrevolution 1918
Der Autor, Mitglied unseres Kuratoriums, legt mit diesem Titel eine weitere Geschichtsbewußtsein vermittelnde Buchveröffentlichung vor.
Das Buch, 112 Seiten, schildert, was sich während der Novemberrevolution 1918 in Harburg abspielte. Auch dort gab es einen Arbeiter- und Soldatenrat. Gestreift werden auch die Ereignisse in Wilhelmsburg und im heutigen Landkreis Harburg. Das Buch beginnt mit der Revolution im November 1918 und endet mit dem Belagerungszustand und der Verabschiedung der Weimarer Verfassung Mitte 1919.
Wie der Autor einleitend schreibt, stand eine Stadt wie Harburg damals natürlich nicht im Mittelpunkt des Geschehens, verglichen etwa mit Berlin, München, Bremen oder Hamburg. Vielleicht ist es gerade deshalb wertvoll, am Beispiel einer "ganz normalen" Stadt zu untersuchen, warum die Novemberrevolution auf halbem Wege stecken blieb und letztlich auch die neu erkämpfte Demokratie auf sehr schwachen Füßen stand.
Das Buch ist zu beziehen beim Herausgeber:
VVN/BdA Hamburg Hein-Hoyer Str. 41, 20359 Hamburg. Tel.: 040/ 3142 54
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Bericht des Vorstandes an die Mitgliederversammlung des Kuratoriums der GET am 14. August 1999
Unser Kuratorium war in unmittelbaren Vorfeld des 18. August, dem 55. Jahrestag der Ermordung von Ernst Thälmann und dem 30. Jahrestag der Eröffnung unserer Gedenkstätte zusammengetreten. Dem Erinnern daran schloß sich der folgende Bericht über die Vorstandstätigkeit in den zurückliegenden zwei Jahren an.

1. Rückblick
Wenngleich das Hauptaugenmerk des Vorstandes 'in der Berichtszeit auf einen dauerhaften Erhalt unserer Gedenkstätte gerichtet war orientierte er sich so weit wie möglich auf die Umsetzung gestellter Aufgaben auf unseren drei Arbeitsfeldern: Ständige Ausstellung, Veranstaltungstätigkeit, Bibliothek und Archivsammlung.

Unsere Ausstellung ist bei einer Schließungszeit von vier Monaten wegen Bibliotheksverlagerung von 2.120 jüngeren und älteren Menschen besichtigt worden. Dazu zählten 35 Schulklassen und Jugendgruppen, die mit den Alternativen Stadtrundfahrten in unsere Gedenkstätte kamen. Der mit dem Veranstalter, dem Hamburger Landesjugendring, vereinbarte Themenschwerpunkt war der antifaschistische Arbeiterwiderstand am Beispiel des Altonaers Blutsonntag und das Schicksal des von den Faschisten Ermordeten Arbeiterjungen Bruno Tesch.

Im Herbst 1998 beging der Arbeitskreis Alternative Stadtrundfahrten beim Landesjugendring Hamburg sein 20 jähriges Jubiläum. In einer darüber veröffentlichten Dokumentation wird den Hamburger Gedenkstätten, darunter der Gedenkstätte Ernst Thälmann für deren Unterstützung der Alternativen Stadtrundfahrten gedankt. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Ein ganz herzlicher Dank geht auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Thälmann Gedenkstätte, die regelmäßig Gruppen der Alternativen Stadtrundfahrten betreuen und sich dabei sehr flexibel und 'individuell auf die verschiedenen Gruppen einstellen."
In der Besuchsentwicklung haben wir ab Mitte der 90er Jahre eine Rückentwicklung zu verzeichnen, Eine Verringerung der Alternativen -Stadtrundfahrten im Hamburger Innenstadt-Gebiet dafür vermehrt zur 1995 ausgebauten Gedenkstätte Neuengamme also eine im Grunde insgesamt positive Entwicklung -wirkte auf unsere Besuchsentwicklung. Für deren relativer Abnahme gibt es auch subjektive Ursachen. Eine ist die seit geraumer Zeit kaum wahrzunehmende Werbung für den Besuch unserer Gedenkstätte. Ein Hinweis dafür, sie künftig kontinuierlich zu gestalten.

In der Berichtszeit sind die Dokumente unserer Ausstellung fotografisch erfaßt worden und dienen jetzt als Grundlage für die Erstellung einer fotografischen Ausstellungsdokumentation. Auf unserem Tätigkeitsfeld: Geschichtsarbeit, Vortrags und Diskussionsveranstaltungen konnten Neuerungen eingeführt, werden: 1997 hat sich ein Arbeitskreis Geschichte gebildet. Er stellt sich als übergreifende Aufgabe der Umdeutung der Geschichte, wie sie von den Herrschenden und Teilen der Wissenschaft betrieben wird, die eigene Geschichte entgegenzustellen, die Geschichte der Kämpfe gegen Ausbeutung, Faschismus und Krieg, für Emanzipation der Menschen und der ArbeiterInnenklasse. Unser Arbeitskreis hatte mit seinem Anteil an der 'Vorbereitung und Durchführung einer von über 200 Teilnehmenden besuchten von einem Trägerkreis organisierten Veranstaltung aus Anlaß des 80. Jahrestages der Oktoberrevolution in Rußland und mit der Erstellung- einer Artikelreihe zu deren Auswirkungen auf Hamburg einen guten Start.

Weitere Themen von Vortrags und Diskussionsveranstaltungen, die wir selbst durchführten waren: "Thälmann über -politisches Geschehen und Kriegsentwicklung -Aufzeichnungen aus faschistischer Haft Hannover und Bautzen 1939 -1944 mit Kuratoriumsmitglied Lothar Berthold als Referent. Ferner: "Ernst Thälmann und die Kommunistische Internationale" mit Kuratoriumsmitglied Günter Judick. Dem Vortrag voraus ging eine Kundgebung aus -Anlaß der Wiederkehr des 113. Geburtstages von Ernst Thälmann. Mit der Verurteilung des Angriffskrieges der NATO gegen Jugoslawien erinnerten wir an Thälmanns Rolle als Friedenskämpfer.

Mit Vorstandsmitglied Ursel Hochmuth veranstalteten wir eine Lesung aus ihrem neuen Buch "Illegale KPD und Bewegung 'Freies Deutschland' in Berlin und Brandenburg 1942 -1945" zum Thema: Antifa Arbeit unter Wehrmachtangehörigen 1943 /44 als unseren Beitrag zum wissenschaftlichem Begleitprogramm der Ausstellung: Vernichtungskrieg Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944.

Von Herbst 1997 bis Frühjahr 1998 gab es bei uns eine neue Veranstaltungsreihe: "Kino im Thälmann Haus. Vorgeführt wurden vor einem zunächst noch kleineren Kreis von Interessierten Dokumentar- und Spielfilme zu Themen aus der Arbeiterbewegung während der Zeit der Weimarer Republik.
Vielfältig waren Leistungen, die wir auf unserem Arbeitsfeld : Bibliothek und Archiv erbrachten: Für Arbeiten an Universitäten und Hochschulen für Schulaufsätze und Referate, für die Gestaltung von Buchproduktionen und Ausstellungen, für die Zusammenstellung von Lebensdaten von Jugendlichen, Frauen und Männern, die gegen Faschismus und Krieg gekämpft haben. In drei Rundbriefen, die in der Berichtszeit erschienen sind haben wir u.a. darüber im Einzelnen berichtet. Zu einer der größten kollektiv durchgeführten Aktionen zählte die Verbringung unseres über 7 Jahre von der Bibliothekskommission aussortierten Buch - Zeitschriften und Zeitungsbestandes in das Erdgeschoß in den letzten vier Monaten 1998 mit Hilfskräften aus Hamburg und Schleswig - Holstein, denen wir auf einem Treffen im März d. J. für ihren Einsatz gedankt haben.

Im Ergebnis haben wir jetzt eine Einordnung unseres Buchbestandes in der angestrebten Gliederung:
- Ernst Thälmann in seiner Zeit und in unserer Zeit;
- Arbeiterbewegung insbesondere kommunistische;
- antifaschistischer Widerstand, antifaschistische,  antimilitaristische und Friedensbewegung.

II. Ausblick
Beim Ausblick auf unsere, weitere Gedenkstättenarbeit stehen auch wir vor der Notwendigkeit, den sich derzeit abzeichnenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Realitäten Rechnung zu tragen. Das ergibt sich auch aus der engen Verbindung, die zwischen Politik und Geschichte vorhanden ist.

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der NATO gegen die souveräne Bundesrepublik Jugoslawien hat für alle sichtbar werden lassen, daß Krieg auch in Europa wieder führbar wird wenn es dem militärindustriellen Komplex darum geht, die Basis für die Verwertungsbedingungen des Kapitals grenzübergreifend zu sichern und zu erweitern. Darauf zielt auch das mitten im Krieg von der NATO beschlossene neue strategische Konzept. Es macht deutlich, daß die NATO Aggression gegen Jugoslawien kein unwiederholbarer Einzelfall bleiben soll. Das Institut für Internationale Politik der Bundeswehruniversität Hamburg wertete das Vorgehen der NATO "als Präzedenzfall für mögliche künftige Einsätze im unmittelbaren Vorfeld Rußlands, etwa im Kaukasus ... wo in der -Auseinandersetzung um die Erdölressourcen in der Kaspischen Region und die Nutzung bzw. die Verlegung von Pipelines ein heftiger Konkurrenzkampf zwischen westlichen und russischen Ölkonzernen beziehungsweise zwischen Washington und Moskau im Kontext strategischer Interessen entbrannt ist." Das auch die herrschende Klasse Deutschlands begehrliche Blicke auf die kaspische Region richtet, wo es neben Erdöl und Erdgasvorkommen die größten Lagerstätten der Welt an Zink und Wolfram, außerdem bedeutsame Ressourcen an Blei, Chromerzen und Mangan gibt entspringt dem steten Drang der deutschen Monopole in Richtung dieser Region wie es schon im ersten und zweiten Weltkrieg der Fall war. Die Bundeswehr besitzt dazu seit 1992 eine sogenannte verteidigungspolitische Richtlinie. Darin wird ausgesagt: Auftrag der Bundeswehr und nationales Interesse sei die Aufrechterhaltung des freien Welthandels und der ungehinderte Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt.

Zu den Realitäten von heute und morgen gehört die kapitalistische Globalisierung der Wirtschaft. Sie hat die latente Kluft zwischen Arm und Reich seit Anfang der 90iger Jahre gravierend vergrößert. Laut einem UN "Bericht über die menschliche Entwicklung 1999" verfügen die drei reichsten Menschen der Welt inzwischen über ein Vermögen das größer ist als das Bruttosozialprodukt der 50 ärmsten Länder der Erde, wo 600 Millionen Menschen leben. Auch in einem am globalen Wirtschaftsprozeß maßgeblich beteiligten Land wie die Bundesrepublik sind die Vermögen äußerst ungleich verteilt. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung konzentrierten sich im vergangenen Jahr fast 30 Prozent des vorhandenen Geldvermögens allein bei den reichsten fünf Prozent der Haushalte.

Peter Glotz veröffentlicht demnächst ein Buch Über neue Konstellationen der globalisierten Wirtschaftswelt und gelangt im vorweg zu folgenden Einschätzungen: Die Unternehmen würden sich immer öfter in Teile zerlegen und Über die Welt verteilen. Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse sinkt noch weiter ab, die der Selbstbeschäftigung steigt. Die Macht der wirtschaftlichen - Eliten nimmt zu, die der Gewerkschaften nimmt ab. Es entstehe eine neuartige Unterklasse, das "dritte Drittel". Das alles führe zu einer verschärften Spaltung der Gesellschaft. ("Die Woche" 6.8. 99)

Das Internet, das neue Kommunikationsmittel der kapitalistischen Globalisierung erfährt in jüngsten Publikationen die folgende Bewertung, "Das globale Netzwerk aus 36 Millionen Computern verändert alles. So wie die Dampfmaschine oder das Fließband die Welt verändert hat. Mit ihrer Hilfe steigerte der Mensch seine Produktivität um ein Vielfaches. Die Maschine stand, am Beginn der industriellen Revolution. Sie führte zu Massenwohlstand, aber auch zum Kommunistischen Manifest." ("Die Woche" 16. Juli 1999)

„Die Gefährlich verrückte Logik des globalen Kapitalismus" ist der Titel eines Buches des Amerikaners William Greiner. Dieser schreibt "Die schlimmen Bedingungen, die Karl Marx im 19. Jahrhundert zu seiner ursprünglichen Kritik am Kapitalismus verleiteten sind wieder präsent und gedeihen prächtig. Wir stehen am Anfang eines neuen großen Konflikts über das Wesen des Kapitalismus." (MBL 4/99 S.66) Was in den angeführten Zitaten Über die Widersprüche des heutigen Kapitalismus ausgesagt wird sollten wir uns merken und für unsere künftige publizistische und Bildungsarbeit nutzbar machen.

Von besonderen Interesse für uns ist auch wie jetzige und kommende jüngere Generationen auf die Realitäten der derzeitigen Entwicklung reagieren, Gibt es doch Aufschluß darüber, wie wir anknüpfend an ihre eigenen Erfahrungen und Vorstellungen besser den Zugang zu jungen Menschen finden können. Beachtenswert in diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse, die eine große Jugendumfrage erbracht hat. (Die Woche 23, Juli 1999) Gefragt wurde u.a. danach, welche künftigen Entwicklungen in der Welt die 15 20 jährigen am meisten fürchteten. An erster Stelle nannten die Jugendlichen Krieg (44 Prozent), dann eine Wirtschaftskrise (20 Prozent). An dritter Stelle drohende Arbeitslosigkeit. (16 Prozent).

Im Vorfeld unserer Kuratoriumstagung hat der Vorstand einige Anregungen für die künftige Arbeit mit unserer Ausstellung und für die weiteren Arbeitsfelder gegeben. Als besonders wichtig erweist sich eine kontinuierliche Werbung für den Besuch unserer Gedenkstätte und zwar in einer Weise, daß sie ständig in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt wird. Dazu könnte ein Faltblatt gehören worin in Abständen unsere Gedenkstätte vorgestellt, ihre Öffnungszeiten und Veranstaltungen, darunter auch Führungen durch die Ausstellung und Sonderausstellungen bekanntgegeben werden.

Erforderlich wäre das kontinuierliche Schalten von Werbeanzeigen in ausgewählten Werbeträgern, z.B. in der Hamburger Lehrerzeitung. Mit einem Eindruckplakat könnten wir auf unsere Gedenkstätte und auf unsere Veranstaltungen in einem größeren Umfeld hinweisen. Eine qualitative Werbung für unsere Gedenkstätte und ein ansprechendes Bindeglied zwischen Kuratorium und BesucherInnen wird die in Arbeit befindliche fotografische Dokumentation unserer Ausstellung sein.

Was die weitere Durchführung von Vortrags und Diskussionsveranstaltungen angeht so empfiehlt der Vorstand wie bisher jeweils zwei Veranstaltungen pro Jahr durchzuführen. Zwischenzeitlich könnte die eine oder andere Buchlesung veranstaltet werden mit Themen, die unserem Profil entsprechen. Diese Form der Verbindung mit einem interessierten Publikum bedarf normalerweise wenig Kraftaufwand und kann auch vor einem kleinen Besucherkreis zur Anwendung kommen.

Zu unserer weiteren Veranstaltungstätigkeit sollten auch künftig Video-Filmvorführungen gehören. Zu beziehen sind zur Zeit sämtliche Filme der DEFA. Gut wäre es wenn wir Sponsoren finden die uns bei der Anschaffung eines Großbildprojektors helfen könnten.

Mit Blick darauf, daß mit der neuen Strategie der NATO aus der Sicht ihrer Verfasser Krieg wieder ein legitimes Mittel bei der Sicherung von Profitinteressen werden soll bietet sich für eine der nächsten Vortrags -und Diskussionsveranstaltung eine Untersuchung darüber an, wie die NATO-Strategie in der Herausbildung des Imperialismus um die Jahrhundertwende wurzelt, wie der Imperialismus sein Wesen in zwei Weltkriegen offenbarte und was Imperialismus heute darstellt. Im Mittelpunkt dabei könnte Lenins Werk- "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" stehen. Kuratoriumsmitglied Willi Gerns hat sich bereit erklärt, dieses Thema als Referent zu übernehmen.

Mit Blick auf unsere neueingeordnete Bibliothek und Archivsammlung ergibt sich als nächste Maßnahme deren computertechnische Erfassung als unerläßlichen Schritt um sie benutzerfreundlich zu gestalten. Dazu erforderlich wäre die Schaffung und Ausrüstung einer ABM - Stelle nachdem geklärt ist, wer sich unter Berücksichtigung unserer Bedürfnisse dafür eignen würde und gewinnen lassen könnte. Bei der notwendigen Anschaffung eines Computers wäre zu erwägen, dieser mit Internetzugang zu versehen , was uns das Feld für die Verbreitung eigener Informationen und der Erlangung anderer Informationen bedeutend erweitern würde.

Die wünschenswerte Nutzung moderner Technik und die Verwirklichung mancher Idee für eine Effektfierung unserer Gedenkstättenarbeit hängt von zwei Faktoren ab: Von den vorhandenen einsatzfähigen und bereiten ehrenamtlichen Kräften und von der Finanzierbarkeit aus unserem Spendenaufkommen. Dem neu zu wählenden Vorstand ist zu empfehlen, den Kräfteeinsatz bei der unmittelbaren Ausführung der Gedenkstättenarbeit zu mehren, durch eine laufende Beschlußkontrolle eine tragfähige Verjüngung in der Besetzung der Vorsitzendenfunktionen anzustreben und gezielt Spenden einzuwerben und den Dauerspendenkreis auszubauen.
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Kuratoriumsvorstand neu gewählt
Auf seiner Tagung am 14. August d.J. hat unser Kuratorium eine Neuwahl seiner Vorsitzenden und der weiteren Mitglieder seines Vorstandes durchgeführt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Jan Wienecke bestätigt. Zum 2. Vorsitzenden neugewählt wurde Erich Röhlck. Aus seiner 8 Jahre ausgeübten Tätigkeit als 2. Vorsitzender hat das Kuratorium Genossen Ewald Stiefvater wurde auf eigenen Wunsch verabschiedet und ihm für seine stete Einsatzbereitschaft gedankt. Ewald wurde 'in den neuen Vorstand gewählt. Dem Vorstand gehören mit den beiden Vorsitzenden 17, darunter 4 erstmals gewählte Mitglieder, an.

In die Revisionskommission wurde Heinz Geinitz und Werner Schütz gewählt. Lisa Hermann schied auf eigenen Wunsch aus der Revisionsarbeit aus. Für ihre Mitarbeit wurde ihr gedankt.
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WIEDERENTDECKT
Vom Bezirksvorstand der DKP Ruhr - Westfalen erreichte uns jüngst eine bewegende Nachricht: An einem Haus im Norden von Essen fand die DKP die Inschrift: Wählt Thälmann. Die Wahlwerbung entstammt dem Jahr 1932. Sie beweist auf ihre Art die Beständigkeit des politischen Wirkens von Ernst Thälmann. Die DKP im Essener Bezirk VI. beantragte die Inschrift unter Denkmalschutz zu stellen. (siehe auch UZ 16.7.99 S. 12).

Ein erstes Ergebnis gibt es bereits. Wie die "Neue Ruhrzeitung" am 14. 8.99 berichtete liegt der Stadt Essen seit 9. August ein Antrag des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege vor, das Haus Röckenstraße 15 in Katemberg - Beisen unter Denkmalschutz zu stellen - als "seltenes Zeitzeugnis für die Geschichte der Weimarer Republik, der zu dieser Zeit währenden politischen Auseinandersetzungen und für die Geschichte der Arbeiterklasse."
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WIEDERGEFUNDEN
Am-28. März 1944 verhafteten die Faschisten den Hamburger Widerstandskämpfer Richard Schönfeld, geb. 4. 11. 1885. Er starb am 18. Januar 1945 als "Polizeihäftling" im KZ Neuengamme. An seinem ehemaligen Wohnhaus in Hamburg - Eppendorf brachten seine Angehörigen und Freunde nach der Befreiung vom Faschismus eine Erinnerungstafel an. Bis 1983 blieb diese an ihrem Platz. Nach Umwandlung der dortigen Wohnungen in Eigentumswohnungen war die Tafel verschwunden. Die Angehörigen waren vergeblich bemüht sie wieder zu finden.

An einen Novembertag 1998 betraten zwei Arbeiter mit einem gewichtigen Gegenstand die Gedenkstätte Ernst Thälmann. An die Anwesenden gewandt sagte einer der beiden "Da staunt ihr, was"? Sie hatten die 40 Kilogramm schwere Bronzetafel zur Erinnerung an Richard Schönfeld in dessen ehemaligen Wohnhaus bei einer Kellerräumung gefunden.

Durch das Bemühen der Angehörigen und durch die Zustimmung der jetzigen Bewohner des Hauses befindet sich die Erinnerungstafel an Richard Schönfeld wieder an ihrem alten Platz. Die Voraussetzung dafür hatten zwei Arbeiter mit ihren nichtigen Empfindungen geschaffen. J.W

Dank der ideellen und finanziellen Solidarität unser Mitstreiter kann die Gedenkstätte Einst Thälmann in Hamburg in diesen Tagen ihren 30. Geburtstag feiern. Für die Sicherung der Ausstellung, des Archivs und der Bibliothek im Hamburger Wohnhaus des bedeutenden Arbeiterführers sind wir dringend auf die weitere Unterstützung der Fremde und Genossinnen und Genossen angewiesen. Bitte erteilt uns einen Abbuchungsauftrag. Andere Zahlungsweisen sind mit höheren Kosten verbunden.
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SPENDENAUFRUF
Für den Erhalt der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, der Bibliothek und des Archivs bedürfen wir weiterhin der finanziellen Solidarität. Besonders dankbar sind wir für Geldspenden, die monatlich eingezahlt werden auf unsere Konten: Bank für Gemeinwirtschaft, Kto.-Nr. 1180328700 (BILZ 20010111) Postscheck Hamburg 1337 37-204 (BLZ 200 100 20)
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Gedenkstätte Ernst Thälmann
Ernst-Thälmann-Platz
2000 Hamburg 20
Tel. 040147 4184

Ausstellung - Bibliothek - Archiv
Öffnungszeiten:
Di - Fr. 10 - 17 Uhr
Sa. u. So. 10 - 13 Uhr
u. n. Vereinbarung

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Ernst Thälmann zur Frage Krieg und Frieden
Seit seinem 17. Lebensjahr der SPD unter August Bebel angehörend und wie die deutschen Linken um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg antimilitaristisch gesinnt, sahen sich Thälmann und seine Genossen einen für sie unfaßbaren Vorgang gegenüber: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte am 4. August 1914 für die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt. Thälmann schrieb später: "Der 4. August war für die Massen der klassenbewußten Arbeiter ein furchtbarer Schlag, eine schmerzliche Enttäuschung. Wofür sie gekämpft, woran sie geglaubt hatten, die Partei und die Internationale des Sozialismus, existierten nicht mehr. "

Thälmann war zum Verfechter des Friedens zum Gegner des imperialistischen Krieges auch darum geworden, weil er die Schrecken des Krieges aus eigenen Erleben kannte: Von Januar 1915 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 teilte er das Los von Millionen Soldaten, die auf den Schlachtfeldern an der Westfront ihre Gesundheit und ihr Leben für die Machtinteressen des deutschen und Internationalen Imperialismus aufs Spiel setzen mußten. In seinen biografischen Aufzeichnungen schrieb Thälmann: "Ich war dreimal verwundet, darunter einmal schwer - am Geschütz verschüttet." An anderer Stelle vermerkte er, daß die "Front des Weltkrieges" seine "sozialistische Auffassung erheblich beeinflußte und (ihn) härtete" für die Arbeiten die er später als Vorsitzender der KPD zu leisten hatte.

Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Blick, mahnte Thälmann wiederholt, nicht erst angesichts der Entfesselung eines Weltkrieges den Kampf aufzunehmen, sondern Kriegsvorbereitungen bereits in Friedenszeiten aufzudecken und ihnen energisch entgegenzutreten. Der Friedenskampf müsse - wie Thälmann hervorhob - systematisch und organisiert geführt und dabei neue Formen der Einbeziehung der Bevölkerung in den Antikriegskampf entwickelt werden. Thälmanns Grundsatz war, daß drohende Kriegsgefahr nicht durch allgemeine Bekenntnisse zum Frieden, sondern nur durch Aktionen begegnet werden kann.

Großen Anteil am Antikriegskampf erwarb Thälmann sich dadurch, daß er bereits frühzeitig auf die große Gefahr hinwies, die dem deutschen Volk und dem Weltfrieden aus der wachsenden faschistischen Gefahr in Deutschland seit dem Ende der zwanziger Jahre erwuchs. Thälmann verstand die Gefahr schon im Frühjahr 1932 kurz und prägnant mit den fünf Worten anzuprangern: "Hitler, das ist der Krieg!"

Thälmann zeigte die Motive auf die den Imperialismus nach Wiederaufrüstung und neuen Kriegsabenteuern streben lässt und nannte die Jagd nach Rüstungsprofiten, das Streben nach einer ökonomischen und politischen Vormachtstellung gegenüber den imperialistischen Konkurrenten. JW.

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