Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Nr. 35 (November 2000)
ARBEITERWIDERSTAND GEGEN FASCHISMUS UND KRIEG | Die "Unverbesserlichen" vom Thälmann-Haus | Ernst Thälmann und Kampfgefährten | Grundgesetz, Artikel 139: Naziorganisationen sind verboten!Ein Jahrhundert im Visier der Verfolgungsbehörden  |  Buchvorstellung  |  Aus unserer Geschichtswerkstatt   |   AUSCHWITZ  DARF NIEMALS IN VERGESSENHEIT GERATEN
Aus unserem Gästebuch  |  Mahnung von  Ziegenhals verpflichtet!     | NeujahrsgrußZu welchen Bereichen  wir sammeln und  Auskunft geben | Gesucht: ehrenamtliche MitarbeiterInnen  Ernst Thälmann über die Antifaschistische Aktion |   www.thaelmann-gedenkstaette.de |

IM NEUEN GEDENKSTÄTTENFÜHRER DOKUMENTIERT:
ARBEITERWIDERSTAND GEGEN FASCHISMUS UND KRIEG
Der unlängst von unserem Kuratorium herausgegebene Gedenkstättenführer: Ernst Thälmann und Kampfgefährten hat bundesweit - auch weil im Internet dargestellt - Beachtung und anhaltenden Zuspruch gefunden. Darin widerspiegeln sich Interesse und Anerkennung für die geschichtlichen Leistungen Ernst Thälmanns und auch für unsere Gedenkstättenarbeit.

Zugleich widerspiegelt sich darin - und in der wieder zunehmenden Zahl von Besucherinnen und Besuchern unserer Ausstellung - die Erkenntnis, dass es zum besseren Verstehen der Gegenwart von Nutzen sein kann, die Geschichte der Arbeiterbewegung zu Rate zu ziehen. Dies gilt zur Zeit auch wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Neofaschismus geht. Dabei können die während der Weimarer Republik gewonnenen Erfahrungen aus dem Arbeiterwiderstand gegen den Faschismus, wie sie in unserer Ausstellung vermittelt, werden anregend für heutiges antifaschistisches Handeln sein. Geschichte ist nicht wiederholbar. Was indes von Ernst Thälmann und seinen Kampfgefährten über die Ursprünge und das Wesen der faschistischen Gefahr aufgedeckt wurde und wie sie den antifaschistischen Abwehrkampf organisierten, enthält durchaus aktuelle Bezüge. Dem Faschismus wie dem Neofaschismus liegen gleiche gesellschaftliche klassenmäßige Ursachen und Triebkräfte zugrunde. Objektiv erwächst die Tendenz zur Gewaltanwendung, zur terroristischen, in letzter Konsequenz offen faschistischen Form der Machtausübung durch das Monopolkapital aus den inneren Widersprüchen des Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium.
In Deutschland forderten Ende 1932 Schwerindustrielle, Bankiers und Großgrundbesitzer den Reichspräsidenten von Hindenburg  auf, Hitler zum Reichskanzler zu berufen. Die Hitlerpartei wurde durch das Großkapital hochgepäppelt, finanziert und an die Macht gebracht. Daran ist die Weimarer Republik gescheitert und nicht an fehlenden demokratischen Einsichten der Kommunisten, wie im Dienste des Kapitals stehende Geschichtsschreiber behaupten.

Zu den Erfahrungen von Ernst Thälmann und seinen Kampfgefährten gehört - dies gilt auch heute für den Neofaschismus - dass der Faschismus die Rolle einer politischen und organisatorischen Reserve und eines Stosstrupps extrem reaktionärer finanzkapitalistischer Kreise gegen Demokratie, Humanismus und jeglichen Fortschritt spielt. Ein geschichtliches Beispiel dafür war der Altonaer Blutsonntag, woran in unserem Gedenkstättenführer erinnert wird. Am 17. Juli 1932 drangen 7000 Nazis unter dem Schutz der Polizei in die Arbeiterviertel Altonas ein. Bei schweren Auseinandersetzungen fanden 18 zumeist unbeteiligte Menschen den Tod. Die Reichsregierung nahm dies zum Anlass für einen Staatsstreich und setzte unter dem Vorwand, sie könne Sicherheit und Ordnung nicht mehr gewährleisten, die für Altona zuständige preußische Regierung ab. Mit dem Staatsstreich sollte der Weg zur offenen faschistischen Diktatur freigemacht werden. Für die Abwehr des Faschismus betrachteten es Ernst Thälmann und seine Kampfgefährten für unabdingbar, den antifaschistischen  Kampf als eine breite Massenbewegung, deren Kern eine in Aktionseinheit handelnde Arbeiterbewegung ist, in enger Verknüpfung mit den elementaren Tagesinteressen der Bevölkerung zu führen. Einen wichtigen Platz gilt es dabei der ideologischen Bekämpfung des Faschismus - wie heute des Neofaschismus - einzuräumen, für die soziale Demagogie, Nationalismus, Antikommunismus und Rassismus charakteristisch sind. Die mit einer solchen Strategie entwickelte antifaschistische Einheitsfrontbewegung erreichte ihre größte Breite in der auf Initiative Ernst Thälmanns im Mai 1932 ins Leben gerufenen Antifaschistischen Aktion. Mit deren Aktivitäten konnte der faschistische Terror zurückgedrängt, der Nazipartei bei der Novemberwahl 1932 erhebliche Stimmenverluste zugefügt und der Faschisierungsprozess zeitweilig verlangsamt werden.

Unsere Schrift: Ernst Thälmann und Kampfgefährten besitzt ihren Wert nicht allein in einem fundierten Rückblick auf die ersten Jahrzehnte des 20 Jahrhunderts. Ungeachtet aller Veränderungen die gegenüber der Zeit des politischen Wirkens von Ernst Thälmann eingetreten sind, wirken seine geschichtlichen Leistungen weiter und bleiben seine Warnungen vor der Gefahr des Faschismus und des Krieges auch  heute gültig.
Jan Wienecke
 

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DIE UNVERBSSERLICHEN VOM THÄLMANN-HAUS
So lautet die Überschrift von einem  vielbeachteten Artikel des Hamburger Abendblattes vom 7. Juli 2000 von Saskia Tants.
Die Autorin schreibt u.a.:"In großen Lettern steht über der Eingangstür: Gedenkstätte Ernst Thälmann. Die „Unverbesserlichen“ nennen sie sich selbst mit einem Augenzwinkern. Sie - das sind Ursel Hochmuth (69), Jan Wienecke (75), Erich Röhlck (77), Ewald Stiefvater (74) und Heinz Geinitz (82). Bitter Ernst ist ihnen ihr Anliegen. Sie kämpfen gegen das Vergessen.
In dem Eppendorfer Eckhaus haben sie in den vergangenen Jahrzehnten rote Fahnen zusammengesammelt, historische Schriften, Bücher, Dokumente und Fotografien. Eine Matrizenmaschine, auf der im Widerstand gegen Hitler in Hamburger Hinterzimmern Flugblätter gerollt wurden. Es ist die Geschichte von Verfolgung und Widerstand. Die Geschichte vom Hamburger Transportarbeiter Ernst Thälmann, der zum KPD-Vorsitzenden aufstieg und im KZ Buchenwald ermordet wurde. Und die seiner Mitstreiter, seiner „Kampfgefährten“. ...
 Zum 30-jährigen Bestehen haben sie in diesen Tagen eine reich bebilderte Dokumentation der Ausstellung herausgebracht: „Ernst Thälmann und Kampfgefährten“. Sechs Monate harte Arbeit stecken  darin."....
Die Eltern von Ursel Hochmuth waren überzeugte Kommunisten. „Wenn du groß bist, nehmen wir einen Laster mit einer roten Fahne und holen Papa aus dem Zuchthaus“, sagte die Mutter zur Tochter. Da war Ursel acht Jahre alt. Der Vater war im KZ, „weil er sich mit Hitler nicht verstanden hatte“. Das wusste das Kind. Auch, dass man darüber mit den Nachbarn in Winterhude besser nicht spricht. Später inhaftierten die Nazis auch die Mutter. Es war die Rote Armee, die sie befreite. Der Vater wurde hingerichtet.
„Ich will nicht, dass die vergangene Wirklichkeit in Vergessenheit gerät“, sagt Ursel Hochmuth. Seit dem „Umbruch 89“ glauben viele, der Kommunismus sei eine Episode gewesen. „Doch so ist es nicht“, sagt die Frau. „Ich glaube fest an, eine Welt ohne Krieg, Barbarei und Unterdrückung.“ Doch diese Welt, die könne es im Kapitalismus nicht geben.
(Jan Wienecke Kuratoriumsvorsitzender) „Man kann seine Überzeugung nicht einfach abschütteln wie ein Hund nach einem See-Bad.“ Die Überzeugung war es denn auch, die seinen Genossen Ewald Stiefvater 1963 ins Gefängnis brachte. „Drei Jahre Haft unter Adenauer“, sagt er. Weil ich weiter Mitglied der verbotenen KPD war.“ Bis heute kämpft der Rentner für seine Rehabilitierung.
Was den fünf „Unverbesserlichen“ bleibt, ist die Vision von der klassenlosen Gesellschaft. Ein Leben ohne Neid und ohne Raffgier. Davon träumen sie. Aber, räumt Röhlck ein: „Wir werden das wohl nicht mehr erleben.“ ...
Das Telefon klingelte nach Erscheinen des Artikels häufiger. In der Gedenkstätte und auch Privat erkundigten sich Frauen und Männer über die "Unverbesserlichen" und  beglückwünschten sie für ihr Engagement gerade in Zeiten in denen der Neofaschismus sich auf den Strassen dieser Republik   brandschatzend und sogar Menschen totschlagend   austobt.
 

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ERNST THÄLMANN UND KAMPFGEFÄHRTEN
Neuer Gedenkstättenführer – Eine Fotografische Dokumentation

Im Mai 2000 hat das Kuratorium der Gedenkstätte eine Dokumentation in Bild und. Text von der Hamburger Ausstellung herausgegeben. Sie dient zugleich als Gedenk- Stättenführer. Nach Erscheinen erhielten wir zahlreiche Zuschriften. Wir veröffentlichen nachstehend erste Stimmen  aus Briefen an das Kuratorium.
Prof. Dr. Lothar Berthold, Berlin
Ganz herzlich bedanke ich mich für “Ernst Thälmann und Kampfgefährten. Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text”. Das ist eine großartige, wahrhaft gelungene Dokumentation. Hoffentlich findet sie eine weite Verbreitung und die Ausstellung viele Besucher. Ihr habt recht, wenn Ihr Euer Vorwort so schließt: “Die geschichtlichen Leistungen Ernst Thälmanns, sein Wirken für Freiheit und Gerechtigkeit, für eine Welt ohne Krieg, Faschismus und Ausbeutung behalten ihre Gültigkeit auch im 21. Jahrhundert.” Ich bin sehr froh, dem Kuratorium anzugehören. Von meinem Schreibtisch aus will ich gern auch weiterhin helfen, meinen Beitrag zu leisten. Ansonsten bin ich in Ziegenhals tätig; und über unseren Kampf um diese Gedenkstätte seid Ihr ja unterrichtet”.

Herbert Mies, Mannheim
Vielen Dank für die Information über das Echo, das Eure mühsam gemachte  aber ganz hervorragende Arbeit  „Ernst Thälmann und Kampfgefährten. Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text“ gefunden hat. Eben dieses Echo dürfte auch ein Signal dafür sein, dass das “vereinigte Deutschland” immer auch die Erinnerung an Ernst Thälmann bedarf. Die Erinnerung an Ernst Thälmann, der Arbeit dafür, daß sie niemals verdrängt oder gar gelöscht wird steht für die geschichtlichen Leistungen, die die deutschen Kommunisten für ein friedvolles, fortschrittliches und antifaschistisches Deutschland von 1918 an erbracht haben. Die Geschichte hat es so gemacht, dass das Idol uns deutschen Kommunisten in Thälmann personifiziert wurde, wenngleich seit Thälmann auch andere kommunistische Persönlichkeiten das Antlitz der deutschen Kommunisten geprägt haben. Das Kuratorium – vor allem Jan und Ewald – haben mit der Thälmann-Publikation Dankenswertes geleistet. So jedenfalls sehe ich das.

Heinz Stehr, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei, Essen,
Die Broschüre spiegelt in eindrucksvoller, gut lesbarer Form die wesentlichen Inhalte der Ausstellung wieder. Den Verfassern ist zu danken, dass sie kurz und präzise die wesentlichsten Inhalte beschrieben haben und nicht der Versuchung unterlegen sind, lange, ausführliche Hintergrundinformationen zu geben. Die Broschüre macht Lust auf den Besuch der Ausstellung und das Lesen der zusätzlich angegebenen Literatur. Sie vermittelt wesentliche Inhalte kommunistischer Politik im 20. Jahrhundert. Dazu gehören wichtige Erfolge, aber auch Niederlagen. Die Biographie Ernst Thälmann vermittelt den kommunistischen Kampf von der Novemberrevolution 1918/19 bis zum unerbittlichen Kampf gegen den Faschismus. Es war eine Zeit, in der die Kommunistische Partei Deutschlands Masseneinfluss hatte, immer mehr Massenpartei wurde Es war eine historische Situation, die vom Kampf gegen reaktionäre Politik, Militarismus und Faschismus geprägt war. Immer wieder ging es darum, Kräfte zu bündeln, um eine andere Politik durchzusetzen. Von den Erfahrungen und Lehren dieser Zeit lernen wir bis heute und für die Zukunft, so auch aus den Fehlern, wenn sie denn durch kritische und selbstkritische Positionen überwunden wurden. Insgesamt vermittelt die Broschüre in ihrer Darstellung genügend, worauf man sich mit Stolz für die eigene Geschichte der kommunistischen Bewegung Deutschlands beziehen kann.
Die Gedenkstätte Ernst Thälmann am Ernst-Thälmann-Platz hat weit über diese Zeit hinaus grundsätzliche Bedeutung für Kommunistinnen und Kommunisten und ihren Kampf. Für die Broschüre ist zu hoffen, dass sie Ausstrahlung gewinnt und in größerer Auflage jene erreicht, die oft nicht die Möglichkeit haben, die Gedenkstätte selbst zu besuchen. Sie ist in dieser Zeit des anhaltenden Antikommunismus ein historisch begründeter Beweis für die positiven Leistungen von Kommunistinnen und Kommunisten im 20. Jahrhundert.

Gertrud Müller, Ehrenvorsitzende der Lagergemeinschaft   KZ Ravensbrück (Freundeskreis e.V.)
Ein herzliches Dankeschön für die Zusendung der Broschüre “Ernst Thälmann und Kampfgefährten”. Ihr habt mir damit eine große Freude bereitet.
Beim Lesen kommt so manche Erinnerung, denn man hat doch viele Genossinnen und Genossen gekannt.
Der Aufbau der Gedenkstätte ist Euch gut gelungen und sollte ich wieder mal nach Hamburg kommen, werde ich die Gedenkstätte besichtigen.
Für Eure hervorragende Arbeit herzlichen Dank.
 DM 100.- Spende gehen in den nächsten Tagen an Euch ab.

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, 16798 Fürstenberg,
Sehr geehrter Herr Wienecke,
wir möchten Ihnen den Eingang Ihres Schreibens vom Juni 2000 bestätigen und bedanken uns für die Zusendung der Publikation “ Ernst Thälmann und Kampfgefährten – Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text”.
Sie stellt für die Bibliothek der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eine wertvolle Bestandsergänzung dar. Wir sind sicher, dass die fotografische Dokumentation der Ausstellung im Rahmen der Freihandaufstellung das Interesse der Leserinnen findet.
Mit freundlichen Grüßen
C.Hoffmann, wiss.Mitarbeiterin

Buchhandlung Che & Chandler, 53111 Bonn
Liebe Genossinnen und Genossen, vielen Dank für die Zusendung Eurer unlängst erschienenen Broschüre. Sie stieß hier in Bonn auf breite Begeisterung – wirklich Klasse, dass Ihr die gemacht habt!
Sehr gerne würden wir die Broschüre auch in den Che & Chandler-Katalog aufnehmen.

Frank Müller, Barcelona
Für die Übersendung der jüngsts erschienenen Dokumentation zur ständigen Ausstellung der Gedenkstätte möchte ich Ihnen herzlich danken und zugleich meine Anerkennung für die gelungene Art der Darstellung übermitteln. Auch wenn ich – wie Sie wissen – manche Passagen in ihrem historischen Urteil nicht teile, bin ich sicher, dass die Publikation nicht nur als Ausstellungsführer, sondern auch als Instrument der Annäherung und Auseinandersetzung mit Thälmann ein grosser Gewinn ist. Es ist zu wünschen, dass die Dokumentation dazu beiträgt, Ansehen und Gewicht der Gedenkstätte in dem ihr gebührenden  Maße zu stärken.
Wolfgang Gehrcke, Berlin,
Mit großer Freude habe ich eure Schrift “Ernst Thälmann und Kampfgefährten” gelesen. Ich finde sie inhaltlich wie gestalterisch ausgezeichnet, und sie wird uns allen in der Arbeit sehr nützen können. Insbesondere danke ich euch für die korrekte und gute Darstellung im biographischen Teil. Sie ermöglicht wirklich einen guten Überblick über die Arbeit und Entwicklung der Gedenkstätte.

Peter Rotfels, Erfurt
Eure im April 2000 herausgegebene Broschüre konnte ich zu Pfingsten lesen. So möchte ich den Herausgebern und der Redaktion für diese wider den Geschichtsrevisionismus von „links“  wie von rechts erschienene Informationsschrift für die Jungen wie die Alten, Kämpfern und Suchenden herzlich danken. Zu Eurer Broschüre möchte ich allerdings noch einige Gedanken aufwerfen. So steht für mich die Frage, ob das öffentliche Bekenntnis zu den  “Fehlern"  Thälmanns wie der KPD im Vorwort der Broschüre wie an anderen Stellen, den Besuchern der Gedenkstätte besser helfen wird, das heute Richtige zu tun? Werden die Leser dadurch bessere Schlußfolgerungen für die revolutionäre Arbeiterbewegung bzw. für ihr Mitwirken im heutigen Zukunftskampf finden?

"Ernst Thälmann und Kampfgefährten. Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text. Hrsg.: Kuratorium „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ e.V. Red.: Markus Gunkel, Ursel Hochmuth, Hans Rondi, Ewald Stiefvater, Hamburg 2000,
Diese Publikation dokumentiert analog einem Ausstellungskatalog die Exponate der nun schon  über drei Jahrzehnte bestehenden Hamburger Gedenkstätte Ernst Thälmann (GET), Diese Gedenkstätte ist untergebracht im Eckhaus Tarpenbekstraße 66 in Hamburg-Eppendorf, in jenem Gebäude, in dem die Familie Thälmann Ende der zwanziger Jahre eine Wohnung gemietet hatte. Die Gedenkstätte ist nicht nur ein Ort des Erinnerns an den Führer der KPD, sondern ein Ort der Wissensvermittlung über den antifaschistischen Widerstand und die Aktivisten der ersten Stunde in Hamburg.
Im Vorwort wird vor allem auf die Geschichte der Gedenkstätte eingegangen. Dem schließt sich eine „Kurzbiographie Ernst Thälmann“ von Hans Rondi an. Im Zentrum steht eine reich illustrierte, viele Bilder, Dokumente, Photos, Druckerzeugnisse, Sachzeugen und Tabellen präsentierende Vorstellung der Vitrinen und Tafeln der Ausstellung. Deren roten Faden bilden die wichtigsten Stationen im Leben Thälmanns, in denen sich zugleich Hauptereignisse der deutschen Geschichte und der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung spiegeln. Für die Jahre der faschistischen Diktatur und der Haft Thälmanns erweitert sich die Exposition zur einer Dokumentation über den antifaschistischen Widerstand in Hamburg. Die Veröffentlichung enthält darüber hinaus eine die Jahre 1969 bis 1999 umfassende Chronik der Gedenkstätte und Literaturhinweise, die Schriften von über Ernst Thälmann sowie Veröffentlichungen über die Hamburger Arbeiterbewegung, über Verfolgung, Widerstand und Neubeginn nach 1945 in Hamburg empfehlen. Sie schließt mit einem klaren - am 20. 1. 2000 abgegebenen - Bekenntnis des Kuratoriums der GET: „Die geschichtlichen Leistungen Ernst Thälmanns, sein Wirken für Freiheit und Gerechtigkeit, für eine Welt ohne Krieg, Faschismus und Ausbeutung, behalten ihre Gültigkeit auch im 21. Jahrhundert.“ Auch wer eine mit solcher Absolutheit getroffene Aussage nicht unterschreibt kann sich mit Gewinn dieser ansehnlichen Publikation der „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ bedienen.
Die Veröffentlichung kann bei der GET gegen eine Schutzgebühr von 7 DM bezogen werden.
Günter Benser"
Aus: Mitteilungen des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung Nummer 18. September 2000
 

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GRUNDGESETZ, ARTIKEL 139: NAZIORGANISATIONEN SIND VERBOTEN!

In diesem Sommer haben Neonazis verstärkt Aufmärsche in Wandsbek, in Bergedorf und in Altona durchgeführt. Die Nazis sind bemüht, in Hamburg Fuß zu fassen und die Straße für sich zu erobern. Naziaufmärsche mit rassistischen und den Nationalsozialismus verherrlichenden und mit völkischen Parolen sollen zum Alltag gehören. Mehrere dieser Zusammenrottungen sind von Innensenator Wrocklage nicht beanstandet worden. Andere, so der Aufmarsch vor dem Springerhaus, wurden trotz Verbot von den Gerichten erzwungen. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß fast immer, wenn die Polizei ein Verbot der Nazikundgebungen verfügt hat, die Gerichte diese Zusammenrottungen durchgesetzt haben. Das erinnert daran, daß das Justizwesen der einzige Berufsstand ist, der sich nach dem Krieg erfolgreich der Entnazifizierung widersetzt hat, obgleich ihm hunderttausende Justizmorde nachzuweisen waren.
Jetzt wird (endlich) die Forderung nach einem Verbot der NPD erhoben. Aber was ist mit den anderen faschistischen Parteien, wie DVU und Reps und den Organisationen, wie den “Kameradschaften”, die sich allerorts zusammengefunden haben? Wir Antifaschisten haben schon 1964, als sich die NPD gründete, ein Verbot gefordert. Es hätte die Gründung bereits polizeilich verhindert werden müssen auf der Grundlage des allgemeinen Faschismusverbots. Artikel 139 des Grundgesetzes lautet: “Die zur Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus erlassenen Rechtsvorschriften werden von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt.” Damit sind die entsprechenden Vorschriften der Siegermächte deutsches Recht geworden. Bekräftigt worden ist dies noch einmal in den 2 + 4- Verhandlungen, deren Ergebnis ja allgemein als Friedensvertrag gilt.
Von Beginn an war die NPD ein Sammelbecken auch für gewaltbereite Nazis. Der letzte NPD-Vorsitzende, Günther Deckert, sitzt zur Zeit eine Haftstraße wegen Völkerverhetzung ab. Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich die NPD verstärkt den “Kameradschaften” zugewandt und beteiligt sich an zahlreichen Heß-Aufmärschen. Mitglieder der NPD sind immer häufiger an gewalttätigen Überfällen beteiligt. So bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Döner-Bude in Eisenach, einem Überfall auf eine VVN-Gedenkfeier in Wuppertal und einem Überfall auf ein Asylwohnheim im niedersächsischem  Kutenholz-Aspe. Ein NPD-Verbot ist also dringend überfällig,  aber nicht ausreichend.

Bislang wurden bereits die Organisationen “Aktionsfront Nationaler Sozialisten”, “Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei” und “Nationale Liste” verboten. Die Anmelder der Nazimärsche in Hamburg in diesem Jahr, Thomas Wulff und Christian Worch, waren führende Mitglieder dieser Naziorganisationen.
Zum Aufmarsch am 3. September vor dem Verlagsgebäude der “Hamburger Morgenpost” hat Senator Wrocklage nicht einmal ein Verbot ausgesprochen, weil die Gerichte den Naziaufmarsch doch durchsetzen würden. Und nach seinen Aussagen zum aktuellen Verbots des “Hamburger Sturm” müsse man mit Naziaufmärschen leben. Antifaschisten können nicht damit leben und auch nicht damit, daß regelmäßig Tausende Polizisten gegen die Protestmärsche der Antifaschisten eingesetzt werden. Zu fragen ist auch, weshalb solche Organisationen nach dem Vereinsrecht verboten werden, was es  ihnen möglich macht, sofort einen neuen Verein zu gründen. Gegen die RAF und ihre Sympathisanten sind besondere Paragraphen ins Strafgesetzbuch gekommen. Wenn diese auch gegen rechts angewandt würden, würden Leute wie Wulff und Worch dingfest gemacht werden können.

Wir von der “Gedenkstätte Ernst  Thälmann” müssen in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, daß Thälmann schon 1922 - vielleicht als erster Politiker - auf die Gefahr des deutschen Faschismus aufmerksam gemacht hat. Vor der Hamburger Bürgerschaft sagte er im Dezember 1922: “... daß die faschistische Bewegung, die nationalsozialistische Bewegung, mehr und mehr an Boden gewinnt, und es ist erklärlich, daß durch den sozialen Schichtenbau, der sich verändert hat zur Vorkriegszeit, wir selbst Teile der Bourgeoisie haben, nämlich die man als Lumpenbourgeoisie bezeichnen kann, die durchaus für die faschistische Bewegung empfänglich sind.”
Hans Rondi
 

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Ein Jahrhundert im Visier der Verfolgungsbehörden
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Böswillige und demagogische Kampagnen gegen Vertreter der revolutionären Arbeiterbewegung gehörten im vergangenen Jahrhundert zur Tagespolitik in der bürgerlichen Welt.  Das ist bis heute auch so geblieben. Immer noch werden die Ideale der Arbeiterbewegung, die Alternative zum Kapitalismus,  denunziert, verächtlich gemacht und verdammt.
Mit Schärfe und Härte griff die Obrigkeit die kämpfende Arbeiterklasse an und nahm dabei besonders jene ins Visier, die schon in jungen Jahren durch besondere  Führungsqualitäten in Erscheinung traten. Am Beispiel des Lebensweges von Ernst Thälmann und seiner Kampfgefährten läßt sich das gut beweisen. Bereits im Jahre 1906 wurde der Kutscher Thälmann als junger Sozialdemokrat und aktiver Gewerkschafter observiert. Auszüge aus der Abteilung IV der Hamburger Polizeibehörde (Politische Polizei) dokumentieren sein Auftreten auf  Versammlungen seiner Gewerkschaft (Transportarbeiter) über berechtigte Lohnforderungen. Im Polizeidossiers steht: “Beteiligt sich an der Debatte betr.  Verhandlungen der Lohnkommission mit der Vereinigung der Möbeltransporteure”. An anderer Stelle heißt es im Spitzelbericht:” Jede Gewerkschaft” sagte er, “sorgt doch für Verkürzung der Arbeitszeit”. .Leicht ist es nicht, denn die Möbeltransportarbeiter sind schlecht organisiert.”.
Mit Sünden oder missververstandenen bürgerlichen Amts– und Rechtsstaatsverständnis sind diese Polizeimaßnahmen nicht zu erklären. Vielmehr sind sie ein augenfälliger Beweis dafür, daß die kapitalistische Repression nach dem Motto handelt: Führer der Arbeiterbewegung rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls ihre Potenzen auszuschalten, je nach Lage und Kräfteverhältnis.

Nach den Morden an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und vielen anderen Menschen aus den Reihen der Arbeiterbewegung, wurde Ernst Thälmann in der Weimarer Republik zu der tragenden Gestalt der kommunistischen Massenbewegung in Deutschland. Mit seinem Namen verbinden sich die frühe Warnung vor dem Faschismus (1922), das Sprengstoffattentat auf seine Hamburger Wohnung (1922), 6 Millionen Wählerstimmen für die KPD sowie Bemühungen um ein Aktionsbündnis (1932) von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen Faschismus und Krieg. Diese Zeit war begleitet von Verfolgung und Illegalität (1923-1924) und die Verhaftung durch die Nazis am 3. März 1933 in Berlin. Der Auftragsmord von Hitler und Himmler an ihn nach 11 jähriger Haft im August 1944 im KZ Buchenwald sollte das Symbol des antifaschistischen Widerstandes aus den Reihen der deutschen Arbeiterbewegung für immer auslöschen.

Aber es kam anders. Weg– und Kampfgefährten hatten Ernst Thälmann nie vergessen.  National und international gilt Ernst Thälmann bis heute als ein Symbol des deutschen antifaschistischen Widerstandes. In seinem Hamburger Wohnhaus erinnert seit nunmehr  über 30 Jahren  eine Gedenkstätte an das Wirken dieses Politikers und seiner Kampfgefährten. Es gibt viele Gründe, darauf stolz zu sein, daß  in seiner Heimatstadt durch ehrenamtliche Mitstreiter diese kleine Gedenkstätte unter großen Schwierigkeiten erhalten und gesichert werden konnte.

Doch die Hamburger Innenbehörde mit dem Verfassungsschutz sehen das anders  Im letzten Verfassungsschutzbericht 1999 wird die Öffentlichkeit “wachsam und wehrhaft” über “extremistische Bestrebungen” informiert und auf Seite 161/162 ausdrücklich auf die Gedenkstätte Ernst Thälmann hingewiesen. Es heißt dort: “Die 1969 zum Gedenken an den 1944 von der SS im KZ Buchenwald ermordeten KPD-Vorsitzenden eröffnete “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte” (Tarpenbekstraße) hat als Kultstätte eine weit über die DKP hinausreichende Bedeutung. Nach Angaben des Kuratoriumsvorsitzenden Johann Wienecke (DKP) haben seit der Eröffnung 170.000 Personen die Gedenkstätte besucht, darunter 322 Schulklassen. Die Gedenkstätte soll die “revolutionären” Traditionen der “deutschen Arbeiterbewegung” bewahren. Auch sie leidet unter der prekären Finanzsituation der DKP”.
Wie schon vor 100 Jahren die   Geheimdienste Ernst Thälmann und seine Mitstreiter im Auge hatten, so hat die Hamburger Innenbehörde wiederum (oder immer noch) Ernst Thälmann im Auge und zugleich jene, die heute die Ideale der Arbeiterbewegung hochhalten und ihre Überzeugungen nicht über Bord geworfen haben. Anstatt sich darüber zu freuen, daß ältere und viele  junge Bürger die Gedenkstätte besuchen - gerade auch wegen Zunahme neofaschistischer Aktivitäten - werden staatlicherseits  Warnmeldungen vor dem Betreten unserer Räume herausgegeben. Denn das ist die Botschaft des Berichtes und Sinn und Zweck seiner Veröffentlichung..
Wir stellen die Frage: Hat die Hamburger politische Führung aus der Geschichte nichts gelernt? Wir können es nicht glauben. Wie Kommunisten haben Sozialdemokraten und andere Antifaschisten  viele Opfer der faschistischen Terrorherrschaft zu beklagen. In Bild und Text haben wir das in unserer Gedenkstätte dokumentiert.
Wer sich an  diese Männer und Frauen aus der Arbeiterbewegung  orientiert und dabei Ernst Thälmann als Beispiel für Mut, Entschlossenheit und Konsequenz gegen Faschismus und Krieg vor Augen hat, gehört nicht an den Pranger. Er verdient im Gegenteil die Unterstützung von allen Friedfertigen und Demokraten.
Für Neofaschisten sind Juden, Kommunisten, alle Linken (wie bei Hitler) gemeingefährlich, die bekämpft und ausgeschaltet werden müssen. Wer  im blinden Antikommunismus die Kriminalisierung von Antifaschisten betreibt, demontiert den Rechtsstaat, öffnet Freiräume für Neofaschisten und sitzt plötzlich selbst im Boot der braunen Rattenfänger. Die Zeit mahnt und drängt zur Umkehr.
Ewald Stiefvater

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Buchvorstellung
Rudi Jürgensen:  Hermann Ivers und seine Genossen. Frauen und Männer aus Eckernförde im Widerstand. MOHLAND Verlag D. Peters Nachf., Dorfstr.9, 25862 Goldebek, Juli 2000, 117 Seiten DM 19.80, ISBN 3-932184-72-6
In mehreren Kapiteln und aus einer Kombination eigenem Erleben, aus Gesprächen mit  Zeitzeugen, Berichten und Dokumenten führt Rudi Jürgensen die Geschichte des Widerstandes aus Eckernförde und der Nachbargemeinde Borby zusammen. Es ist die Geschichte vom Kampf der Kommunisten und Sozialdemokraten gegen den Straßenterror der Nazis, den ersten Massenverhaftungen in der Stadt im April 1933 und dem illegalen Kampf der Gruppe um den Kommunisten Hermann Ivers. In Gedenken an die 40 Kämpfer dieser Gruppe ist dieses Buch entstanden.
Im vorliegenden Buch erfährt der Leser die Wahrheit. Die ersten Opfer der grausamen Nazi-Diktatur  sind Kommunisten und Sozialdemokraten. Im Februar und März 1933 wurden in Flensburg ein Reichsbanner und in Quickborn ein Jungkommunist von SA Schlägern ermordet. Auf ihr Konto geht auch der Mord an zwei Gewerkschafter in Eckernförde im Jahre 1932. Mit Massenverhaftungen im April 1933 nahmen die Faschisten Rache am guten Abschneiden von SPD und KPD bei den Wahlen am 5. März 1933. „Sozialdemokraten und Kommunisten fühlen sich wegen der Wahlergebnisse stark. Wir müssen diese Schmach lösen“, schrien sie.  In zwei Wellen wurden 80 Frauen und Männer in Eckernförde und Borby verhaftet, auf Lastwagen geladen und nach Schleswig in die Moltke-Kaserne verschleppt. Mit  willkürlichen Hausdurchsuchungen, Verhaftungen auf offener Straße und im Betrieb wurde der Terror fortgesetzt..
In der Haft waren sich Kommunisten und Sozialdemokraten weitgehend über die Notwendigkeit des gemeinsamen Widerstandes einig. Nur über das Wie gab es Meinungsunterschiede.
In einem Hafenamtsbüro im dänischen Sonderburg stand die illegale Druckerei der Partei. Eine dänische Genossin, die  dort als Reinmachefrau beschäftigt war, half den deutschen Genossen. Sie kaufte Druckpapier und sorgte für die Verpflegung. Zentnerweise wurden die illegalen Zeitungen und andere Druckschriften in Säcken (die zur Vorsicht mit Steinen als Ballast versehen waren) mit Fischkutter und Segelboot nach Eckernförde gebracht. Bis zum Weitertransport nach Hamburg, Kiel, Rendsburg und anderen Orten im Norden, waren sie zum Teil in der Wohnung von Hermann Ivers zwischengelagert. Manchmal war die Gestapo den Illegalen dicht auf der Spur. Aber sie wußte nicht, daß Hermann Ivers einen Vertrauten bei der Polizei hatte, der ihm rechtzeitig Mitteilungen über bevorstehende Polizeiaktionen machen konnte.
Im letzten Kapitel werden die Tage vor und nach Kriegsende beschrieben. Hier  beschreibt der Autor seine Erkenntnisse nach  Besuch von SPD und KPD Versammlungen. Hatte er verstanden? Seine Schlußfolgerung:  Eine gemeinsame Front  gegen Krieg und Faschismus sollte geschaffen werden.
Es fing auch gut an. Ein Sozialdemokrat wurde der erste Landrat in der Region und ein Kommunist wurde Bürgermeister bzw. Bürgervorsteher in Eckernförde. Aber diese Zeit dauerte nicht lange.. Unter dem Rauchvorhang  von Antikommunismus krochen die belasteten Altnazis wieder aus ihren Löchern und besetzten die entscheidenen Funktionen im Land. So konnte der ehemalige Nazibürgermeister von Eckernförde, Helmut Lemke, von 1962 bis 1971 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein werden und danach bis 1983 Landtagspräsident sein.
In einem bemerkenswerten Vorwort bewertet der SPD-Politiker Dr. Jürgen Anbuhl die Leistungen des Widerstandes, die in Eckernförde durch die Benennung von Straßen mit den Namen von Widerstandskämpfern gewürdigt werden. „Das Buch von Rudi Jürgensen mag uns Hilfe und Ermutigung sein, dem wiederbelebten Rechtsradikalismus zu widerstehen, solidarisch und tolerant miteinander zu leben,...“
E. Stiefvater

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Aus unserer Geschichtswerkstatt
Auskunft für einen britischen Historiker
Auf Vorschlag des Archivs der Arbeiterbewegung in Kopenhagen wandte sich aus Dänemark Dr. S.R. Parsons mit der Bitte um Hilfe an uns. Er möchte seinem Freund, Walter Kendall, einem britischen Historiker, der z. Zt. mit Forschungen über den Tod von Ernst Thälmann im August 1944 befasst ist, behilflich sein. Dieser möchte gern genau wissen „wann und wie die Nationalsozialisten Thälmanns Tod veröffentlichten.“ Wir konnten mit folgender Auskunft behilflich sein:

1.Die Nachrichtenagentur DNB (Deutsches Nachrichtenbüro) verbreitete am 14. September 1944 eine Meldung folgenden Wortlauts: „Bei einem Terrorangriff auf die Umgebung Weimars am 28. August wurde auch das Konzentrationslager Buchenwald von zahlreichen Sprengbomben getroffen. Unter dem ums Leben gekommenen Häftlingen befinden sich unter anderen die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Breitscheid und Thälmann.“
Diese Nazimeldung war am Tag darauf als Lüge entlarvt worden. Der Londoner Rundfunk berichtete über eine Erklärung des britischen Luftfahrtministeriums welches richtiggestellt hatte:
„An dem fraglichen Tag (28. August 1944 J.W.) war kein Flugzeug in der Nähe des Konzentrationslagers Buchenwald. In diesem Raum wurde keine -Bombe geworfen.“ Ein Bombenangriff im Raum Weimar war nicht - wie die Nazis gemeldet hatten - am 28.. sondern am 24. August erfolgt. Dieser richtete sich nicht gegen das Konzentrationslager Buchenwald, sondern gegen die Produktionsanlagen der Gustloffwerke, einen Rüstungsbetrieb im Umfeld des KZ Buchenwald. Dabei war der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, Rudolf Breitscheid ums Leben gekommen. Er war außerhalb der Stacheldrahtumzäunung des KZ Buchenwald - ohne Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen - mit seiner Frau von der SS in einer Baracke gefangen gehalten.1)

2. Ernst Thälmann war niemals Häftling im KZ Buchenwald.  Bis er dort von der SS ermordet wurde war er seit dem 3. März 1933 insgesamt 11 1/2 Jahre in verschiedenen  Haftanstalten zuletzt in Bautzen eingesperrt.  Am 14. August 1944 beriet der Reichsführer der SS  Heinrich Himmler mit Adolf Hitler unter anderem auch  über das Schicksal Ernst Thälmanns. Ein Notizzettel  von dieser Beratung zeigt neben dem Namen Ernst Thälmann den Vermerk: „ist zu exekutieren“  (Den vollständigen Notizzettel, den sie beim Einmarsch  in Deutschland gefunden hatten, übergaben die USA im Jahre  1967 dem Archiv der Bundesrepublik Deutschland in Koblenz. Das Dokument ist bei uns in der GET ausgestellt)  Drei Tage darauf, in der Nacht vom 17. zum 18.August  1944 ist Ernst Thälmann im KZ Buchenwald von einem  SS - Kommando ermordet worden.  Dafür gibt es gerichtsbekannte Zeugen:
2.1 “Im April 1947 gab im Internierungslager Dachau, wo das US-Militärgericht tagte, der  ehemalige polnische Häftling Marian Zgoda, der im Krematorium des KZ beschäftigt war, zu Protokoll: Am 17. August 1944 war dem SS-Oberscharführer Warnstedt telefonisch die Anweisung übermittelt worden, die Verbrennungsöfen anheizen zu lassen. Trotz Verbots versteckte sich Zgoda hinter einem Schlackehaufen, um zu erfahren, was die ungewöhnlichen Vorbereitungen der SS bedeuteten. Gegen Mitternacht kamen acht SS-Leute ins Krematorium, die Zgoda alle namentlich nennt, darunter Stabsscharführer Wolfgang Otto, Angehöriger des „Kommando 99“ genannten ständigen Exekutionskommandos, und Oberscharführer Werner Berger. Etwa zehn Minuten später wurde ein breitschultriger Zivilist in einem Auto in den Vorhof des Krematoriums gefahren; Zgoda fiel besonders auf, daß dieser Mann keine Haare hatte. Im selben Augenblick, da der Gefangene die Türe passiert hatte, wurde er durch drei Schüsse von hinten niedergestreckt, anschließend wurde er durch einen vierten Schuß endgültig getötet.

Als die Mörder das Krematorium verließen, hörte Zgoda den Rapportführer Hofschulte zu Otto sagen: „Weißt du, wer das war?“ Darauf Otto: „Das war der Kommunistenführer Thälmann.“ Dieses Aussageprotokoll Zgodas wurde u.a. in der „Rhein- Neckar-Zeitung“ am 26. April 1947 veröffentlicht. Auf die Aussage Zgodas hin erfolgte - nichts.” 2)

2.2 “Dann gab es noch den Zeugen Zbigniew -Fuchs, der aus Polen anreiste und In höchst eindrucksvoller Weise über seine Erlebnisse In der Mordnacht berichtete. Er hatte, ebenso wie Zgoda, zu dem Leichenträgerkommando gehört, das am Abend des 17. August 1944 In der Unterkunft neben dem Krematorium eingeschlossen worden war, damit es für die „Sonderaktion“, die Ermordung Thälmanns, keine Zeugen gab.
Er schilderte die Vorbereitungen der SS für die Sonderaktion und die akustischen Wahrnehmungen während der Nacht, aus denen zu entnehmen war, daß ein Mensch aus einem Auto gebracht und im Eingang des Krematoriums erschossen und anschließend verbrannt wurde. Er berichtete weiter von den Ereignissen am folgenden Morgen, als die Mitglieder des Leichenträgerkommandos die Asche der verbrannten Leiche aus dem Ofen holen mußten und von dem Kapo Müller erfuhren, daß es sich um Thälmann gehandelt hatte. Fuchs zeigte dem Gericht bei einem Ortstermin In Buchenwald auch die Stellen an der Wand, wo die Kugeln eingeschlagen waren, die Thälmann getötet hatten.
Wir alle, die wir an dem Ortstermin In Buchenwald teilgenommen haben, sind tief beeindruckt zurückgekommen. Vielleicht waren wir die letzten, die von einem Augenzeugen der grauenvollen SS-Verbrechen einen Bericht an Ort und Stelle erhielten, der so konkrete Einzelheiten enthielt."3)

3. In der Moskauer Zeitung „Prawda“ erschien am 17. September 1944 ein von führenden deutschen Kommunisten unterzeichneter Artikel. Darin heißt es u.a.: "Den faschistischen Gangstern werden wir die Ermordung des Führers der Kommunistischen Partei Deutschlands nicht vergessen! Uns, alle, die deutschen Antifaschisten, ruft der Tod Ernst Thälmanns nochmals nachdrücklichst zum Kampf, zum schonungslosen  Kampf für die schnellste Vernichtung des Feindes  der ganzen Menschheit und des deutschen Volkes des Hitlerfaschismus.“ 4)

Quellen:
1). Peter Przybylski Mordsache Thälmann Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik Berlin 1986
2). E. Carlebach, W. Schmidt, U. Schneider Buchenwald ein Konzentrationslager Berichte - Bilder – Dokumente
2000 Pahl -Rugenstein Verlag Nachfolger GmbH  Bonn
3). Aus dem Plädoyer Vorwort von Rechtsanwalt Hannover in den Thälmann - Mordprozessen von Krefeld und Düsseldorf (1985 - 1988) Er vertrat die Nebenklägerin Irma Gabel-Thälmann, Tochter von Ernst Thälmann Röderberg im Pahl - Rugenstein- Verlag 1989
4). Günter Hortzschansky: Ernst Thälmann Leipzig 1976

Nachtrag:
Nachdem er unsere Auskunft erhalten hatte, schrieb uns Dr. S. R. Parsons:
„Ich danke Ihnen sehr für die sehr gründliche Antwort auf meine Bitte um Hilfe. Ich habe Ihre Auskünfte ins Englische übersetzt und an meinen Freund, Walter Kendall, geschickt.
Nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe.
17.09 2000 Steve Parsons
J.W.

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AUSCHWITZ  DARF NIEMALS IN VERGESSENHEIT GERATEN
Zum Befreiungstag des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 2001 werden die Bezirksversammlung Hamburg - Nord und die Gedenkstätten im Bezirk wie in diesem Jahr wieder Veranstaltungen zum gemeinsamen Erinnern durchführen. Dazu wird bis Anfang Januar 2001 ein Flugblatt der Bezirksversammlung mit dem Veranstaltungsprogramm veröffentlicht. Der Beitrag unserer Gedenkstätte Ernst Thälmann zum Veranstaltungsprogramm wird in der Vorführung von Filmen bestehen, die sich mit Antisemitismus und Rassismus auseinandersetzen.
Hier unser Filmprogramm:
M o n t a g, 22. Januar 2001 Beginn: 19 Uhr
Affäre Blum
Spielfilm DDR 1948
Produktion: DEFA
Regie: Erich Engel
M i t t w o c h, 24. Januar 2001 Beginn: 19 Uhr
Ehe im Schatten
 Spielfilm DDR 1947 Produktion DEFA Buch und Regie: Kurt Maetzig
D o n n e r s t a g, 25. Januar 2001 Beginn: 15 Uhr
1. Film: Europa unterm Hakenkreuz
Film von Roman Brodmann 1982
2. Film: Esther Bejarano und das Mädchenorchester von Auschwitz
Film von Christel Priemer 1992
Die Filme werden im Großbild im Ausstellungsraum der Gedenkstätte Ernst Thälmann vorgeführt. Eintritt frei. Spenden erwünscht
J. W.

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Aus unserem Gästebuch
Eintragungen seit Februar 2000
Die Klasse 10 g der Wichern - Schule besuchte mit großem Interesse die Ausstellung und wir hoffen, dass sie der Menschheit lange erhalten bleibt.
Wir sind sehr beeindruckt von dem hohen Informationsgehalt und der interessanten Führung und wünschen weiterhin viel Erfolg.  Antifa Besuchergruppe aus Berlin
Es ist gut, dass auch heutzutage noch an die schwere NS-Zeit erinnert wird. Hoffentlich werden noch viele junge Menschen hier so fundiert informiert. Wir wünschen viel Kraft und Ausdauer. Gymnasium Trittau und Deutsches Gymnasium in Tallin
Wir bedanken uns für die informative und lebendige Führung und wir wollen in Zukunft auch unseren Beitrag leisten, diese wertvolle Arbeit zu unterstützen.  SDAJ Hamburg und aus Hessen
Die Gedenkstätte Ernst Thälmann bestärkt uns in der Erkenntnis, dass die Erfahrungen der revolutionären Arbeiterbewegung Ideen und Kraftquell sind den Kampf für Frieden und demokratische Verhältnisse heute und morgen zu führen.  Mitglieder des revolutionären Freundschaftsbundes e.V. Dresden
Vielen Dank und weiteren Erfolg im Kampf gegen Rassismus und Extremismus. Dass es in Deutschland auch Antinazi gab, was im Ausland wenig bekannt ist, werde ich weitererzählen.  Giuseppe Spellius , Italien
Wir sind tief beeindruckt und freuen uns, dass Thälmann noch lebt. Er steht wider das Vergessen.  Gäste des Ferienheimes „Heideruh“
Wir wünschen der Gedenkstätte einen regen Zulauf. Den Kampf, den wir heute führen, ist ohne die Erfahrungen von gestern ungleich schwerer.  Verena und Rudi Kleinmaier, Basel(Schweiz)
Vielen Dank für die nette Begrüßung und sehr interessante Erklärung und Führung. Wir hoffen, dass diese Stätte noch lange erhalten bleibt.  Klassen 9 a und 9 b des Wilhelm-Gymnasiums
Wir bedanken uns bei der Thälmann-Gedenkstätte. dass wir für unsere Freundinnen und Freunde 2 Filme vorführen durften. Wir wünschen der Gedenkstätte alles Gute für die Zukunft. Wir haben auch vor, zum nächsten 27. Januar, der Befreiung von Auschwitz, zu Ihren Filmvorführungen zu kommen. Nochmal vielen Dank sagt   Esther Bejarano. Vorsitzende des Auschwitzkomitees in der Bundesrepublik  Deutschland e. V.
Im Rahmen der Alternativen Stadtrundfahrt waren wir mit einer Gruppe von 15 Jugendlichen und Erwachsenen hier. Beeindruckend war u.a. die Darstellung, der Vervielfältigung von Flugblättern.  Vielen Dank an die Mitarbeiter der Gedenkstätte   B. Arlt (Landesjugendring  Hamburg)
Ein sehr interessanter Teil aus der Geschichte Hamburgs. Darf auf keinen Fall vergessen werden.  Steffen aus Leipzig
Ich bin tief beeindruckt von der Vielfalt der geschichtlichen Dokumente.  H. Engelbert 1, Berlin
Ernst Thälmann, Fiete Schulze, Etkar André, John Schehr- wer kann sie vergessen? Und all die anderen Genossinen und Genossen. Eine Verpflichtung für uns. Wer sagt es der Jugend? Vielen Dank für Eure Arbeit!  Niels Clasen, Betriebsratsvorsitzender, Leinfelden
Ein wichtiger Besuch in einer bedeutungsvollen Gedenkstätte. Viel Erfolg für die weitere Arbeit wünschen die Kolleginnen und Kollegen der IG Metall Verwaltungsstelle Salzgitter
Ich bin Deutsch- Lehrer in Frankreich und stehe einer linken Organisation nahe und gehöre auch der Gewerkschaft an. Ich wünsche Euch, liebe deutsche Genossen, alles Gute. Oliver Brard, Nantes , Frankreich
Heute war ein ungewöhnlicher Tag denn ich habe etwas mehr über die Geschichte dieses schönen und mutigen Landes gelernt. Ich bin beeindruckt und darüber zufrieden, Euch kennengelernt zu haben mit Euren Autobiografien und etwas über das Leben von Ernst Thälmann gelernt zu haben. Ich wünsche Euch Erfolg in der Arbeit für kommende Generationen, damit sie den Kampf weiterführen. Dr. Julia Villaunnutia Mojena, Mantanzas, Kuba
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Mahnung von  Ziegenhals verpflichtet!
In einem 2 seitigen Artikel des Freundeskreises Gedenkstätte Ernst Thälmann in Ziegenhals setzt sich der Autor und Vorsitzende des Freundeskreises, Heinz Schmidt kritisch mit einem Aufsatz des Historikers Dr. Sassning in "UTOPIE kreativ" 115/116 auseinander. Interessenten können den Artikel von Heinz Schmidt: "Der Mahnung von Ziegenhals verpflichtet!" auf Anfrage in unserer Gedenkstätte erhalten.
Wir bitten um Beachtung:
Unserem Rundbrief liegt ein Brief des Freundeskreises Ziegenhals bei, der um Unterstützung seiner Gedenkstättenarbeit bittet.

Neujahrsgruß
Alles Gute für 2001 wünschen wir den Spenderinnen und Spendern, allen Freunden und Mitarbeitern unserer Gedenkstätte und danken ihnen für ihre Solidarität.
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Zu welchen Bereichen  wir sammeln und  Auskunft geben
- Ernst Thälmann in seiner Zeit und in unserer Zeit
- Arbeiterbewegung, insbesonders kommunistische (Ereignisse, Organisationen, Personen und Personengruppen)
- antifaschistischer Widerstand/antifaschistische,     antimilitaristische und Friedens-Bewegung
unter besonderer Berücksichtigung von Ergeignissen im Raum Hamburg
Wir bitten die Benutzer, Fragen an die Bibliothek und Archiv unter Angabe des Themas rechtzeitig schriftlich (formlos) - z.Zt. etwa 2 Wochen vor Besuch der GET - zu übermitteln und Hinweise im Impressum zu beachten.
Im voraus dankt ein ausschließlich ehrenamtlich arbeitendes Team.

Gesucht: ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Wir wollen die Arbeit in der GeDenkstätte Ernst Thälmann  auf mehrere Schultern verteilen und weiter ausbauen. Dazu brauchen wir neue MitarbeiterInnen. Alle Freunde und Genossen, die etwas Zeit und Interesse haben, an einer interessanten und spannenden Arbeit in und für die GeDenkstätte, sind eingeladen  mit anzupacken.
(Filmvorführungen, Gedenkstättendienste, Veranstaltungsvorbereitung, Handwerkerdienste, Öffentlichkeitsarbeit, Internet, usw.)
Interessenten  bitte melden: Tel.:040/ 47 41 84

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Ernst Thälmann über die Antifaschistische Aktion
Am 8. Juli 1932 trafen sich am Sitz der KPD im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin 20 Sozialdemokraten aus verschiedenen Bezirken - meist langjährige Funktionäre der SPD, der freien Gewerkschaften und des Reichsbanners - mit Ernst Thälmann zu einer Unterredung. Das Gespräch dauerte fünf Stunden. Von den Sozialdemokraten wurden insgesamt 22 Fragen gestellt.

Am 8. Juli 1932 trafen sich am Sitz der KPD im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin 20 Sozialdemokraten aus verschiedenen Bezirken - meist langjährige Funktionäre der SPD, der freien Gewerkschaften und des Reichsbanners - mit Ernst Thälmann zu einer Unterredung. Das Gespräch dauerte fünf Stunden. Von den Sozialdemokraten wurden insgesamt 22 Fragen gestellt.

Die dritte Frage, sie enthielt ein ganzes Fragenbündel, lautete: „Meint die KPD die Einheitsfront ehrlich? Wie verteidigt die KPD die Freiheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus? - Wie denkt sich die KPD die politische Linie und die Organisierung der Antifaschistischen Aktion? Ist die Antifaschistische Aktion ein kommunistischer Parteiladen? Können SPD - Arbeiter, Reichsbanner- und Gewerkschaftsmitglieder, die an der Antifaschistischen Aktion teilnehmen, Mitglieder der SPD bleiben? -Sieht der Genosse Thälmann in dem Bestreben der SPD - Arbeiter, eine Einheitsfront zu bilden, den ersten Schritt zur Zerschlagung der SPD, oder sieht er nur den rückhaltslosen Einheitswillen der Arbeiter, den Einfluss des Faschismus zu brechen?“

Ernst Thälmann antwortete: „Ob wir die antifaschistische Einheitsfront ehrlich meinen? Täglich mordet die braune Pest unsere Genossen, schlägt unsere besten Kämpfer nieder, unternimmt provokatorische Angriffe auf unsere Parteihäuser, in den Gefängnissen schmachten Tausende unserer Genossen, die den wehrhaften Kampf gegen das faschistische Verbrechertum führten. Das Hitlersche Offiziers- und Prinzenpack hat erklärt, das es die kommunistische Bewegung, das sind viele Millionen revolutionärer Männer und. Frauen ausrotten, hängen, köpfen und rädern will. Und angesichts dieser Tatsache, angesichts der drohenden Gefahr, daß aus Deutschland ein Land des Galgen und des Scheiterhaufens wird, sollten wir Kommunisten die antifaschistische „proletarische Einheitsfront nicht ehrlich meinen?“ Nein, erklärte Thälmann weiter, die Antifaschistische Aktion sei kein „kommunistischer Parteiladen“. „Sie ist ein überparteiliches Sammelbecken für alle zum rücksichtslosen Kampf gegen den Faschismus gewillten Arbeiter. Sie ist keine Organisation, sondern eine Massenbewegung. Sie ist der Strom, in dem all die kämpferischen Kräfte einmünden, die wirklich den Kampf, den Massenangriff gegen die jetzige Regierung, welche die unmittelbare Aufrichtung der faschistischen Diktatur betreibt, durchführen wollen.“

Meinungsverschiedenheiten in Fragen, die für den Kampf gegen den Faschismus zweitrangig sind, dürften nicht von der Hauptsache ablenken, unterschiedliche Mitgliedsbücher Kommunisten und Sozialdemokraten nicht trennen:
"Das brennende Problem, das allen Arbeitern heute gemeinsam auf den Nägeln brennt, ist: Wie kann die Aufrichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland verhindert werden? Wie kann verhindert werden, daß weiterer Lohn- und Unterstützungsabbau, weitere Notverordnungen, gesteigerte Unterdrückung, Knechtung, Zerschlagung der Arbeiterbewegung und der Arbeiterorganisationen durchgeführt werden?"
Zit. n. Ruth und Walter Wimmer: Kampf dem Faschismus  Frankfurt/ M. 1986

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www.thaelmann-gedenkstaette.de
unter dieser Internetadresse ist seit Juli 2000  ein virtueller Rundgang  durch die Gedenkstätte Ernst Thälmann   möglich.  Mit einem Mausklick kann sich der "Internetsurfer" durch die Ausstellung unserer Gedenkstätte mit ihren 33 Vitrinen und Tafeln steuern. Dazu gibt es für den Betrachter nützliche Erläuterungen, ebenfalls eine Chronik der Gedenkstätte ErnstThälmann, verschiedenen Reden und Aufsätze Thälmanns zum herunterladen, nützliche Links zu anderen Internetseiten z.B. der Gedenkstätte Ziegenhals, VVN-BdA, DKP, PDS, SDAJ und und und. Beabsichtigt ist die Rundbriefe von Nr. 1 bis zur neuesten Ausgabe ins Netz zu stellen. Erwünscht ist  die Meinung der Betrachter, entweder über einen Eintrag in unserem
Gästebuch oder einer email:
kuratorium@thaelmann-gedenkstaette.de
 

Für den Erhalt der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte spendeten seit 1969 viele Besucher und zahlreiche Freunde. Durch ihre finanzielle Solidarität konnte die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand wachgehalten und Geschichtsbewußtsein vermittelt werden. Bei den vielen Spendern möchte sich das Kuratorium "Gedenkstätte Ernst Thälmann" e.V. bedanken.
Zugleich hoffen wir auf die weitere finanzielle Solidarität.
Besonders dankbar sind wir für Geldspenden, die monatlich eingezahlt werden auf unsere
Konten:
Bank für Gemeinwirtschaft, Kto.-Nr. 1180328700 (BLZ 20010111)
Postscheck Hamburg 1337 37-204 (BLZ 200 100 20)
Spenden sind steuerabzugsfähig. Wir stellen dafür Bescheinigungen aus.
Für den Ausbau unserer Bibliothek und des Archivs sind wir für Nachlässe (Flugblätter, Zeitungen, Zeit-schriften, Broschüren, Fotos etc.) und Bücherspenden besonders dankbar.

Gedenkstätte Ernst Thälmann
Ernst-Thälmann-Platz
Tarpenbekstr. 66
2000 Hamburg 20
Tel. 040/47 41 84

Ausstellung-Bibliothek-Archiv
Öffnungszeiten:
Di - Fr. 10 - 17 Uhr
Sa. u. So. 10 - 13 Uhr

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