Rundbrief aus dem Thälmann-Haus
Nr. 37 (Dezember 2001)
 
Zur Diskussion über Krieg und Terror auf unser MV 2001: Krieg stoppen - Armut und Hunger abschaffen! | Neujahrsgruß |   ET Gedenkstätte in Ziegenhals: Thälmann-Büste in den See versenkt  | Zum Echo auf die Dimitroff-Tagebücher Aus Zuschriften  | Positionen und Perspektiven der Gedenkstätte Ernst Thälmann | Osthofen | Stammt die erste deutsche Thälmann-Briefmarke aus Ludwigslust  | Über den Besuch unserer Gedenkstätte von August 1999 bis August 2001Aus unserem Gästebuch | Neuwahl des Vorstandes Spendenaufruf  | Ernst Thälmann: Krieg dem imperialistischen Kriege! Aus einer Rede am 31. Oktober 1932 in Paris auf einer Kundgebung der Kommunistischen Partei Frankreichs

Zur Diskussion über Krieg und Terror auf unserer MV 2001
Krieg stoppen - Armut und Hunger abschaffen!

Das New Yorker Inferno ging voraus, der Bombenkrieg auf Afghanistan hatte begonnen, als unser Kuratorium im Oktober zu seiner Mitgliederversammlung zusammentrat. Die Anwesenden brachten den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl zum Ausdruck und erinnerten daran, dass die Arbeiterbewegung, deren Geschichte wir in unserer Gedenkstätte vermitteln, individuellen Terror  als ein ihrem Streben fremdes und jeder fortschrittlichen Zielsetzung schädliches Mittel entschieden ablehnt. Auch wir befinden uns durch veränderte äußere und innere Entwicklungen in einer neuen politischen Situation. Krieg und Frieden bleiben fundamentale Themen unserer Bildungsarbeit. Aber es reicht nicht aus zu vermitteln, was Krieg in der  Vergangenheit war, sondern vorrangig, was Krieg heute ist.

Zur vorgeblichen „Ausfindigmachung von Terroristen“ haben die USA in Afghanistan einen grausamen Krieg begonnen. Dieser Krieg wird nach den Worten von US-Präsident Bush „anders sein, als alle, die wir bisher gesehen haben ... (Er wird) eine Aufgabe sein, die niemals endet“ (Marxistische Blätter, 6/o1). US-Verteidigungsminister Rumsfeld zufolge ist die amerikanische Kriegsführung gerüstet, „Einsätze in jedem Winkel der Erde durchzuführen“ (Die Woche, 9.11.o1). Für einen solchen permanenten globalisierten Krieg hat der Bundestag am 16. November d.J. mit (zwei Stimmen) Mehrheit den Antrag der Koalitionsregierung beschlossen, 39oo Bundeswehrsoldaten für einen Afghanistan-Einsatz bereitzustellen. Damit werden deutsche Soldaten erstmals für einen Kampfeinsatz außerhalb des NATO-Bereichs vorbereitet. Parallel dazu ist die Einführung eines ganzen Systems zur weiteren rigorosen Aushebelung verfassungsmäßiger Grundrechte geplant. Vorgesehene Maßnahmen gehen weit über das hinaus, was es bisher schon an Demokratieabbau in der Bundesrepublik  gegeben hat.

In Zentralasien auf dem Gebiet von Turkmenistan sollen 25o Milliarden Barrel Öl liegen. Daraus resultiert „ein langfristiges Interesse der USA an möglichen Pipelines durch Afghanistan und Pakistan“ (Blätter f. dt. und internt. Politik,11/o1). Ein Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geht in der Zielsetzung sicherlich über die offiziell erklärte Absicht hinaus, den USA beizustehen. Seit 1992 gibt es eine verteidigungspolitische Richtlinie, wonach der Bundeswehr der Auftrag erteilt wird, den freien Welthandel und ungehinderten Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt aufrechtzuerhalten.

Terrorismus wird als die „neue Gefahr des 21. Jahrhunderts“ dargestellt. Tatsächlich gehört er nicht erst seit heute zu den gravierenden Erscheinungen der Geschichte. In der Folge zweier Anschläge auf Wilhelm I. erhielt die damals noch revolutionäre deutsche Sozialdemokratie 1878 ein zwölfjähriges Verbot. Anlass für den Ersten Weltkrieg waren 1914 die tödlichen Schüsse auf ein Mitglied des österreichischen Herrscherhauses in Sarajewo. Es blieb nicht bei Attentaten von Einzeltätern  und Gruppen. Nachdem der Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium eingetreten war, stützten sich seine globalen Aktivitäten  zunehmend auf den Einsatz staatlicher Gewalt. Das Deutsche Reich unter Wilhelm II. verübte bei der Okkupation fremder Territorium grausame Verfolgung an den Völkern Ost- und Südwest-Afrikas. Der deutsche Faschismus betrieb von Staats wegen systematisch organisierten Terror gegen die Arbeiterbewegung, gegen Juden, Sinti, Roma, gegen slawische und andere Völker. Das Vorgehen von US-Streitkräften gegenüber Afghanistan, davor gegen Vietnam und andere Länder verdeutlicht m.E. den von Georg Fülberth genannten Tatbestand: „Die Übermacht der US-amerikanischen Waffen ermöglicht es diesem Staat, sich über Völkerrecht hinwegzusetzen, und er macht von dieser Möglichkeit immer wieder Gebrauch. Das ist natürlich mehr als Hegemonie, nämlich Herrschaft und - zuweilen illegitime - Gewaltanwendung.“ (Konkret 11/o1)

Auch wir sind der Meinung, dass es für die Anwendung terroristischer Mittel einen Nährboden gibt. Dazu gehört die  Konzentration von Kapital und Macht in Händen von weltweit agierenden Konzernen. Die 15 mächtigsten von ihnen setzen mehr um, als die 6o ärmsten Länder zusammen erwirtschaften. Das führt zu Hunger, Armut, Erniedrigung und Ausweglosigkeit. Mehr als eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als einem Dollar über den Tag kommen. 8oo Millionen Menschen leiden an Hunger, 24 ooo, meist Kinder sterben täglich daran. Der Krieg verschlimmert diese unhaltbaren Zustände noch.

Die Mitglieder und Freunde unseres Kuratoriums sehen sich mit der demokratischen Weltöffentlichkeit, mit der Antikriegs- und Friedensbewegung, mit Gewerkschaften und Kirchenkreisen in der Bundesrepublik darin einig: Der Krieg gegen Afghanistan muss sofort beendet werden! Das von unserer Mitgliederversammlung verabschiedete Dokument „Positionen und Perspektiven der Gedenkstätte Ernst Thälmann“ ist in diesem Rundbrief veröffentlicht. Darin wird dargelegt, dass das Eintreten für Frieden und gegen Militarismus ein Kernpunkt unserer Gedenkstättenarbeit bleiben wird.                                                    Jan Wienecke
 

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Neujahrsgruß
Alles Gute für 2001 wünschen wir allen Spenderinnen und Spendern, Freunden und Mitarbeitern unserer Gedenkstätte und danken ihnen für ihre Solidarität. Kuratorium GET
 

ET-Gedenktsätte Ziegenhals  Thälmann-Büste in den See versenkt

Am Sonnabend, dem 29. September 2001 erfuhr der Vorsitzende des Freundeskreises “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e. V., dass die Thälmann-Büste des Bildhauers Werner Richter, die Hauptbestandteil des Thälmann-Denkmals auf dem Grundstück der Treuhandliegenschaft (TLG), dem zur Zeit geschlossenen “Sporthaus Ziegenhals“ ist, entwendet wurde.
Er erstattete sofort Anzeige wegen Diebstahls und Denkmalschändung und informierte umgehend die  zuständigen  Stellen, die verantwortlich für die Sicherheit der auf der Landesdenkmalliste registrierten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals sind. Die Büste wurde für dieses Denkmal geschaffen und ist unersetzbar. Mitglieder des Freundeskreises entdeckten   am 1. Oktober am Ufer des an das “Sporthaus Ziegenhals“ grenzenden Krossinsees die versenkte Büste. Mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr wurde diese mit viel Mühe an Land und in Sicherheit gebracht, so dass sie demnächst wieder ihren Platz einnehmen wird und die Besucher “Teddy“, wie viele Thälmann liebevoll nennen, so wiedersehen, wie sie ihn in bester Erinnerung haben, mit der unverwechselbaren Mütze und dem RFB-Hemd.
Hier im “Sporthaus Ziegenhals“ sprach Thälmann eine Woche nach Hitlers Machtantritt zu seinen engsten Kampfgefährten. Seine Rede war von großer Bedeutung für den antifaschistischen Widerstand.  Die Büste wurde gefunden, die Diebe und Denkmalschänder noch nicht. Die Suche nach ihnen muss weitergehen. Die Täter und die eventuellen Auftraggeber  müssen gefasst, ihre Motive ergründet und offen dargelegt werden. Solche anti-antifaschistischen Kräfte, die Denkmäler  wie dieses schänden, das an den international zum Symbol des Kampfes gegen Faschismus und Krieg gewordenen Vorsitzenden der KPD erinnert, dürfen nicht länger ihr Unwesen treiben.
Vom Eigentümer TLG, dem Landrat, dem Amt für Denkmalschutz und von der Landesregierung Brandenburg fordern wir, dass sie die ihnen obliegenden Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte vervollkommnen. Solche Anschläge müssen verhindert werden und auf die Täter zurückprallen, sie sind eine Schande für das ganze Land. Der parteiunabhängige Freundeskreis “Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e. V. wendet sich an alle Antifaschisten, gleich welcher Konfession oder Weltanschauung: Setzt euch ein für den Erhalt und die Sicherheit aller Mahnstätten gegen Faschismus und Krieg. Besucht und unterstützt im ureigensten Interesse die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals. Kommt zu den traditionellen Kundgebungen nach Ziegenhals.
Die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte kann zu jeder Zeit, nach Anmeldung unter Tel. 03375/290637, möglichst vier Tage vorher, besichtigt werden.
Freundeskreis Ernst-ThälmannGedenkstätte e.V.
 

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Zum Echo auf die Dimitroff-Tagebücher

Eine interessante Gesprächsrunde über Georgi Dimitroffs Tagebücher  gab es im Juni auf dem UZ-Pressefest der      DKP in Dortmund, wo der Vorsitzende unseres Kuratoriums Jan Wienecke und das Mitglied der Geschichtskommission der DKP, Günter Judick mit dem Herausgeber der  Dimitroff-Tagebücher Bernhard H. Bayerlein zusammen trafen. Während  Wienecke den Schwerpunkt   auf die Verdienste Georgi Dimitroffs bei der Kampagne zur Befreiung Ernst Thälmanns legte (er erinnerte u.a. an den  Appell des Generalsekretärs der kommunistischen Internationale an die Weltöffentlichkeit vom Mai 1934), sah Bernhard H. Bayerlein  die Haltung  Dimitroffs während seiner Moskauer Zeit mehr im Schatten von Stalin. Gemessen an der Präsentation des Buches im Frühjahr diesen Jahres  im Willi-Brandt-Haus Berlin, wo die Buchvorstellung gemeinsam mit Wolfgang Leonhard und Hermann Weber  - nach Einschätzung von  Dr. Kurt Gossweiler - mehr an eine ”antikommunistische Show” erinnerte, war das Auftreten des Herausgebers auf dem Fest der kommunistischen Presse in Dortmund diesmal  eher moderat, vielleicht aus  Rücksicht auf  das Publikum.
Obwohl die Tagebuch- Aufzeichnungen  seinen Verfasser nicht in Misskredit bringen können, ,wird fleißig an der Legende  gestrickt, er sei nichts als ein ”Buchhalter der Weltrevolution” gewesen, der ”ausgedient” habe, ebenso wie seine ”formelhafte Faschismusdefinition obsolet geworden” sei ( Reinhard Müller in:”Die Zeit”). Das wird mit erhobenem Zeigefinger über einen Mann gesagt, der im Reichstagsbrand-Prozeß im November 1933 dem faschistischen Ministerpräsidenten  Göring offensiv entgegentrat und ihn vor der Öffentlichkeit lächerlich machte. Dimitroff ging zu Recht als Held  von Leipzig  in die Geschichte ein.
Die heute  Herrschenden haben andere  Helden im Auge. Die verhängnisvolle Rolle des deutschen Finanzkapitals bei der Etablierung  des Faschismus  und der Inszenierung des zweiten Weltkrieges wird einfach ausgeklammert oder als veralteter Lehrsatz marxistischer Historiker in die Ecke gestellt.
Auch andere Zeitungen und Zeitschriften beschäftigten sich mehr oder weniger ausführlich mit den Tagebüchern. Die ”Frankfurter Allgemeine  Zeitung” erwähnt die herausragende  Rolle Dimitroffs als einer der Hauptangeklagten im Reichstagsbrand-Prozess  in Leipzig, unterstellt ihm jedoch das "Verschweigen" bestimmter Zeitabschnitte in den Tagebüchern. Die Zeitung fragt, ob Dimitroff  ”fähig oder überhaupt bereit war... innerlich auf Distanz (zum System) zu gehen?”  Die Tagebücher lassen ”davon nichts erkennen”.
Nur FAZ-Redakteure können davon träumen, dass  der Generalsekretär der Komintern  den Gedanken gehabt hätte, sich  vom ersten Arbeiter- und Bauernstaat in der Welt zu distanzieren.  Er hätte ”stets vor dem mißtrauischen Stalin auf der Hut sein...”müssen, heißt es im Blatt weiter. Das  trifft  nur bedingt zu. Im Jahre  1936 konnte Dimitroff  sich im Meinungsstreit  “gegen das Votum  Stalins” (“Konkret”) bei der Aufstellung der Internationalen Brigaden im spanischen Befreiungskampf durchsetzen. Dimitroffs leidenschaftliche Anteilnahme am Schicksal Thälmanns, sein Drängen auf dessen Freikämpfung aus faschistischer Haft, sein berühmter Nachruf auf den ermordeten Arbeiterführer zeigt ihn so, wie wir ihn immer kannten, Dimitroff als einen  proletarischen Internationalisten.
Demgegenüber steht  Stalins ablehnende Haltung gegen die Freilassungs-Kampagne 1941 anläßlich Thälmanns 55. Geburtstag. Abgesehen davon, dass dieses Tagebuch nicht den ganzen Stalin zeigen kann, sind sein  Urteil über den ”nützlichen” Gefangenen Thälmann in faschistischer Haft  und seine abfälligen Bemerkungen über Thälmanns politisch-ideologische Standfestigkeit und  dessen theoretische Fähigkeiten, inakzeptabel. Ausfälle dieser Art finden sich bei  Dimitroff nicht.
In seinem Beitrag im ”Neuen Deutschland” öffnet  Klaus Kinner  Raum für Spekulationen über Dimitroff, wenn er  fragt, ob es den Generalsekretär der Kommintern entlaste,  wenn in dessen Aufzeichnungen ”der Lockruf” fehle, Münzenberg von Frankreich nach Moskau zu holen, wie es Stalin gefordert hatte.  ” Hatte er gar daran Anteil? Wir wissen es nicht. Das Tagebuch schweigt,”  schreibt Kinner. Soll diese  Passage  dem Leser  suggerieren: Hier Stalin und dort Dimitroff als sein jederzeit treuester Gefolgsmann?  Von  Kinner wundert uns diese Leichtigkeit im Umgang mit kommunistischen Persönlichkeiten eigentlich nicht. Schon bei seinem Vortrag 1995 in unserer Gedenkstätte hatte er die Wahl  Thälmanns zum Vorsitzenden der KPD als eine ”verhängnisvolle Entscheidung” für die kommunistische Bewegung bezeichnet. Diese Negativbewertung wendet er offenbar auch auf  Dimitroff  an, in dem er den Repräsentanten der Komintern als Mitschuldigen ”an den Verbrechen des stalinistischen Regimes” verdächtigt.
Mir scheint überhaupt, gewendete Historiker sind bei der Herabwürdigung von Kommunisten schnell bei der Hand.                                                                                                                             Ewald Stiefvater

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Aus Zuschriften

"Rundbrief" ins Archiv eingestellt
Mr Prof. em. Dr. sc. med. Ernst Springer, Großpösna, 17.6.o1. Liebe Genossinnen, liebe Genossen, vielen Dank für den Rundbrief Nr.36/Juni 2oo1. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen. Wir stellen ihn in unser Archiv des Bundes der Antifaschisten ein. Anbei eine Spende. Mit herzlichen Grüßen Ernst Springer

Neuen Spender gefunden
Lauenburg, 18.6.o1. Liebe Freunde, seit geraumer Zeit spende ich der Thälmann-Gedenkstätte Hamburg monatlich zehn D Mark. Jetzt konnte ich einen langjährigen Freund überzeugen, ebenfalls einen monatlichen Beitrag zu spenden. Solidarische Grüsse Paul H. Sukowski

Auswertung inkonsequent
Berlin, 20. 6. 2001. Einerseits ist es begrüßenswert, wenn im Kopfbeitrag von Jan Wienecke auch im Thälmann-Haus Hamburg neue Quellen zum Umgang mit Ernst Thälmann in der NS-Haft anhand von Tagebuchnotizen von G. Dimitroff zur Kenntnis genommen werden. Andererseits erfolgt die Auswertung sehr inkonsequent. Inhaltliche Schlüsse werden kaum gezogen, um Tabus und Klischees am alten Thälmann-Bild endgültig zu überwinden. Befremdend ist, dass beispielsweise Publikationen von mir ignoriert werden, zudem dort erstmalig besagte Dimitroff-Notizen umfassend ausgewertet worden sind. (Vgl. u.a. „Geschichte im Visier des MfS der DDR“. Helle Panke, Heft 65, Berlin 2ooo, S.26 ff.) Insofern besitzt der Artikel von Jan Wienecke keinen Neuwert, zumal die entscheidende Erkenntnis fehlt, dass Thälmann durch die sowjetische Führung und andere endgültig im NS-Kerker fallengelassen worden ist, was nunmehr auch durch die Dimitroff-Passagen klipp und klar bestätigt wird.             Dr.sc.Ronald Sassning

Solidarität mit Thälmann in USA
Berlin, 15.Juli 0l: Liebe Freundinnen und Freunde. Anbei der Artikel aus konkret über dieses ergreifende Beispiel von Solidarität mit Ernst Thälmann.*) Ich habe mir die „Enzyclopädie der Amerikanischen Linken“ sofort gekauft. Das Buch kann ich wärmstens empfehlen, da es deutlich macht, wie falsch die krassen Antiamerikanismen in unserer Linken sind. Ganz herzliche Grüsse und nochmals Danke für die Zeit bei Euch in der Gedenkstätte-            Helga Schmidt
*)“Lobet Gott für Lenin“
Nach der Verhaftung Ernst Thälmanns in Nazideutschland verteilten Mitglieder der schwarzen Kleinpächter-Vereinigung Share Croppers Union (SCU) im Osten Alabamas Flugblätter, in denen sie die Freilassung des KPD-Vorsitzenden forderten. Da die große Mehrheit der bitterarmen Landbevölkerung des Lesens und Schreibens unkundig war, wurden die Handzettel im Familienkreis vorgelesen und heimlich an Freunde und Nachbarn weitergegeben... Dutzende SCU-Mitglieder wurden von Polizei, Großgrundbesitzern und Lynch-Mobs ermordet. Um die Repression zu unterlaufen, tarnte die SCU ihre Versammlungen als „Bibelstunden“ oder „Nähkurse“... Der Communist Party (CPUSA) gelang es in Alabama, Elemente schwarzer Widerstandskultur mit internationalistischen Perspektiven zu verbinden. Religiöse Folklore, jahrhundertelang eines der wichtigsten Elemente im Widerstand gegen die Sklaverei, vermischte sich mit „Proletkult“: Parteisitzungen begannen nicht selten mit Gebeten wie „Praise God for Lenin“. Bürgerliche Kritiker brandmarkten solches Interesse an Lenin, Thälmann oder afrikanischen Befreiungskämpfen als „Instrumentalisierung“ analphabetischer Kleinbauern für die Ziele der CPUSA. Die Betroffenen selbst, die in den rassistischen Südstaaten oft nur eine minimale Schulbildung erhalten hatten, erlebten dagegen ihre Politisierung als Befreiung.                                                 Michael Hahn
(„Encyclopedia of the American Left“, New York 199o, in: Konkret 5/94)

Schriften vom BdA Köpenick
Berlin, August 2oo1. Liebe Freunde der Thälmann-Gedenkstätte in Hamburg. Nachdem Ihr unser Gedenkbuch erhalten und uns Eure Schriften versprochen habt, möchte der Vorstand des Bundes der Antifaschisten Köpenick e.V. Euch weitere Veröffentlichungen übersenden. Besonders erwähnen möchten wir, dass wir als einziger Berliner Bezirk alle antifaschistischen Straßennamen erhalten konnten.
Mit herzlichen Grüßen Hanna Wichmann

Gruß an die Mitgliederversammlung 2001 von einem Mannheimer Kuratoriusmitglied
Mannheim, 17.X.o1. An die Mitgliederversammlung des Kuratoriums GET. Zu keiner Zeit hat die Verdrängung des Buchenwald-Schwurs „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ durch die Herrschenden so aufgerüttelt wie heute. Deutschland als Verlierer des z. Weltkrieges pocht in Europa darauf als Hegemon anerkannt zu werden. Die USA führen Krieg gegen Afganistan. Die Bundeswehr ist in Kosovo und neuerdings auch in Mazedonien eingesetzt. Die Friedens- und Antifaergebnisse des z. Weltkrieges sind schon fast vollständig revidiert. Und dies auch mit Zustimmung Putins bei seinem ersten Deutschlandbesuch. Die regierungsoffizielle Einstellung einer weiteren Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit steht an. Das alles bestärkt mich in der Überzeugung: Es ist gut, dass es die Gedenkstätte Ernst Thälmann gibt. Gut für den Kampf gegen Krieg und Neofaschismus. Gut für die Wahrung des revolutionären Erbes der deutschen Arbeiterbewegung. Gut für eine kommunistische Partei in Deutschland und mag sie noch so klein sein. Herbert Mies
 

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Positionen und Perspektiven der Gedenkstätte Ernst Thälmann
Beschlossen  vom Kuratorium GET auf seiner Mitgliederversammlung  2001

Die Gedenkstätte Ernst Thälmann im Hamburger Wohnhaus des ermordeten Arbeiterführers, seiner Frau Rosa und Tochter Irma besteht heute 32 Jahre. Ernst Thälmann (1886 - 1944) , Hafenarbeiter, Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender der USPD Hamburg, Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft und des Reichstages Vorsitzender der KPD, Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Initiator der Antifaschistischen Aktion wurde 1933 festgenommen und nach 11 jähriger Haft auf Befehl Hitlers im KZ Buchenwald erschossen.
Auf der ersten Mitgliederversammlung im neuen Jahrhundert hält unser Kuratorium Rückblick auf seine bisherige und Ausblick auf die künftige Gedenkstättenarbeit. Unserem Statut folgend verstehen wir unsere übergreifende Aufgabe darin, der Öffentlichkeit Leben, Kampf und Vermächtnis Ernst Thälmanns und die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung zu vermitteln. Der bisher zurückgelegte Weg unserer Einrichtung wird durch folgende Ereignisse markiert:
1969: Eröffnung der “Gedenkstätte Ernst Thälmann” durch Kampfgefährten des Ermordeten
1970: Konstituierung des Kuratoriums Gedenkstätte Ernst Thälmann (GET)
1973: Erweiterung des Kuratoriums auf Bundesebene/ Herausgabe der ersten Ausgabe   “Rundbrief aus dem Thälmann-Haus”
1974: Zuerkennung der Gemeinnützigkeit als eingetragener Verein
1976: Neugestaltung der ständigen Ausstellung auf größerer Fläche/ Einführung fester Öffnungszeiten/ Beginn der antifaschistischen Stadtrundfahrten mit der VVN und der MASCH Hamburg, 1979 durch den Landesjugendring mit VVN Zeitzeugen weitergeführt
1977: Herausgabe von Thälmanns in faschistischer Haft verfaßten autobiografischen Aufzeichnungen unter dem Titel: “Zwischen Erinnerung und Erwartung“; 2. Auflage 1994 als Reprint
1982: Eröffnung der Thälmann-Bibliothek mit kleiner Archivsammlung
1985: Infolge öffentlichen Begehrens Benennung eines Teils der Kegelhofstrasse in Ernst-Thälmann-Platz;
80er Jahre: Zusammenarbeit mit der Willi-Bredel-Gesellschaft und anderen Geschichtswerkstätten,
90er Jahre:  Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch mit dem “Freundeskreis der Ernst Thälmann Gedenkstätte” e.V. Ziegenhals
1994: Gemeinsame Kundgebung in Berlin zum 50. Todestag Thälmann und Breitscheid mit der ET-Gedenkstätte Ziegenhals, DKP, PDS, fdj, dem Bund der Antifaschisten u. a.
2000: Herausgabe des neuen Gedenkstättenführers „Ernst Thälmann und Kampfgefährten. Eine Hamburger Ausstellung in Bild und Text.” Einrichtung einer Hompage der GET im Internet.
Zu den hauptsächlichen Tätigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Thälmann-Haus gehören:

Ein Maßstab für unsere Gedenkstättenarbeit ist die Anzahl der Menschen, die unsere Ausstellung und Veranstaltungen besuchen, unsere Bibliothek und Archivsammlung nutzen. Seit der Errichtung unserer Gedenkstätte konnten wir 172 000 Besucherinnen und Besucher bei uns begrüßen. Davon entfielen auf die 90er Jahre 22 000, eingeschlossen 13 000 Schülerinnen und Schüler sowie Mitglieder von Jugendgruppen, teils auch aus dem Ausland, die im Rahmen von Alternativen Stadtrundfahrten des Hamburger Landesjugendringes unsere Einrichtung besuchten. Nach den gesellschaftspolitischen Umbrüchen auf deutschem Boden und in Osteuropa verzeichnen wir im Vergleich zu der davor liegenden Zeit geringere Besucherzahlen namentlich aus dem Ausland. Das Thälmann-Haus bleibt nach wie vor Anlaufpunkt für geschichtspolitisch aufgeschlossene Menschen. Dieses Interesse zu bewahren und zu verstärken betrachten wir weiterhin als eine vorrangige Aufgabe.

 Geschichte - Lehrmeisterin für Gegenwart und Zukunft
Mit den gesellschaftspolitischen Veränderungen in Deutschland entstanden auch für antifaschistische Gedenkstättenarbeit neue politische Rahmenbedingungen. Die Bedeutung antifaschistischer Gedenkstätten wird damit nicht vermindert, im Gegenteil. Das Kuratorium bekräftigt seine Auffassung, dass für die Vermittlung der Traditionen des antifaschistischen Widerstandskampfes im Prozess der Erneuerung bei den Linken und für die Aufarbeitung der Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung  die Gedenkstätte Ernst Thälmann unverzichtbar bleibt. Die Weiterführung ihrer Arbeit trägt dazu bei, auch andere antifaschistische Gedenkstätten gegen Angriffe restaurativer Kräfte zu verteidigen.
Nach dem Ende sozialistischer Entwicklungen in der DDR, der UdSSR und in anderen Ländern, dem das Zunichtemachen gesellschaftlichen Fortschritts und sozialer Standards folgte, ist bei politisch Interessierten, auch bei manchen kommunistisch und sozialistisch orientierten, eine Neigung zu erkennen, die Geschichte als Quelle von Erfahrungen und Erkenntnissen für die Gegenwart und Zukunft zu relativieren, ja sie zu verneinen. Der Zeitabschnitt, mit dem sich unsere Gedenkstättenarbeit befasst, gehört nicht einer längst vergangenen sondern der jüngeren Geschichte an, der Epoche des Imperialismus. Diese begann um die Wende zum 20. Jahrhundert mit der Herausbildung kapitalistischer Monopole und dauert - heute unter veränderten politischen Bedingungen - zum Schaden der Menschheit und des gesellschaftlichen Fortschritts noch an. Gegen den besonders aggressiven deutschen Imperialismus, der zwei Weltkriege auslöste und aus dem der deutsche Faschismus erwuchs, haben Ernst Thälmann und seine Mitstreiter einen mit vielen Opfern verbundenen Kampf geführt. Kenntnisse und Erkenntnisse daraus sind nicht gering zu schätzen. Gleichzeitig müssen die heute Lebenden ihre eigenen Erfahrungen machen und Antworten auf sich stellende Fragen finden. Geschichtliche Bildungsarbeit kann Denkanstöße geben, Positives zu nutzen und Pfade meiden zu lernen, die sich bereits in der Vergangenheit als Irrwege erwiesen.
Erfahrungsgemäß findet es gerade bei jüngeren Menschen ein besonderes Interesse, wenn Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandes aus ihrem Leben erzählen. Auch für uns erwächst ein Problem daraus, dass Zeitzeugen, die Faschismus und Krieg bewußt miterlebt haben, zunehmend weniger werden. Vor diesem Hintergrund besitzen auch von uns begonnene Befragungen von Zeitzeugen für die Perioden vor und nach 1945 eine nicht geringe Priorität.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Berufen. Keiner von uns hat sich vor der Gründung der Gedenkstätte etwa mit Museumspädagogik befasst. Wir lernten auf empirische Weise die komplizierte Thematik unseres Hauses rüberzubringen und uns immer besser auf die unterschiedlichen Gäste einzustellen. Bei der Vermittlung geschichtlicher Erfahrungen, besonders an jüngere Menschen, wollen wir nicht in Routine verfallen. Es geht darum, immer erneut ihrem Verständnis entsprechende Zugänge zu suchen und zu finden.
Ein Beispiel für eine anschauliche Handreichung zur Aneignung von Kenntnissen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir mit unserer Ausstellungsdokumentation „Ernst Thälmann und Kampfgefährten“ geschaffen. Im übrigen hatte diese Publikation nicht nur bei Gästen und auswärtigen Interessenten eine gute Nachfrage, sondern brachte unserer Geschichtswerkstatt 2000/2001 eine relativ starke Beachtung in der Öffentlichkeit durch verschiedene Beiträge in den Medien.

Geschichte – Ein Feld miteinander widerstreitender Kräfte
Bis weit in die 60er Jahre war in einschlägigen westdeutschen Publikationen der Widerstand gegen das Naziregime zumeist auf die Aktion der Militärs am 20. Juli 1944 und auf kirchliche Bereiche reduziert. Daß der Widerstand in seiner Breite, eingeschlossen der Arbeiterwiderstand, stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte, ist vor allem den Aktivitäten der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN) zu danken, ebenso dem Röderberg-Verlag mit seiner 1969 begonnenen Reihe “Bibliothek des Widerstandes”. An dieser mit den siebziger Jahre einsetzenden Entwicklung hatten in Hamburg Anteil u.a. die GEW, das Museum für Hamburgische Geschichte, Geschichtswerkstätten in den Stadtteilen, so auch unsere Gedenkstätte. Nicht zuletzt ist die Forschungs- und Vermittlungstätigkeit von Institutionen der DDR zum Thema Widerstand und Verfolgung zu nennen, die starke Rückwirkung auf den Westen hatte.
Nach dem Wegfall der DDR setzte auch in der deutschen Geschichtsschreibung Revision ein. Ausgeblendet in offizieller bundesdeutscher Geschichtsbetrachtung blieb der Arbeiterwiderstand und damit auch der Anteil der  Kommunisten. Ernst Thälmann und die mit seinem politischen Wirken verbundenen revolutionären Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung stehen vorrangig im Visier rechtskonservativer Geschichtsentsorgung. Walter Wimmer, Mitautor der Thälmann-Biografie, hat dafür 1993 auf einer GET-Veranstaltung Gründe genannt: „Es geht nicht nur darum, in Thälmann das Symbol des Antifaschismus zu treffen... es geht um mehr, es geht darum, in Thälmann sozusagen die Verkörperung dessen, was wir Klassenbewußtsein nennen, zu vernichten. Die neue Art der Geschichtsbetrachtung, in der der Arbeiter, in der die Klasse, in der die sozial entrechteten Schichten ihre eigene Geschichte und ihre eigene Zukunft haben, und die im Grunde genommen durch die Bemühungen der Arbeiterbewegung selbst - in Deutschland erst nach 1945 und im wesentlichen in der DDR - möglich wurde, soll wieder verschwinden. Man will wieder zurück zu einer Geschichtsauffassung, die diese Geschichtsbewußtseinsbasis des gesellschaftlichen Anspruchs der sozial Entrechteten negiert“(Rundbrief aus dem Thälmann-Haus Nr. 25./ September 1993).
Dem politischen Wirken der KPD unter Thälmann haben sich nach dem Ende der DDR eine Reihe von Historikern zugewandt, die dort ihre  Qualifizierung zu Wissenschaftlern erfahren konnten, heute aber konträre Positionen gegenüber dem seinerzeit vertretenen Geschichtsbild einnehmen. In solchen Arbeiten zur kommunistischen Politik von 1918 - 1933 ist als durchgehende Tendenz zu erkennen, dass sie das Wirken der KPD und Ernst Thälmanns entgegen ihrer tatsächlichen Leistungen als geschichtlich kontraproduktiv darstellen. Aus solcher Betrachtungsweise werden auch unserer Gedenkstätte Klischees wie „Reliquiensammlung“, „Kultstätte“, „letzte Nische des Kommunismus" etc. angehängt.
Wir wollen keine Konservierung oder Stillstand der Geschichtsschreibung und verschließen uns nicht gegenüber neuen Forschungsergebnissen. Unsere Geschichtsauffassung basiert auf den Theorien von Marx und Engels, Lenin, Mehring, Luxemburg und anderen Marxisten. Danach sind Gesellschaft, gesellschaftliches Denken wie Geschichtsbetrachtung nicht als etwas Abgeschlossenes, Statisches zu sehen, sondern als ein Prozess, der Entwicklungen und Veränderungen widerspiegelt.
Auch wir gewannen nach den Umbrüchen in den 90er Jahren neue Einsichten und Erkenntnisse für unsere Geschichtsarbeit. Gegenüber jüngeren Untersuchungen, die auf Quellen basieren, verhalten wir uns aufgeschlossen, sofern sie nicht neue Vor-Urteile kreieren. Von Historikern erwarten wir, daß vergangene Wirklichkeit aus dem jeweiligen geschichtlichen Zusammenhang und unter Berücksichtigung des Selbstverständnisses  damals Agierender dargestellt und nicht aus heutiger politischer Sicht interpretiert, umgeschrieben oder  instrumentalisiert wird. In unsere Geschichtsbetrachtung beziehen wir Leistungen wie Fehlentwicklungen der Vergangenheit ein. Wir wollen uns informieren, alle Facetten kennenlernen, “weiße Flecken” aufarbeiten helfen und alte und neue Erkenntnisse für heute nutzbar machen.
Wir sind an übereinstimmenden wie unterschiedlichen Auffassungen/ Forschungsergebnissen über Thälmann und Kampfgefährten interessiert und gehen einem kontroversen, aber fair geführten Meinungsstreit nicht aus dem Wege. Allerdings haben wir weder Zeit noch Lust, uns länger mit Geschichtsklitterungen der  Thilo Gabelmanns zu befassen. Gefreut hat uns das lebhafte Echo pro und contra auf unseren letzten “Rundbrief” (Nr. 36/ Juni 2001), insbesondere zu dessen Aufmacher “Dimitroff-Thälmann-Stalin”.

Auch künftig Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Arbeiterbewegung überliefern
Angesichts der mit der Niederlage des Sozialismus in Europa verbundenen Entwicklungen, der Prozesse im heutigen Imperialismus und der gegenwärtigen Situation in der Arbeiterbewegung, stellen wir uns der Frage nach dem Standort und den Perspektiven der Gedenkstätte Ernst Thälmann. In unserer geschichtsvermittelnden Tätigkeit bleiben wir  Traditionen und  Idealen zugewandt, die Ernst Thälmann in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung verkörperte, seinem Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit, nach einer Welt ohne Krieg, Faschismus und Ausbeutung.
Als Thälmann nach der vorigen Jahrhundertwende sich der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung anschloß, folgte ein Aufrüstungsprogramm dem anderen: Zwischen den imperialistischen Mächten Europas begann ein Rüstungswettlauf, der geradewegs in den Ersten Weltkrieg führte. Eine massive Aufrüstung Hitlerdeutschlands ebnete den Weg in den Zweiten Weltkrieg. Das 20. Jahrhundert endete mit dem unter deutscher Beteiligung geführten Angriffskrieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Auch der Beginn des 21. Jahrhunderts  ist von friedensbedrohender Aufrüstung mit enormer Zerstörungskraft der atomar bestückten modernen Waffentechnik gekennzeichnet.  Die Militarisierung des Weltraumes durch die USA hat begonnen. Europäische und bundesdeutsche Militärkräfte werden aufgestellt für weltweite Einsätze. Die Mitgliederversammlung verurteilt den Terroranschlag vom 11. September 2001 in den USA und ist sich gleichzeitig mit der demokratischen Weltöffentlichkeit einig, dass der Bombenkrieg gegen Afghanistan sofort beendet werden muss.
Angesichts dieser die Spannungen in der Welt verstärkenden Entwicklung gewinnt ein Gedanke von Ernst Thälmann wieder Aktualität, den Kampf nicht erst aufzunehmen wenn ein Krieg begonnen hat, sondern bereits in Friedenszeiten Aufrüstungsmaßnahmen aufzudecken und ihnen energisch entgegenzuwirken. Dazu wollen auch wir im Bündnis mit der Friedensbewegung weiterhin beitragen.
Ebenso aktuell erweisen sich die Warnungen Thälmanns vor den Gefahren, die in den 20er, 30er Jahren aus der Faschisierung Deutschlands erwuchsen. Die gesellschaftlichen Kräfte, die damals die Weichen in Richtung Faschismus und Weltkrieg stellten, sind bei veränderten Rahmenbedingungen noch da und nach wie vor bestimmend.  Nach dem Anschluß der DDR an die Bundesrepublik ist eine immer ausgeprägtere Rechtsentwicklung, ein immer aggressiver werdendes Auftreten von organisiertem Neofaschismus festzustellen. Wenngleich dies im Artikel 139 Grundgesetz bereits im Ansatz zu verbieten ist, wird es von zuständigen Stellen legal bemäntelt und durch massive Polizeieinsätze geschützt.
Vor diesem Hintergrund behält die Geschichtsvermittlung über den Faschismus, zum Widerstand gegen Hitler und seinen Krieg, die unser spezifischer Beitrag zum bündnisorientierten Wirken der antifaschistischen Kräfte von heute ist, einen wichtigen Stellenwert. Solche Überlieferungen verbinden wir mit der Erinnerung an die von den Faschisten politisch, rassistisch, religiös, sexistisch verfolgten und ermordeten Männer, Frauen und Kinder.
Im Verlaufe unserer Gedenkstättenarbeit haben wir eine Struktur entwickelt, die es erlaubt, auch weiterhin verschiedenen Interessen von aufgeschlossenen Besucherinnen und Besuchern gerecht zu werden. Unser geschichtsorientiertes Angebot hat seine Grundlage in unserer ständigen Ausstellung. Wer sie besichtigt, gewinnt einen ersten Eindruck vom Thema unseres Hauses und von unserer Tätigkeit. In Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern und bei Führungen von Gruppen erläutern wir Entstehung, Entwicklung und Inhalte unserer Ausstellung. Gewonnene Eindrücke widerspiegeln sich in unserem Gästebuch.
Von öffentlich zugänglichen Einrichtungen wie der unsrigen erwarten Bildung suchende Mitmenschen ein interessantes Angebot an Veranstaltungen. Von uns angewandte und sich bewährende Formen sind Vorträge mit anschließender Diskussion zu geschichtlichen Themen, ebenso Buchlesungen. Um für den Besuch unserer Veranstaltungen anzuregen, wollen wir bei der Auswahl von Themen mehr auf Bedürfnisse an unserem Programm Interessierter eingehen und anstreben, die Themeninhalte mehr in Verbindung von Geschichte und Gegenwart abzuhandeln.
Die GET bietet 500 Videofilme zur Auswahl an. Filmvorführungen könnten möglicherweise größeren Zugang finden, wenn diese statt wie bisher an Werktagsabenden an Sonntagvormittagen veranstaltet würden evtl. als ständig eingerichtete Matineen. Anregen möchten wir andere Vereine, Verbände und Organisationen, selbst ausgewählte oder selbst hergestellte Videos in unserem Ausstellungsraum vorzuführen, wobei die Bedienung der Technik unsere Aufgabe bleibt.
Wir wollen uns mit Jugendlichen über eine effektive Nutzung des Internets austauschen, um klare Antworten auf Fragen zu Themen wie Faschismus, Antifaschismus, Krieg, Frieden, Arbeiterbewegung geben zu können. Ähnliche Zugänge wollen wir für die Nutzung unserer Bibliothek und Archivsammlung öffnen, was aber noch deren datenmäßige Erfassung erfordert.
Im Rahmen unserer weiteren Veranstaltungsplanung nehmen wir schon jetzt mittelfristig anstehende Ereignisse in den Blick. Dazu zählen:
- 70. Jahrestag der Machtübergabe an den Hitlerfaschismus im Januar 2003,
- 60.Wiederkehr der Todestage von Ernst Thälmann und Rudolf Breitscheid im August 2004,
- 100. Jahrestag der Gründung der deutschen Arbeiterjugendbewegung in Mannheim und Berlin im Oktober 2004.
Die Erinnerung an Thälmann und Breitscheid können wir uns in ähnlicher Form vorstellen wie die im Jahre 1994, durch eine von einem Bündnis getragene gesamtdeutsche Veranstaltung vor dem Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin. Ihr könnte als ein selbständiger Beitrag unseres Kuratoriums ein Thälmann-Breitscheid-Symposium in Hamburg vorausgehen oder folgen.

Zur materiellen und personellen Kontinuität der GET
Weil wir in den Traditionen der Arbeiterbewegung  stehen, ist uns solidarisches Handeln gegenüber denen, die Unterstützung brauchen, vertraut. Wir haben selbst in all den Jahren des Bestehens unserer Gedenkstätte ideelle und materielle Solidarität erfahren, die uns befreundete Menschen in nah und fern erweisen. Wir bleiben auf die unsere Gedenkstättenarbeit unterstützenden Spenden angewiesen. Wir wenden uns an Hilfsbereite, die zwischenzeitlich auf uns aufmerksam geworden sind, mit Spendenbeträgen, die von der Steuer abgesetzt werden können, unsere weitere geschichtspolitische Arbeit zu ermöglichen, die - wie schon immer - von uns ehrenamtlich geleistet wird.
Nächst der finanziellen haben wir auch die personelle Kontinuität unserer Gedenkstättenarbeit abzusichern, und jüngere nachrückende Kräfte zu gewinnen, denen wir interessante, bildungsfördernde Arbeitsfelder und Hilfe bei der Einarbeitung anbieten können.
                                                                                                                               Hamburg, 20. Oktober 2001

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Osthofen

Wen es im Urlaub oder aus sonstigen Anlässen nach Worms verschlägt, sollte die nahe gelegene Stadt Osthofen besuchen. In den westlichen Bundesländern dürfte es außer in Hamburg nur wenige Straßen und Plätze geben, die nach Ernst Thälmann benannt sind. In Osthofen gibt es nicht nur einen Ernst-ThälmannPlatz, sondern auch eine Karl-Liebknecht-Straße. 1933 und 1934 stand dicht an der Bahnlinie Speyer - Worms das Konzentrationslager Osthofen, das als “Westhofen“ im Roman “Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers erscheint. Das Haus wurde während meines Urlaubs im Juli 2001 völlig umgebaut, die Dauerausstellung kann aber besichtigt werden.
 Hans-Joachim Meyer

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Stammt die erste deutsche Thälmann-Briefmarke aus
Ludwigslust?

In einem Sammelband mit Geschichten über Ludwigslust berichtet der Schriftsteller und Publizist Jürgen Borchert, wie im Oktober 1945 Mecklenburger Briefmarken als “Antifa-Serie“ gedruckt wurden, und zwar mit den Motiven “Thälmann, Breitscheid und Clausener“. Nachdem die Entwürfe gebilligt wurde, dauerte es nur drei Tage, bis die Marken am 20. Oktober 1945 verkauft werden konnten. Entworfen hatte sie der Grafiker Herbert Bartholomäus, der bei seinen Künstlerkollegen nur “Meister Bartho“ genannt wurde und ein Freund Willi Bredels war. Borchert schreibt: “Und es war zugleich das allererste Mal, dass das Bildnis Thälmanns in einem deutschen Markenviereck erschien.“
Aus: Jürgen Borchert: Mecklenburg-Briefinarken. In: Hartmut Brun (Hrsg.): Ludwigslust. Ein Lesebuch. Hinstorff -Verlag, Rostock 2001.

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  Über den Besuch unserer Gedenkstätte von August 1999 bis August 2001  Eppendorfer Landstrassenfest

In der Berichtszeit ist unsere Ausstellung von 2 252 jüngeren und älteren Menschen besichtigt worden.. Dazu zählten 311 Besucherinnen und Besucher unserer Film und 60 Interessierte an unseren Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Überdies zählten dazu 28 Schulklassen mit 826 Schülerinnen und Schülern, die auf Alternativen Stadtrundfahrten des Landesjugendringes und der VVN-BdA Hamburg zu uns kamen.
Darüber hinaus gab es Gruppenbesuche unserer Ausstellung von der VVN-BdA Jugend, von der IG Metall Verwaltungsstelle Salzgitter, von Reisegruppen aus Dortmund/Duisburg, Berlin und Dresden, von österreichischen Zivildienstleistenden in der KZ Gedenkstätte Neuengamme, von deutsch lernenden Umsiedlern, vom Verband der Kriegsgräberfürsorge und von jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an einen international veranstalteten Schülerwettbewerb, die Gäste der Körber-Stiftung waren. 168 ausländische Besucherinnen und Besucher, die ihren Wohnsitz nicht in der Bundesrepublik haben, konnten wir in unserer Ausstellung begrüßen aus:
Australien, VR China, England, Estland, Frankreich, Iran, Israel, Jugoslawien, Kasachstan, Kolumbien, Korea, Kuba, Niederlande , Norwegen, Polen, Österreich, Rumänien, Rußland, Schottland, Slowenien, Schweden, Schweiz, Spanien, Türkei, Ukraine, USA, Wales und Weißrußland.
Eindrücke unserer Gäste widerspiegeln sich in mit ihnen geführten Gesprächen und. in unserem Gästebuch. Danach wird unsere Ausstellungsexposition u.a. als wirksam empfunden gegen „allgemeine Geschichtsverfälschung- und Verdrängung“, gegen die „Verharmlosung der wahren Ursachen von Faschismus und Krieg“, als „eine interessante Form der Geschichtsschreibung“ und weil „die gerade jetzt wieder so wichtigen historischen Erfahrungen wachgehalten werden.“                                                                                J.W.

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Aus unserem Gästebuch
Eintragungen von Juni bis November 2001

Es ist erschreckend zu sehen, was der Nationalsozialismus angerichtet hat. Doch es ist beruhigend zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich um die Erinnerung kümmern.
Rudolf-Steiner-Schule, Klasse 9a

Ich bin immer erfreut, wenn ich Stätten erlebe, in denen das Heldentum der antifaschistischen Widerstandskämpfer wachgehalten und den nachfolgenden Generationen überliefert wird.
R. Jenrich, Brandenburg

Eine außerordentliche interessante Ausstellung
R. Sinclair,      Salt Lake City, USA

Unsere Vergangenheit müssen wir kennen. Wenn man seine Vergangenheit nicht kennt, hat man auch keine Zukunft
E. Simonavicius Klasse 9b, IGS Wedel/Holstein

Die Geschichte kann nicht tot sein, sie prägt auch unsere Gegenwart
T. Buchinger

Die Ausstellung war für uns sehr interessant und hat uns viel gegeben. Wir danken all jenen, die diese hervorragende Arbeit geleistet haben und weiterhin leisten werden. Ernst Thälmann konnte man ermorden, aber seine Ideale leben durch diese Gedenkstätte weiter.
Gertrud Müller, Stuttgart und weitere Kameradinnen,
ehemalige Häftlinge des KZ Ravensbrück

Die Ausstellung hat uns beeindruckt, besonders die Erzählungen von Lydia waren ergreifend. Wir bewundern Euer jahrelanges, ehrenamtliches Engagement. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!
VVN-BdA Jugend Olaf Baier u.w.

Dieser Ort und diese Ausstellung sind heute wichtig, um nie die Helden und die Geschichte zu vergessen, und das Andenken an sie für die Gegenwart und Zukunft zu bewahren.
Jacline und Didien Corte´    Straßburg/ Frankreich

Am 45. Jahrestag des Verbots der KPD in der Bundesrepublik Deutschland ( 17. August 1956) ist Eure Ausstellung eine Insel inmitten des Vergessens       Wolf

Diese Ausstellung ist sehr interessant und informativ. Erst wenn man sich richtig damit beschäftigt, erkennt man, wie schlimm das für die Betroffenen war. Man lernt dadurch alles viel besser zu verstehen. Vergesst nie das Vergangene!                  Anja, Elena, Klasse 9b
Ich bin sehr erfreut, dass Geschichte auf diese Weise lebendig erhalten wird.    G. Schumacher,  Zittau

Die liebevoll gepflegte Gedenkstätte hat uns sehr gut gefallen. Möge sie viele Besucher zum Nachdenken für eine bessere Zukunft anregen.        Heidrun Helbig u.w.

Ernst Thälmann: Dein Widerstand gegen die Nazis ist ein Vermächtnis für uns     DGB Flensburg,
       IG Metall,
       IG Bau,
       verdi
       VVN-BdA Flensburg
18 Unterschriften     Hamburg, 10.11.2001

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Neuwahl des Vorstandes
Die Mitgliederversammlung der Kuratoriums „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ e.V. hat am 20.Oktober 2001 den bisherigen Vorstand und den Kassierer mit den Stimmen aller Anwesenden entlastet.
In geheimer Wahl einstimmig wiedergewählt zum Ersten bzw. Zweiten Vorsitzenden wurden Jan Wienecke und Erich Rölck. Als weiterer Zweiter Vorsitzender erhielt Uwe Scheer das Vertrauen.
Den neuen Vorstand gehören 14 weitere einstimmig gewählte Mitglieder an. Einstimmig wiedergewählt wurden die Mitglieder der Revisionskommission.

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SPENDEN
Für die Sicherung der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg sind wir dringend auf die weitere Unterstützung der Freunde und Genossinnen und Genossen angewiesen. Bitte erteilt uns
einen Abbuchungsauftrag- Andere Zahlungsweisen sind mit höheren Kosten verbunden.

                                                  Einzugsermächtigung

Ich spende monatlich/ vierteljährlich / halbjährlich € 5, € 10.-,€ 20.-,€ 50.-,€ 100.-, (bitte ankreuzen)
Ich ermächtige die Gedenkstätte Ernst Thälmann e.V. bis auf Widerruf (schriftlich oder telefonisch) die von mir zu entrichtete Spende
in Höhe von €   ......................................... von meinem
Konto-Nr.  ................................................BLZ ..................................................Bank...........................................................einzuziehen.
Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Spendenbescheinigungen werden regelmassig zugeschickt,
Vorname, Name......................................................................................................................................................................................
Straße, Hausnr .........................................................................................PLZ., Ort..............................................................................
Datum........................................................ Unterschrift........................................................................................................................
(Einsenden an: Gedenkstätte Ernst Thälmann e.V. Tarpenbekstraße  66 /Thälmannplatz 20, 20251 Hamburg, Tel: 040-474184)

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Ernst Thälmann: Krieg dem imperialistischen Kriege!
Aus seiner Rede am 31. Oktober 1932 in Paris auf einer Kundgebung der Kommunistischen Partei Frankreichs

Genossen, ich bin hierher, nach Paris, gekommen, um hier, in der Stadt der Kommune von 1871, dieses leuchtenden Fanals der revolutionären Arbeiterbewegung, Anklage zu erheben gegen die kapitalistischen Regierungen unserer beiden Länder, die Regierung Papen-Schleicher in Deutschland und die Regierung Herriot in Frankreich. Gegen die nationalistische Kriegshetze, gegen die militärische Aufrüstung, gegen die imperialistische Politik der Kriegsvorbereitung, wie sie die deutsche und die französische Bourgeoisie betreiben, haben wir Kommunisten in Deutschland und Frankreich uns im Zeichen des proletarischen Internationalismus unter dem Banner der Kommunistischen Internationale zusammengetan, um unsere internationale Aktion des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg, gegen Chauvinismus und Militarismus und gegen das Versailler System durchzuführen...
Unser Kampf, unsere internationale Aktion gegen das Versailler System hat nicht das mindeste zu tun mit den imperialistischen Ansprüchen und der nationalistischen Propaganda der deutschen Bourgeoisie und der Nationalsozialisten. Wir wollen nicht die imperialistische Macht Deutschlands wieder herstellen. Im Gegenteil! Wir führen den schärfsten und schonungslosesten Kampf gegen die imperialistischen und militaristischen Bestrebungen der deutschen Bourgeoisie. Aber wir wollen, so wie wir die soziale Knechtschaft der Werktätigen durch das kapitalistische Profitsystem beseitigen wollen, zugleich die nationale Unterdrückung durch Versailles zerschlagen und aufheben...
Wir wissen, daß nur der Sieg der Arbeiterklasse im Bündnis mit den übrigen Werktätigen, dieses Ende des Versailler Systems gleichzeitig mit dem Ende der kapitalistischen Ausbeutung bringen kann. Aber wir wollen die Massen für dieses Ziel begeistern. Wir wollen den Massen zeigen, worum es geht, wofür sie kämpfen müssen.
Die deutschen Werktätigen, die die deutsche Bourgeoisie mit ihrer nationalistischen Hetze zu verblenden versuchte, beginnen heute langsam zu erkennen, daß der Chauvinismus keine Befreiung von der Versailler Unterdrückung bringen kann. Die Massen beginnen zu begreifen, daß die Politik der Bourgeoisie nur größere Knechtschaft für sie bringt. Wir haben in Deutschland eine riesige nationalistische Bewegung, die Hitlerbewegung. Wir haben eine sogenannte nationale Konzentrationsregierung, eine Rechtsregierung. Aber die Unfreiheit, die drückenden Ketten des Versailler Systems sind nicht leichter, sondern schwerer geworden. Wenn die deutsche Bourgeoisie für Aufrüstung kämpft, so sagen wir Kommunisten zu den Massen: Waffen in den Händen der herrschenden Klasse sind Waffen gegen das werktätige Volk!
Wir kämpfen rückhaltlos dafür, in Deutschland wie in Frankreich, daß die riesigen Milliardenbeträge, die die Bourgeoisie für ihre militärischen Zwecke, für Heer, Marine und den staatlichen Unterdrückungsapparat ausgibt, nicht diesen volksfeindlichen Zwecken, sondern den Bedürfnissen der Ärmsten der Armen zugute kommen sollen. Die Milliarden für die deutsche Reichswehr aus den Steuergroschen der Werktätigen, die Milliarden für die französische Armee sollen nach unserem Willen für die Kriegsopfer, für die Erwerbslosen, für die Rentner, für die armen Bauern, Siedler, Pächter, Fischer und Mittelständler zur Linderung ihrer Not verwandt werden!
So kämpfen wir Kommunisten in Deutschland wie in Frankreich für die Tagesinteressen der Massen und zugleich für ihre sozialistische Zukunft. Denn das eine läßt sich nicht vom anderen trennen ...
Mit heroischem Mut kämpften deutsche und französische Kommunisten bereits während des Ruhrkrieges 1923 im Zeichen des proletarischen Internationalismus gemeinsam gegen Poincare und den französischen Imperialismus und gegen den damaligen Kanzler Cuno und die deutsche Bourgeoisie.
Wir wollen uns für Gegenwart und Zukunft, angesichts der erneut stärker denn je anwachsenden Gefahr eines imperialistischen Krieges, auf den sich die Imperialisten Frankreichs und Deutschlands vorbereiten, immer wieder das große Wort Karl Liebknechts vor Augen führen: Der Feind steht im eigenen Land!
Marx und Engels riefen im “Kommunistischen Manifest“ aus: “Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Und von hier aus soll in dieser historischen Stunde der Ruf durch Deutschland und Frankreich gehen: Proletarier Deutschlands und Frankreichs, vereinigt euch!
Ernst Thälmann/Maurice Thorez: Paris-Berlin. Unser Kampf gegen den imperialistischen Krieg,  gegen Versailles. Für die soziale und nationale Befreiung.  Schrift der KPD Berlin 1932
Nachbemerkung: Französische Kommunisten sicherten Thälmanns Aufenthalt in Paris und geleiteten ihn am anderen Morgen ins Saargebiet.  Sie kamen dabei über die Schlachtfelder von Verdun, auf denen im Ersten Weltkrieg Hunderttausende junger Deutscher und Franzosen verbluteten.

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