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Elternhaus, Kindheit und Jugend

2: Vitrine I
Elternhaus, Kindheit und Jugend

Ernst Thälmann wurde in der wilhelminischen Ära zur Zeit der Bismarckschen Sozialistengesetze geboren: 1886 kam er in der Hamburger Altstadt am Alten Wall 86 zur Welt. Seine Eltern Jan und Maria Thälmann zogen in den Stadtteil Eilbek und übernahmen dort ein Gemüse-, Steinkohlen- und Fuhr-werksgeschäft, in dem Ernst und seine Schwester Frieda von jung auf, mithelfen mussten. Die Eltern waren parteipolitisch nicht organisiert; im Unterschied zum Vater war die Mutter tief religiös. Thälmanns Schulbesuch begann 1892 in der Volksschule Kantstraße in Eilbek. Seine Lieblingsfächer waren Geschichte, Geographie, Naturkunde, Mathematik und Turnen. 1899 wechselte er zur Volksschule am Roßberg, um dort die "Selekta" (Abschlussklasse für begabte Volksschüler) zu besuchen. Nach Schul-entlassung und Konfirmation hätte er gern einen Beruf erlernt, aber der Vater bestimmte, dass er weiter im elterlichen Kleinbetrieb mitarbeiten musste. Wie Thälmann in der um 1935 verfassten Niederschrift "Mein Lebenslauf bis zum Eintritt in die KPD" (in: Ernst Thälmann, Zwischen Erinnerung und Erwar-tung, Frankfurt/M. 1977, S. 11 ff.) festgehalten hat, gehörten zu den stärksten Eindrücken seiner Kindheit der Hamburger Hafenarbeiterstreik 1896, der Dreyfuß-Prozess in Frankreich, der Burenkrieg sowie in Hamburg eine Aufführung von Schillers Freiheitsstück "Wilhelm Tell". Ein Schlüsselerlebnis sei die Teilnahme an einer sozialdemokratischen Schulentlassungsfeier gewesen, auf die er durch rote Plakate aufmerksam geworden war. Sie brachte ihn mit gleichgesinnten Jugendlichen zusammen, und er kaufte damals (für 20 Pfennig) seine erste politische Broschüre "Wie werde ich Mitstreiter am Sozialismus?".

Thälmann (x) unter seinen Klassenkameraden in der Volksschule Kantstraße.


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