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Arbeiterwiderstand während des Krieges

33: Vitrine XXVII
Arbeiterwiderstand während des Krieges

In den Jahren 1939 und 1940 wurden eine Reihe kommunistischer Funktionäre aus dem KZ Sachsen-hausen entlassen, darunter die Hamburger Robert Abshagen, Bernhard Bästlein und Franz Jacob. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion begannen sie 1941 mit Oskar Reincke, Walter Bohne und Gustav Bruhn eine illegale Betriebszellen-Organisation aufzubauen, die bis zum Herbst 1942 in über 3o Werften und Fabriken Fuß fassen konnte und mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zusammenwirkte. Bästlein, Jacob, Abshagen und Reincke, die sich als KPD-Bezirksleitung konstituiert hatten, standen durch ihren Berliner Sachsenhausen-Kameraden Wilhelm Guddorf in direkter Beziehung zur Berliner Gruppe der "Roten Kapelle". Ende 1941 verfassten Bästlein und Guddorf eine programmatische Schrift, in der sie als Hauptaufgaben formulierten: "Revolutionäre müssen da tätig sein, wo die Massen sind, d.h. 1. im Betrieb und 2. in der Armee." Die Bezirksleitung an der Wasserkante gab internes Kadermaterial heraus, richtete im Juni 1942 an die zur Organisation Todt Dienstverpflichteten ein "Merkblatt für Bauarbeiter" (s. Dok. oben links) und bereitete eine Feldpostbriefaktion für Wehrmachtangehörige vor. Nachdem die Gestapo die Verhaftungsaktion "Rote Kapelle" eingeleitet hatte, griff sie Mitte Oktober 1942 auch in Hamburg zu und nahm Bästlein und etwa 100 Mitstreiter fest. Franz Jacob konnte sich nach Berlin durchschlagen und setzte mit Anton Saefkow und anderen Kommunisten den organisierten Widerstand fort, dem sich nach seiner Flucht aus dem Zuchthaus Plötzensee auch Bernhard Bästlein anschloss. Die illegale KPD-Organisation in Berlin und Brandenburg bildete in über 50 Rüstungsbetrieben neue antifaschistische Kadergruppen und gab zahlreiche programmatische Schriften, Flugblätter sowie Soldatenbriefe heraus, die auf die Politik des Nationalkomitees "Freies Deutschland" orientierten. Einen Aufruf richtete sie anlässlich der Ermordung von Walter Bohne, Gustav Bruhn und Genossen "An alle Hamburger Kommunisten und revolutionären Arbeiter!" (s. Dok. oben rechts). Viele dieser Schriften brachte die als Kurierin tätige Genossin Charlotte Groß nach Hamburg. Im Juni 1944 trafen sich Saefkow und Jacob mit den sozialdemokratischen Politikern Julius Leber und Adolf Reichwein aus dem Kreisauer Kreis, um über gemeinsame Zielvorstellungen zu beraten. Einen Monat später ließ das Reichssicherheitshauptamt aus der Widerstandsorganisation der KPD mehr als 280 Mitstreiter verhaften. Von den in Hamburg seit 1942 Festgenommenen wurden über 60, von denen im Raum Berlin über 90 Männer und Frauen ermordet.


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