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Kanonier an der Westfront


13. Januar 1915: Ernst und Rosa Thälmann an ihrem Hochzeitstag.

4: Vitrine III
Kanonier an der Westfront

In dieser Vitrine (oben, halblinks) ist eine in der Vorkriegszeit entstandene "Zukunftskarte Europas" zu sehen mit alldeutschen Eroberungszielen: Einverleibung von Gebieten jenseits der Reichsgrenzen im Osten, Norden und Westen.

Im Jahre 1906, als im Reichstag ein weiterer Beschluss zur Vergrößerung der deutschen Kriegsflotte fiel, wurde Thälmann zum Militärdienst nach Schleswig-Holstein einberufen. Auf Hamburger Versammlungen unterstützte er 1913 den Antrag der linken Minderheit (Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und 139 andere Delegierte) des Jenaer SPD-Parteitages, dass "alle Gesetzesvorlagen, die zur Stärkung des Militarismus dem Reichstag vorgelegt werden, ... abzulehnen sind". Am 1. August 1914 erklärte das Deutsche Reich Russland den Krieg. Drei Tage später bewilligte die SPD-Reichstagsfraktion die Kriegskredite; bei der zweiten Vorlage stimmte Liebknecht als Einziger dagegen.

Kurz nach seiner Heirat mit Rosa Koch musste Thälmann am 15. Januar 1915 in den Krieg. Er kam als Kanonier an die Westfront, erlebte u. a. die Schlachten in der Champagne, an der Somme, den Rückzug von Verdun und wurde dreimal verwundet. Im November 1916 stand er vor dem Kriegsgericht, weil er einem hungernden französischen Kind zu essen gegeben und einen kaiserlichen Offizier hatte abblitzen lassen; wegen Beharrens im Ungehorsam bekam er zwei Wochen strengen Arrest. Bis Kriegsende erhielt Thälmann Schriften der Linken, u. a. den von Liebknecht im Auftrage der Gruppe " Internationale" 1915 verfassten Aufruf "Der Hauptfeind steht im eigenen Land!", ebenso die illegalen "Spartakusbriefe" der 1916 gebildeten "Spartakusgruppe".


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